Ins rechte Licht gerückt
Wer seine Vorzüge richtig präsentiert, sichert nicht nur seinen Job, sondern kann selbst in der Krise seine Karriere beschleunigen...
Von FRANK ERDLE
Ähnlich positive Erfahrungen hat Cindy Welz am anderen Ende der Republik gemacht. Die Einzelhandelskauffrau war in einem Fotogeschäft tätig, bis sie plötzlich arbeitslos wurde. Nach kurzem Zögern erfüllte sich die 35-Jährige einen Kindheitstraum: Im brandenburgischen Merzdorf eröffnete die Hobbykonditorin ein eigenes Café. Inzwischen kredenzt sie einen ganzen Katalog mit Kuchen und Torten. Auch der Ehemann und die beiden Söhne (11 und 14 Jahre) helfen am Wochenende mit, wenn zahlreiche Ausflügler die Gaststätte besuchen.
Trotz solcher Erfolgsgeschichten geht das Interesse an einer hauptberuflichen Selbstständigkeit in Deutschland zurück. Nach einer im Juni veröffentlichten Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hegen derzeit nur 13 Prozent der Bundesbürger den Wunsch nach einem hauptberuflichen Einstieg in die Selbstständigkeit. Im vergangenen Jahr waren es noch 20 Prozent mehr.
Als Hindernisse werden vor allem die Aspekte „finanzielles Risiko“ (82 Prozent) und „fehlendes Startkapital“ (62 Prozent) genannt. Erste Anlaufstelle für alle, die sich beruflich auf eigene Füße stellen wollen, ist die Gründerberatung der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Adresse der nächsten Zweigstelle steht im Telefonbuch. Einen Besuch wert ist außerdem das informative Existenzgründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums im Internet mit zahlreichen Checklisten und Praxistipps (www.existenzgruender.de).
Nicht jeder Beruf eignet sich als Sprungbrett in die Selbstständigkeit. Was also tun, wenn einen der Jobabbau trifft und man rasch eine neue Stelle finden möchte? „Von Bewerbern erwarten wir analytisches Denkvermögen, Teamfähigkeit, Flexibilität und Neugierde“, berichtet Birgit Fauser von IBM. Ein Bruch im Lebenslauf sei kein Problem: „Sind die Gründe erkennbar und hat sich der Bewerber beispielsweise in einem sozialen Projekt engagiert, wird er sogar interessanter.“ Maren Lehky teilt diese Einschätzung: „Für Leerlaufzeiten muss sich heute niemand mehr schämen.“
Bei der Suche nach einem möglichen neuen Arbeitgeber ist einiges zu beachten. „Hören Sie sich als Erstes in Ihrer Branche um: Welchen Firmen geht es trotz der Konjunkturflaute gut, wer hat in letzter Zeit Zukäufe getätigt, und wo fließen immer noch hohe Ausgaben in die Werbung?“, schlägt Martin Wehrle vor.
Zudem kann die Größe einer Firma von Bedeutung sein. Einer kürzlich veröffentlichten Studie des Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK) zufolge trennen sich größere Unternehmen schneller von Mitarbeitern als kleine, wenn die Geschäfte schlecht laufen. Während 71 Prozent der 3,5 Millionen kleinen und mittelständischen Betriebe ihre Stammbelegschaft halten wollen, planen 44 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern einen Stellenabbau.
Dennoch sieht Maren Lehky die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt optimistisch und macht speziell Jobsuchenden in der Lebensmitte Mut: „Immer mehr Unternehmen setzen auf die Erfahrung und Souveränität älterer Mitarbeiter. Den Jüngeren fehlt es häufig an Kontinuität. Oft springen sie schon nach wenigen Jahren wieder ab, um eine neue Herausforderung anzunehmen. Die Aussichten für die Generation 50plus sind derzeit nicht schlecht, und in den nächsten Jahren werden sie sich weiter verbessern!“
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