Ingeborg Hallstein – Kammersängerin mit Bundesverdienstkreuz

 
Mitte der 1950er-Jahre wartet eine blutjunge Sängerin im großen Sendesaal des Bayerischen Rundfunks auf ihren ersten Radio-Live-Auftritt. Dort hat bereits vor dem Krieg ihre Mutter Elisabeth, einst Sopranistin wie sie selbst, große Erfolge gefeiert.
 
Künstlerin und Lehrerin
 
Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat Ingeborg Hallstein einen weiten Weg hinter sich. Etwa die Hälfte davon stand sie als Koloratursopranistin auf vielen bedeutenden Bühnen dieser Welt. Und die andere Hälfte begleitete sie als Lehrerin und Professorin zahlreiche junge Künstler auf ihrem Berufsweg. Im kommenden Jahr, am 23. Mai 2011, feiert die große Künstlerin ihren 75. Geburtstag. Ein Grund mehr, sich ihr zu widmen.
 
Eine Blitzkarriere
 
Gerade einmal 21-jährig, debütiert sie 1957 als „Musetta“ in Giacomo Puccinis „La Bohème“ am Stadttheater Passau. Eine Künstleragentur wird auf die attraktive Nachwuchsinterpretin aufmerksam. Über die Zwischenstation Basel geht es ans Münchner Gärtnerplatztheater. Im August 1960 steht sie erstmals bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne, als Rosina in Mozarts „La finta semplice“.
 
Erfolge auf der ganzen Welt
 
Wenig später wird Ingeborg Hallstein an die Bayerische Staatsoper verpflichtet, der sie bis Mitte der 1970er-Jahre als ständiges Ensemblemitglied treu bleibt. Nahezu alle großen Opernhäuser der Welt verpflichten sie jetzt für Gastspiele – Berlin, Hamburg, Stuttgart, Wien, Venedig, Buenos Aires oder London zählen zu den Stationen.
 
New York? Nein, danke!
 
Ob Beethoven oder Mozart, Oscar Straus oder Johann Strauss, Karajan oder Klemperer: Mit ihrer glockenklaren, bis in höchste Höhen reichenden Stimme gilt sie vielen als eine der herausragenden Koloraturensopranistinnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein Engagement an der New Yorker Metropolitan Opera lehnt sie etwa ab, da sie lieber eine andere Rolle als die angebotene singen möchte. Nicht aus Arroganz, sondern weil sie auch ihre Schwächen kennt.
 
Auch komödiantische Talente
 
Film und Fernsehen werden ebenfalls auf sie aufmerksam. Denn tatsächlich besitzt die Sängerin auch erstaunliche schauspielerische Qualitäten. So steht sie in dem preisgekrönten Spielfilm „Wälsungenblut“ vor der Kamera. Auch das Wiener Burgtheater bietet ihr eine Zusammenarbeit an. Im Fernsehen tritt sie in weit über einem Dutzend Opern- und Operettenaufführungen auf, von Mitwirkungen in diversen Shows ganz zu schweigen. Dass sie sogar zur Komödiantin taugt, stellt die temperamentvolle Münchnerin in einer Folge der legendären Sketch-Reihe „Klimbim“ unter Beweis.
 
Hoch geehrt
 
Ingeborg Hallstein ist zu ihrer Zeit die jüngste Interpretin, die je den Titel „Bayerische Kammersängerin“ verliehen bekommen hat. Im Lauf ihres Lebens sind viele weitere Ehrungen hinzugekommen – etwa die Ehrenmitgliedschaft der Internationalen Robert-Stolz-Gesellschaft, der Goldene Bildschirm für besondere Leistungen im deutschen Fernsehen, der Bayerische Verdienstorden und zweimal das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
 
Dem Nachwuchs verpflichtet
 
Doch Ingeborg Hallstein stand nicht nur ein Vierteljahrhundert im Rampenlicht, sondern unterrichtete seit Ende der 1970er-Jahre drei Jahrzehnte lang als Professorin an der Musikhochschule Würzburg den Nachwuchs. Heute hat sie sich altersbedingt zurückgezogen, doch so ganz im Ruhestand ist diese immer noch temperamentvolle Persönlichkeit nach wie vor nicht: Sie gibt gelegentlich Seminare, sitzt in Jurys und empfängt in ihrer Münchner Wohnung immer noch den ein oder anderen Schüler.
 
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