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Er war der „King of Swing“: Benny Goodman machte mit seinem eleganten Klarinettenspiel dieses Instrument zum Synonym einer Ära. Der Musiker, der im Jahr 2009 100 Jahre alt geworden wäre, war etwas ganz Besonderes – als Künstler, als Mensch, und letztlich auch als höchst erfolgreicher Geschäftsmann. Doch all das wurde Benjamin David Goodman keineswegs in die Wiege gelegt, als er am 30. Mai 1909 als Sohn einer russisch-jüdischen Einwandererfamilie in Chicago geboren wurde.
Sein Vater, Arbeiter im städtischen Schlachthof, musste 12 Kinder ernähren. Trotzdem ermöglichte er ihnen sogar Musikunterricht. Als bald darauf einer seiner Brüder Jazz-Schallplatten mit nach Hause brachte, war es um ihn geschehen.
Schon mit 13 Profi
Bereits mit 13 trat Benny der Musikgewerkschafter bei und war somit Profi. Er hatte binnen kurzem derart viele Engagements, dass er die Schule verlassen konnte. 1925, da war er 16, bekam er einen Job in der Band des berühmten Bandleaders Ben Pollack, in der er vier Jahre blieb, und wo er unter anderem mit Glenn Miller zusammenspielte. In dieser Zeit wurde er zu einem begehrten Studio-Musiker.
Nachdem er 1929 das Orchester verlassen hatte, spielte er rund 500 Platten für verschiedene Labels ein. Weil er zunehmend darunter litt, unter anderen Orchesterleitern arbeiten zu müssen, rief er schließlich 1934 seine erste eigene Band ins Leben.
Die Geburt der Swing-Ära
Bei ersten Auftritten in einem New Yorker Hotel hielt sich der Publikumszuspruch (noch) in Grenzen. Dafür nahm Goodman in den kommenden Monaten einige seiner besten Stücke auf Schallplatte auf. Auf seiner ersten Tournee 1935 forderten in Denver die Gäste am ersten Abend ihr Geld zurück. Das konnte die Band nur dadurch abwenden, indem sie fade Walzer spielte. Doch nur wenig später erhielt man ein Engagement im „Palomar Ballroom“ in Los Angeles, das später nicht wenige als „Geburt der Swing-Ära“ bezeichneten: Die mitreißenden Klänge der Band und die Begeisterung des Publikums sprachen sich, nicht zuletzt durch eine Reihe von Rundfunkübertragungen, schnell herum. Der Swing hatte es „geschafft“.
Eine auf drei Wochen angesetzte Verpflichtung im heimischen Chicago dauerte letztlich volle acht Monate! Zahlreiche großartige Musiker gehörten im Laufe der Zeit zu den verschiedenen Formationen dieses einzigartigen Bandleaders, etwa die Startrompeter Harry James und Ziggy Elman, der Schlagzeuger Gene Krupa, der Vibraphonist Lionel Hampton und berühmte Sängerinnen wie Ella Fitzgerald oder Peggy Lee.
Nur die Qualität zählt
Zu Benny Goodmans größten Verdiensten gehört sein Beitrag zur Überwindung der Rassentrennung in den USA. Denn in den frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts konnten schwarze und weiße Jazzmusiker so gut wie nie miteinander auftreten. Doch in Goodmans Bands zählte ausschließlich die Qualität, nicht die Hautfarbe. Dies zeigte sich unter anderem beim wohl berühmtesten Jazzkonzert aller Zeiten in der New Yorker Carnegie-Hall am 16. Januar 1938. Zu den Gaststars gehörten unter anderen der legendäre Count Basie nebst einigen Mitgliedern seiner Band (Lester Young, Freddie Green und Walter Page).
Die Kriegsjahre führten zu einem spürbaren Niedergang der Bigband-Ära. 1939 löste Goodman folgerichtig seine Band auf, um mit kleinen Besetzungen, vom Trio bis zum Septett, zu arbeiten. Im Dezember 1940 sah die Carnegie-Hall Benny Goodman in einer völlig anderen Rolle wieder: Als Gaststar der New Yorker Philharmoniker spielte er Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert und die erste Rhapsodie von Debussy. Später dirigierte er unter anderem das Philadelphia Orchestra.
Aktiv bis zum letzten Atemzug
Nach dem Krieg formierte er immer wieder neue Gruppen, beispielsweise für die Aufnahmen zum Film „Die Benny Goodman-Story“, dessen Biografie er als nicht ganz korrekt kritisierte. Außerdem bereiste er als Musiker die ganze Welt. 1962 tourte er mit einer Band aus handverlesenen Jazzstars höchst erfolgreich durch Russland, als erste amerikanische Formation dieser Art.
Bereits 74-jährig, wurde er 1983 noch einmal zum weltbesten Klarinettisten ernannt. Im Jahr seines Todes erhielt er einen speziellen Grammy für seine künstlerische Leistung. Am 13. Juni 1986 starb der „King Of Swing“, dem die Musikwelt so viel zu verdanken hat, in seinem eigenen New Yorker Studio. Als man ihn fand, lag seine Klarinette neben ihm, bis in den Tod hinein seine treueste Begleiterin.
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