Er hat Chinas Bild in der Welt verändert und durch sein Vorbild Millionen junger Menschen für das Klavierspiel begeistert. Der Pianist Lang Lang repräsentiert auf neue, moderne Weise die klassische Musik.
Mit 17 Jahren schon ein Star
Als Lang Lang im Sommer 1999 beim renommierten Ravinia-Festival in den USA für einen erkrankten Kollegen einsprang, wurde aus dem bis dahin unbekannten Meisterschüler ein Star. Mit Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 riss der 17-Jährige das Publikum hin. „Das größte und aufregendste Klaviertalent seit Jahren“, jubelte die „Chicago Tribune“. Zwei Jahre zuvor erst war der junge Chinese aus seiner Heimat in die USA gekommen, um hier am berühmten Curtis Institute in Philadelphia seine Ausbildung zu vervollkommnen.
„Tom und Jerry“ weckten die Liebe zum Klavier
Geboren in der Stadt Shenyang, hatte Lang Lang mit zwei Jahren eine Liebe zum Klavier gefasst, seit er in einem „Tom und Jerry“-Trickfilm gesehen hatte, wie Tom, der Kater, die „Ungarische Rhapsodie“ von Franz Liszt auf einem Konzertflügel spielt, während die Maus Jerry im Flügelinneren zwischen den Hämmern und Saiten umherflitzt. Fortan war für ihn klar: Dieses lustige Instrument, das zudem so schöne Musik hervorbringen konnte, wollte er auch spielen! Seine Eltern erfüllten ihm den Wunsch und förderten ihn nach Kräften. Als Lang Lang neun Jahre alt war, zog der Vater, Konzertmeister in einem Orchester für volkstümliche Musik, mit ihm nach Peking. Dort stieg der Junge nach schwierigem Anfang schnell bis zur musikalischen Spitze auf.
70 Millionen Dollar für seine Hände
Mit 15 Jahren dann wechselte Lang Lang in die USA. Sein kometenhafter Aufstieg seit jenem Abend im Ravinia Park machte ihn zum Weltstar. Ob Mozart, Haydn, Beethoven, Liszt, Schumann oder Rachmaninow – Lang Lang findet zu allen Komponisten einen Zugang. 150 Konzerte gibt er pro Jahr. Seine Finger hat er für 70 Millionen Dollar versichern lassen. Zwölf Tasten können sie greifen, die meisten Pianisten kommen nur auf zehn. Zu Lang Langs technischer Meisterschaft gesellt sich außerdem eine starke Ausdruckskraft, die sich auch in der Körpersprache des Pianisten äußert. Dass manche Kritiker diese Expressivität ablehnen, verunsichert den jungen Künstler nicht: „Für mich ist Musik reine Kommunikation. Es ist ein wundervolles Dreieck, die Werke eines großen Komponisten im Zusammenspiel mit einem Orchester an das Publikum weitergeben zu können. So einzigartig und unwiederbringlich wie ein Kuss.“
Spiel zugunsten von Erdbebenopfern
Trotz seines vollen Terminkalenders engagiert Lang Lang sich immer wieder auch sozial. 2004 wurde er zum jüngsten UNICEF-Botschafter ernannt. Er spielte zugunsten von Erdbebenopfern in China und Haiti. Daneben findet er Zeit für Fernsehauftritte, so auch in Deutschland bei Thomas Gottschalk. Scheu ist er wahrhaftig nicht. Nur wenn man ihn, wie es ein FAZ-Reporter einmal tat, nach der Bedeutung seines Namens fragt, dann wird er fast ein wenig verlegen. Sein Name lautet nämlich übersetzt: „Brillanter Mann“.
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