Zu Erinnerung an Maria Hellwig

Noch zwei Monate vor ihrem Tod, im September 2010, ist sie in Ainring im Berchtesgadener Land auf der Bühne gestanden. Und so war selbst Tochter Margot völlig überrascht, als ihre Mutter am 26. November des vergangenen Jahres für immer die Augen schloss. Wer auch immer sie in den vergangenen Jahren gesehen hatte, der wollte es kaum glauben: Maria Hellwig war tatsächlich Jahrgang 1920, wurde also mehr als 90 Jahre alt! Am 22. Februar 1920 als Tochter des Elektrikers Heinrich Neumeier und dessen Ehefrau Maria in Reit im Winkl geboren, begeisterte sie sich schon als kleines Mädchen für die Bühne und wirkte bereits mit fünf Jahren im Bauerntheater ihres Heimatortes mit.

 

Verkäuferin – Sängerin – Mutter

Auch wenn sie nach der Schulzeit eine Ausbildung zur Verkäuferin absolvierte, blieb Maria der Bühne immer treu. In ihrer Freizeit spielte sie Theater und nahm Gesangsunterricht. Im Bauerntheater lernte sie auch ihren ersten Ehemann Joseph Fischer kennen, Vater ihrer Tochter Margot (* 5. Juli 1941 in Reit im Winkl), mit der sie seit 1963 bis kurz vor ihrem Tod im Duo als Maria und Margot Hellwig auftrat. Margot durfte ihren Vater niemals kennen lernen, er fiel im 2. Weltkrieg.

 

Einmal Bayern – Hamburg und zurück

Nach dem Krieg heiratete Maria 1948 Addi Hellwig. Die beiden zogen nach Hamburg, wo Maria für verschiedene Rollen an der Volksoper engagiert wurde. Aber die Sehnsucht nach der Heimat und vor allem nach der Tochter Margot, die in der Obhut der Oma zurück geblieben war, ließen das Paar bald wieder nach Bayern zurückkehren.

 

Jodellehrer Franz Lang

Dies war jedoch keineswegs der Abschied von den „Brettern, die die Welt bedeuten“: Maria und Adi Hellwig gründen eine Wanderbühne, mit der sie einige Jahre durch die Lande zogen. Irgendwann fiel dem beliebten „Jodlerkönig“ Franzl Lang Marias wunderschöne Stimme auf. Er brachte ihr das Jodeln bei, schon bald sang Maria am Münchner Platzl und nahm 1957 ihre erste Schallplatte auf. Es folgten erste Engagements bei Rundfunk und Fernsehen sowie Tourneen. Die machten Maria Hellwig nicht nur in Europa, sondern sogar in Amerika zunehmend bekannter.

 

Die singende Wirtin

1964 eröffnete Hellwig in Reit im Winkl mit ihrem Mann das Restaurant-Café „Zum Kuhstall“, wie der Name schon sagt, in einem ehemaligen Kuhstall. Adi verstarb 1996, Maria leitete dieses legendäre Lokal einige Jahre weiter, das noch immer Anziehungspunkt für Volksmusikfreunde aus aller Welt ist.

 

Die Musik kommt – aus dem TV

Anfang der 1970er-Jahre begann der Siegeszug des Mutter-Tochter-Duos im Fernsehen. Unvergessen: „Die Musik kommt“, 1973 ins ZDF-Programm genommen. Über Nacht wurden die beiden einem Millionenpublikum bekannt, das sie sofort in seine Herzen schloss. Zehn Jahre lang hatte die Reihe ihren festen Platz. Ab 1984 standen Mutter und Tochter gemeinsam für „Die Heimatmelodie“ bei RTL vor der Kamera, was ein ebenso sensationeller Erfolg wurde wie die Nachfolge-Sendung „Servus, Grüezi und Hallo“. Die beiden Reihen erreichten Einschaltquoten, die für dieses Genre bei einem Privatsender einmalig waren.

 

Fast 50 Jahre gemeinsam auf der Bühne

1986 nahm das Duo für Deutschland am Grand Prix der Volksmusik teil. Aber damit nicht genug: Genau zwanzig Jahre später gingen die beiden wieder an den Start. Zahlreiche Tourneen führten die Hellwigs auf fast alle Kontinente – ob „Auf geht’s Leut – die Musik kommt“, „Lustige Musikanten“, „Musikantenstadl unterwegs“ oder das „Edelweiß der Volksmusik“, immer wieder begeisterten sie das Publikum mit ihrer Herzlichkeit und ihrem natürlichen Charme. 2008 feierten Maria und Margot Hellwig ihr 45-jähriges gemeinsames Bühnenjubiläum!

 

Mit Auszeichnungen überhäuft

Maria Hellwig ersang sich in ihrer Karriere mehrere Goldene Schallplatten. Ferner erhielt sie die Hermann-Löns-Medaille in Bronze, Silber, Gold und Platin, den Herman-Löns-Preis in Gold und Platin, den „Grünen Löwen von RTL“, das Edelweiß (1992) und den Ehren-Bambi, um nur einige Auszeichnungen zu nennen. 1993 verlieh ihr die Heimatgemeinde Reit im Winkl den Goldenen Ehrenring. Im Januar 2010 bekam Maria Hellwig die „Krone der Volksmusik“ für ihr Lebenswerk überreicht. In der gleichen Sendung ehrte sie ihre Heimatgemeinde Reit im Winkl einmal mehr, indem sie den Weg an ihrem Haus nach ihr benannte. Es sollte die letzte Ehrung bleiben.

 

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