Lernen von den OBAMAS
Wenn sich Familie Obama zum Abendessen um den Tisch versammelt, sind gesunde Kost, Höflichkeit und ein Spiel namens „Rosen und Dornen“ mit dabei. Reihum erzählt jedes Mitglied der Familie...
Von PAULA SPENCERWenn sich Familie Obama zum Abendessen um den Tisch versammelt, sind gesunde Kost, Höflichkeit und ein Spiel namens „Rosen und Dornen“ mit dabei. Reihum erzählt jedes Mitglied der Familie – US-Präsident Barack Obama, seine Frau, die „First Lady“ Michelle, und ihre Töchter Malia Ann und Natasha (genannt Sasha), die dieses Jahr elf und acht Jahre alt werden – ein gutes und ein „dornenreiches“ Erlebnis des Tages. Diese Familientradition ist um einiges leichter, seit der Papa aus den Privaträumen nur noch ein Stockwerk tiefer gehen muss, um zur Arbeit in sein „Heimbüro“ zu gelangen, dem sogenannten „Oval Office“ im Weißen Haus.
Malia begriff schnell die Bedeutung dieser neuen Lebensumstände. „Papa, du hast wirklich einen dornenreichen Beruf“, so ihre Beobachtung.
Egal, wie anstrengend ein Tag gewesen sein mag und ob es nun einen Weltpolitiker mit seiner Familie oder irgendwelche anderen Eltern betrifft: Um nicht zu vergessen, worauf es im Leben wirklich ankommt, hilft es, sich regelmäßig zusammenzusetzen und miteinander die Freuden und Sorgen des Alltags zu teilen.
Wenn es darum geht, fröhliche, ausgeglichene Kinder heranzuziehen, ernten Amerikas „Oberster Papa“ und die „Mutter der Nation“ allseits großes Lob. Sie scheinen bei der Erziehung ihrer Kinder die acht Grundmaximen verinnerlicht zu haben, die jedes Kind braucht:
1. Zu wissen, dass man geliebt wird
„Am dringendsten brauchen Kinder die Gewissheit, dass sie im Leben ihrer Eltern einen wichtigen Platz einnehmen und dass sie geliebt werden“, sagt der Psychologe Dr. David Elkind, Verfasser des Buches The Hurried Child (Das gehetzte Kind).
Die Obamas geben ihrer Liebe deutlichen Ausdruck. Sie halten beim Rollerskaten Händchen oder gratulieren sich spielerisch mit „High Fives“ (Abklatschen). Hat Sasha eine Tanzaufführung oder Malia ein Basketballspiel, sitzt normalerweise die Mama – oft sogar auch der Papa – im Publikum. Von der First Lady weiß man, dass sie gerne auf dem Laufenden ist, was die Schule betrifft, und sie kennt die Lehrer ihrer Mädchen gut.
„Ich glaube, es geht ihnen deshalb so gut, weil es mir gelingt, ein Gleichgewicht zu schaffen“, sagt Michelle Obama. „Mein Kalender ist zwar voll, dennoch habe ich Zeit, daheim zu sein, wenn sie ihre Hausaufgaben machen.“
Der Präsident ist stolz darauf, dass er auch während des langen Wahlkampfs jeden Elternabend besucht hat. Die Kinder wissen, dass ihre Eltern an sie denken und sich um sie kümmern.
2. Nicht verwöhnt zu werden und nicht zu schnell erwachsen sein zu müssen
Vor ungefähr einem Jahr erklärte Malia, dass sie „Schauspielerin und Modedesignerin“ werden wolle. Sa-shas Berufsziel war „Rockstar“. Ja, sie sind Kinder ihrer Zeit, an der Schwelle zur Pubertät, gehen auf in der Popkultur, können mit Computern umgehen und sind Plappermäuler. „In der Phase zwischen früher Kindheit und Teenagerjahre können Eltern den größten Einfluss auf die Werteentwicklung ihrer Kinder nehmen“, sagt Dr. David Tayloe, Vorsitzender des amerikanischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „In diesem Alter profitieren Kinder am meisten davon, intensiv Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Sie wollen ständig über alles reden. In ein paar Jahren, wenn sie Teenager sind, werden die Mädchen sich immer mehr zurückziehen.“
Eine der größten Herausforderungen, vor der die Eltern Obama stehen, ist es, dafür zu sorgen, dass ihre Töchter diese letzten Kinderjahre genießen können – und ihnen auch ein paar Kinderträume zu erfüllen, ohne sie damit zu sehr zu verwöhnen. Die Obamas haben Grenzen gesetzt. Sie erlaubten ihren Töchtern, ihre Teenie-Idole, die Mitglieder der Musikgruppe „Jonas Brothers“, zu treffen (eine Überraschung am ersten Abend im neuen Heim), schlossen aber einen Auftritt in der beliebten Fernsehserie „Hannah Montana“ aus.
Die Kinder benutzen iPods, Digitalkameras und Computer, dürfen aber ihre Handys nicht mit in die Schule nehmen, weil die dort verboten sind. Obwohl den Eltern klar ist, dass zwei Mädchen, die im Weißen Haus aufwachsen, Millionen von Kindern ein Vorbild sind, versuchen sie doch, ihren Sprösslingen einen „Schutzraum der Normalität“ zu sichern.
Beim Halloween-Fest übermannte den sonst so ruhigen Vater seltener Zorn, als er seine kostümierte Tochter Sasha zu einer Party begleitete und sie dabei von Fotografen verfolgt wurden. Und Interviews mit den Mädchen oder über sie werden grundsätzlich abgelehnt (so auch für diesen Artikel).
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