Mit ihrer aufsehenerregenden Geschichte rund ums Papsttum schuf die Autorin Donna W. Cross einen Klassiker des historischen Romans. Das Leben der Johanna von Ingelheim, die im 9. Jahrhundert als Päpstin die Kirche geführt haben soll, fesselte bereits unzählige Leser.

Doch wie soll es einer Frau gelungen sein, jahrelang ihre männliche Umgebung zu täuschen? War es möglich, den gesamten römischen Klerus hinters Licht zu führen? Zu einer Zeit, in der die meisten Frauen keinerlei Aussichten auf eine höhere Stellung hatten, es fast keine weiblichen Berufe gab?
Kaum eine schriftliche Quelle hat sich aus dem 9. Jahrhundert nach Christus erhalten, die uns etwas über diese ungewöhnliche Frau berichten könnte. Eine Chronik aus dem frühen 13. Jahrhundert ist das früheste Zeugnis ihrer Person.

Sollte ihre Herrschaft auf einer Tatsache beruhen, wäre es möglich, dass die zeitgenössische Geistlichkeit dies nicht eingestehen wollte. Es wäre in dem Fall naheliegend gewesen, die Existenz der Päpstin zu verleugnen und entsprechende Hinweise aus den Dokumenten zu verbannen.
Einige Indizien sprechen jedoch dafür, dass es Johanna gegeben haben könnte: Beispielsweise kannte der Volksmund schon seit dem 9. Jahrhundert zahlreiche Geschichten über die Päpstin. Allein dass es diese Erzählungen gibt, deutet auf einen wahren Kern hin. Ein weiteres Indiz, das für die Existenz der Päpstin spricht, findet sich im Jahr 1276. Zu dieser Zeit änderte Papst Johannes XX. seinen Namen in Papst Johannes XXI., weil er Johannas Pontifikat anerkannte. Und auch der berühmte böhmische Reformator Jan Hus, der 1415 als Ketzer verbrannt wurde, konnte laut Protokoll in seinem Prozess mit der Frau auf dem Stuhl Petri argumentieren, ohne dass jemand dagegen protestiert hätte.
Die deutlichste Sprache spricht jedoch die bis ins 15. Jahrhundert übliche Prozedur der Sesselprüfung, die man nach jeder Papstwahl vornahm. Durch ein Loch in der Sitzfläche eines speziellen Stuhles wurde die Männlichkeit des frisch gewählten Kirchenfürsten überprüft. Eine derartige Prüfung hätte keinen Sinn gehabt, wenn nicht zumindest einmal das Geschlecht eines Papstes in Zweifel gezogen worden wäre.
Vieles weist also darauf hin, dass es tatsächlich einmal einer Frau gelungen ist, allen Hindernissen zum Trotz den Thron Petri zu besteigen …

"Die Päpstin" von Donna W. Cross finden Sie in unserer Buchreihe "Bibliothek der großen historischen Romane".

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1 Kommentare

Talha on 11 December 2009 ,10:54

Good article

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