Was Frauen ans Herz geht
Immer mehr Frauen sterben an den Folgen einer Herzerkrankung. Dabei lässt sich das wichtigste Organ unseres Körpers leicht schützen. Lesen Sie, wie ...
By VON CLAUDIA CORNWALLVor drei Jahren schleppte sich die heute 65-jährige Monica Richardson mühsam durch den Tag. Die ehemalige Verkaufsleiterin war frisch gebackene Rentnerin, litt jedoch so extrem unter Kurzatmigkeit, dass sie ihre neue Freiheit nicht genießen konnte. Ihr Hausarzt überwies sie zu einem Kardiologen. Die Tests blieben ergebnislos, und der Arzt erklärte, ihre Atembeschwerden seien nicht so schlimm, wie sie glaubte. Er schob sie auf den sogenannten Rentnerstress.
Im Frühjahr 2007 schmerzten bei der geringsten Anstrengung Kiefer und Nacken, sogar beim Treppensteigen. Richardson bestand auf einer zweiten Untersuchung und ließ sich von ihrem Hausarzt zur Kardiologin Dr. Beth Abramson, Sprecherin der kanadischen Herz- und Schlaganfall-Stiftung in Toronto, Kanada, überweisen. Die Ärztin führte Tests mit ihr durch, darunter einen, auf den der erste Kardiologe verzichtet hatte: Sie erstellte ein Angiogramm, ein Röntgenbild, das sichtbar macht, ob, wo und in welchem Ausmaß Herzkranzgefäße verengt sind.
Das Ergebnis war alarmierend. Eine der Hauptarterien war zu 80 Prozent verschlossen. „Sie stehen unmittelbar vor einem Herzinfarkt“, erklärte Abramson ihrer Patientin. Das Gefäß wurde drei Tage später mithilfe eines Ballons aufgedehnt – eine sogenannte Angioplastie. Schnell spürte Monica Richardson ihre Kräfte zurückkehren, und heute, sagt sie, „fühle ich mich wie neugeboren“.
Noch in den 70er-Jahren war das Risiko, an Herzerkrankungen oder Schlaganfall zu sterben, bei Frauen um 20 Prozent geringer als bei Männern. Doch den neuesten Statistiken zufolge führen sie heute in Kanada jährlich bei jeweils 37 000 Männern und Frauen zum Tod. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Ausgangs in den vergangenen 30 Jahren gesunken, nicht jedoch bei Frauen. Der Leiter der Kardiologie am Herzzentrum der Universität von Ottawa, Dr. Terrence Ruddy, formuliert das so: „Wir haben Fortschritte erzielt, jedoch nur bei Männern, nicht bei Frauen.“
Dafür gibt es, wie Ruddy sagt, zwei Gründe: Frauen werden nicht gründlich genug untersucht und behandelt. Patienten wie Ärzte gehen oft von der falschen Vorstellung aus, Herz- erkrankungen seien typisch männlich. Bei Vorsorgeuntersuchungen wird bei Männern als Erstes das Herz kontrolliert, bei Frauen dagegen die Brust und der Unterleib.
Vielleicht beruht dieser Unterschied auch darauf, dass Herzbeschwerden bei Frauen meist etwa sieben bis zehn Jahre später auftreten als bei Männern. Eine Studie der McMaster-Universität in Hamilton, Kanada, ergab 2005, dass bei Frauen 15 bis 20 Prozent weniger Angiografien und 35 Prozent weniger Angioplastien vorgenommen wurden als bei Männern. Letzteres gilt auch für Bypass-Operationen. Dabei wird das Blut von der erkrankten Arterie mithilfe eines künstlichen Gefäßtransplantats umgeleitet.
Eine Studie des Zentrums für Gesundheitspolitik in der kanadischen Provinz Manitoba sieht als Grund das Alter: Mit älteren Patienten wird schonender umgegangen als mit jüngeren, erklärt Randy Fransoo, einer der führenden Autoren der Studie. Sie sind häufig schwach, und ihr Zustand lässt bestimmte Behandlungsmethoden nicht zu.
So wurde die Angioplastie seit ihrer Einführung Ende der 70er-Jahre häufiger bei Männern angewandt als bei Frauen, da diese oftmals älter sind, wenn sie den ersten Herzinfarkt erleiden.
Außerdem fand Fransoo heraus, dass weniger Frauen als Männer nach einem Infarkt Betablocker einnehmen, die den Puls verlangsamen und so die Überlebenschancen erhöhen. Beim Vergleich von Frauen und Männern aller Altersstufen stellte er fest, dass Frauen durchweg weniger Medikamente schluckten. „Diese Ergebnisse werden jetzt diskutiert und weiterverfolgt“, erklärt Fransoo.
Innerhalb der ersten 30 Tage nach einem Infarkt sterben 16 Prozent mehr Frauen als Männer. Wahrscheinlich liegt es auch hier daran, dass Herz- erkrankungen bei Frauen im Allgemeinen später auftreten. Im fortgeschrittenen Alter leiden sie häufig noch an anderen Krankheiten wie Diabetes oder rheumatischer Arthritis, die eine Genesung erschweren.
Zudem suchen weniger Frauen (32 Prozent) als Männer (38 Prozent) nach einem Herzinfarkt einen Kardiologen auf, obwohl solche Kontrollen das Todesrisiko deutlich senken. Und außerdem sind Frauen seltener bereit als Männer, sich nach einem Infarkt an einem Rehabilitationsprogramm zu beteiligen. Dabei verringert die Teilnahme an solchen Programmen innerhalb von drei Jahren nach einem Herzinfarkt die Sterblichkeit nachweislich um 25 Prozent. Eine Studie des kanadischen Hochschul-Gesundheitsnetzes aus dem Jahr 2006 ergab, dass nur ein Viertel der Teilnehmer an einem Reha-Programm für Herzpatienten in Toronto Frauen waren.
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1 Kommentare |
| Manfred Hempel on 27 Januar 2010 ,12:26 HAT MIR SHER GEFALLEN: SEHR AUFSCHLUSS- UND LEHRREICH: ICH HABE DEN "WAS FRAUEN AM HERZEN LIEGT" SOFORT AUSGEDRUCKT UND MEINER PARTNERIN ZUM LESEN GEGHEBEN; WEIL SIE BESTIMMTE BESCHWERDEN WIE ÜBELKEIT ODER FRIEREN UND SCHWITZEN AUCH AUF DIE LEICHTE SCHULTER NIMMT: VIELEN; VIELEN DANK: |
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