Bis aufs Blut
Drei Hunde fallen einen kleinen Jungen an. Sein Vater und zwei weitere mutige Männer werfen sich den Bestien entgegen. Ein erbitterter Kampf beginnt.
Von JULIA MORGANSeine Kraft reichte nur noch dazu, sein Gesicht mit den Fäusten zu schützen und weiter zu treten. Verzweifelt fragte er sich: „Warum kommt mir denn keiner zu Hilfe?“ Da sah er, wie McConnell auf ihn zulief.
Schlagend und stoßend stürzte sich McConnell auf den Hund über Clairoux , dann lief er zurück in seinen Garten. Zwei der Hunde verfolgten ihn. Er versuchte, sie an ihren empfindlichen Stellen zu treffen: hinter die Ohren, zwischen die Beine, in den Bauch. Manchmal gelang es ihm, und sie jaulten auf vor Schmerz.
Als Gauthier in McConnells Garten auf einen der Hunde eindrosch, ging der auf ihn los. Inzwischen hatte sich Clairoux, der nur noch mit einem Angreifer fertig werden musste, aufgerappelt und nahm noch einmal seine ganze Kraft zusammen, um den Hund abzuwehren, der mit gefletschten Zähnen an ihm hochsprang und versuchte, sich festzubeißen.
Die Männer schlugen, traten, brüllten und fluchten. In den Gärten um den Park liefen die Menschen zusammen, sahen den Kampf und wählten den Notruf. Die Schreie der Zuschauer vermischten sich mit dem Knurren der Hunde.
Ein Junge zog einen Eishockeyschläger aus einem Schneehaufen und warf ihn über den Zaun. Gauthier fing ihn auf und ließ ihn auf den Kopf des Hundes vor ihm sausen. Der Aufprall war so stark, dass die Kelle vom Schläger brach. Der Hund machte jaulend einen Satz zurück. Gauthier glaubte, er hätte ihm den Kiefer zerschmettert, aber der Hund griff wieder an.
Er ließ den Schläger ein zweites Mal auf ihn niedergehen, und ein weiteres Stück flog weg. Er schlug ein drittes Mal zu und hielt danach nur noch einen knapp einen Meter langen Prügel in der Hand. Er packte ihn an beiden Enden und drückte den Hund damit von sich weg. Doch das Tier griff immer wieder an.
Da Gauthier mit dem Schläger direkt vor ihm herumfuchtelte, war McConnell einen Moment abgelenkt. Der Hund nutzte die Gelegenheit, sich in den Oberarm seines Gegners zu verbeißen. Er ließ nicht los, selbst als McConnell stürzte.
Dann war der Angriff nach sieben grauenhaften Minuten plötzlich beendet: Aufgeschreckt von dem Tumult, erschien der Halter der Hunde und pfiff sie zurück. Mit den Tieren im Schlepptau zog er seelenruhig ab, während Clairoux und Gauthier neben McConnell im Schnee zusammenbrachen.
Der Kampf hinterließ bei allen Beteiligten schmerzhafte Spuren: Eine zehn Zentimeter lange, klaffende Wunde an McConnells Arm war die gefährlichste Verletzung, die eine plastische Operation erforderlich machte. Außerdem hatte er am Fuß, Jayden an der Wange und Clairoux an der Hand tiefe Bisswunden davongetragen. Auch die Schrammen, Schnitte und Prellungen der drei Männer mussten im Krankenhaus versorgt werden. Doch sie hatten noch Glück gehabt, denn ohne ihren gemeinsamen Einsatz wäre wahrscheinlich noch viel Schlimmeres passiert.
McConnell, Clairoux und Hartley erhielten mehrere Auszeichnungen. McConnell wurde außerdem mit einer Medaille und einem Geldpreis der Carnegie Hero Fund Commission für seinen Mut geehrt, eine Rettungsaktion einzuleiten, bei der er sein Leben aufs Spiel setzte, um einem Menschen zu helfen, den er kaum kannte. „Auch wenn mir die Zeit geblieben wäre, darüber nachzudenken, ich hätte nicht anders gehandelt“, sagt er.
McConnell erinnert sich, wie ein kleiner Junge seine eigene Einstellung zum Leben verändert hatte. Als bei ihm Morbus Castleman festgestellt wurde und er drei Jahre im Krankenhaus verbringen musste, erzählt er, jammerte er herum und verging vor Selbstmitleid. Doch dann lernte er Daniel kennen, einen Jungen, der Krebs hatte. Egal, wie schlecht es ihm ging, er lächelte und war fröhlich. Diese Haltung machte auf McConnell einen solchen Eindruck, dass er sich schwor, das Leben künftig positiver zu sehen.
„Die Anerkennung freut mich und macht mich stolz. Aber deshalb haben wir das nicht getan“, sagt er über ihre Rettungsaktion. „Es kann sein, dass wir alle eine Aufgabe, einen Zweck im Leben haben“, fügt er hinzu. „Vielleicht war das meiner.“
Es war nicht die erste Attacke der Hündin, einer eineinhalbjährigen American-Staffordshire-Terrier-Kreuzung, und ihrer beiden neun Monate alten Jungen. Einen Monat zuvor hatten sie in einem anderen Viertel von Ottawa einem vierjährigen Jungen und seinem 16-jährigen Bruder nachgestellt. Ihr Halter, der damals 22 Jahre alte Shridev Café, hatte die daraufhin ausgesprochene behördliche Auflage, den Hunden einen Maulkorb anzulegen oder sie zu Hause so zu sichern, dass sie nicht ausbrechen konnten, nicht befolgt. Nach diesem zweiten Angriff wurden alle drei Tiere eingeschläfert, und Café wurde nach sieben Monaten Untersuchungshaft zu einem Monat Gefängnis wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.
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