"Ich bin dann mal weg" ist seit Hape Kerkelings Bestseller zum geflügelten Wort geworden. 800 Kilometer hat der bekennende Sportmuffel im Jahre 2001 zu Fuß zurückgelegt, und das mit einem 11 Kilo schweren Rucksack. Was damals noch als Sensation galt, nämlich dass sich ein Prominenter wie Kerkeling auf einen spirituellen Pilgerweg begibt, liegt jedoch inzwischen voll im Trend. Und das nach Zeiten, in denen der camino fast völlig in Vergessenheit geraten war. Das belegen die Zahlen der Pilgerbüros: waren 1978 gerade mal 13 Pilger registriert, waren es 2004 sage und schreibe 179.944. Es ist also wieder "in" geworden, sich dieser anstrengenden Pilgertour von der spanisch-französischen Grenze von Roncesvalles in den Pyrenäen über La Rioja und León bis nach Santiago de Compostela zu unterziehen. Und inzwischen sind es nicht nur kirchliche Pilgergruppen, die man auf dem Camino antreffen kann, sondern genauso kunstinteressierte Touristen, unternehmungslustige Rentner und sogar Pauschalurlauber. Sie alle machen sich auf nach Santiago de Compostela, um Abstand vom Alltag zu bekommen und während des anstrengenden Gehens neue Inspiration für ihr Leben zu finden. Über den Camino gibt es bereits viele Bücher: Pilgerratgeber, Berichte von Pilgern und Kunstführer. Auch die erfolgreiche Autorin und Journalistin Petra Oelker, Jahrgang 1947, hat in ihrem Roman den Jakobsweg erstmals zum "Tatort" für einen Krimi gemacht.

Leo Peheim, eine Hamburger Journalistin, wandert mit einer Gruppe auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Sie freut sich auf den Süden, schöne Landschaften, alte Kunst und neue Inspiration. Doch dann stürzt Benedikt, einer ihrer Mitpilger, in einen Abgrund. War es ein Unfall? Als Leo schließlich von einem weiteren "Unglück" auf dem Pilgerweg erfährt, fängt sie an zu recherchieren. Doch Neugierde kann lebensgefährlich sein ...

Die Autorin im Interview

Reader's Digest: Wir gehen davon aus, dass Sie diese Reise nach Santiago de Compostela wirklich gemacht haben. Sind Sie dabei die ganze Strecke zu Fuß gegangen, oder haben Sie auch Teile mit dem Fahrrad/Bus zurückgelegt?
PO: Ja, ich habe die Reise selbst gemacht, sonst hätte nicht darüber schreiben können. Und wie die Charaktere in meinem Roman war auch ich als Luxuspilgerin unterwegs, manche nennen diese Variante auch ‚Pilgern light’. Das heißt: Ich bin mit einer von einem Reiseunternehmen organisierten kleinen Gruppe gepilgert, besser gesagt: gewandert. Wir sind zwei Wochen tüchtig gewandert, die Tagesetappen betrugen bis zu 30 Kilometer (mir reichen – je nach Steigung – 20 oder so!), das Gepäck hat derweil unser Reisebus transportiert.

RD: Welche Erfahrungen haben Sie persönlich auf dem Jakobsweg gemacht? Was hat Sie besonders beeindruckt?
PO: Für mich war die Erfahrung des stundenlangen Gehens (bei jedem Wetter) neu und bei aller streckenweisen Anstrengung in der Summe beglückend. Dieses Schritt vor Schritt vor Schritt ... Besonders hat mich die wunderbare vielfältige Landschaft mit ihrer im Mai noch üppigen Flora begeistert, dazu die kargen Dörfer, die kleinen und großen Städte mit der Unmenge an – zumeist sakraler – Kunst. Im Gehen sieht und erlebt man viel mehr als sogar bei einer Radtour. Und die Erinnerung ist sehr viel intensiver. Einfach weil diese langsame Fortbewegung Raum gibt, viel aufzunehmen und zu speichern und die Wahrnehmung kaum abgelenkt wird. Und letztlich: Auch wenn der Camino längst touristisch ausgebaut ist, ist es irgendwann selbst für spröde Gemüter ein besonderes Gefühl, auf einem so alten Weg zu gehen.

RD: Hatten Sie zuerst die Krimi-Idee und sind damit auf den Jakobsweg gegangen, oder kam Ihnen die Idee tatsächlich beim Pilgern?
PO: Als ich mich auf den Weg machte, wollte ich einfach nur gehen. Ich hatte die diffuse Vorstellung, dass das die dem Menschen eigentlich gemäße Fortbewegungsart sei und Geist, Seele und Körper gleichermaßen guttue, wenn die Strecke nur weit genug sei. Ich wollte nicht darüber schreiben, sondern meinem Kopf und meiner Seele Raum geben herauszufinden, warum ich mich ‚irgendwie unbehaglich’ fühlte. Im Rückblick denke ich, es war einfach Zeit für eine Pause in aller Langsamkeit. Die Idee, einen Kriminalroman darüber zu schreiben, entstand zwar schon nach der Rückkehr, wurde aber erst einige Jahre später in die Tat umgesetzt.

 

Petra Oelkers spannender Krimi "Tod auf dem Jakobsweg" ist in unserer Buchreihe "Reader's Digest Auswahlbücher" erschienen.

 

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