Der gefährliche Schritt zurück
Warum immer wieder Patienten ihren Aufenthalt im Krankenhaus mit dem Leben bezahlen
By RANGA YOGESHWAR
Was glauben Sie, wo findet man mehr Bakterien? Auf der Klobrille einer öffentlichen Toilette oder auf dem Stethoskop eines Arztes im Krankenhaus? Sie ahnen vermutlich bereits, dass die überraschende Antwort „Stethoskop“ lautet. Keime finden sich auch auf Ärztebrillen, auf medizinischen Apparaten und in hoher Zahl selbst auf den Mobiltelefonen des Krankenhauspersonals.
Das ist an sich kein Grund zur Sorge, doch in den letzten Jahren zeigt sich ein bedenklicher Trend: Immer mehr Bakterien werden resistent gegen Antibiotika, und in vielen Kliniken führt diese Zunahme resistenter Keime zu einem ernsten medizinischen Problem.
Krankenhäuser, eigentlich Orte der Heilung und Pflege, wandeln sich zu gefährlichen Ansteckungsherden für Infektionen, die kaum zu bekämpfen sind. Immer häufiger enden Menschen in der Pathologie, die eigentlich ins Krankenhaus kamen, um gesund zu werden. Sie sind Opfer von Bakterien wie Staphylokokkus aureus, Pseudomonas aeruginosa oder Enterokokkus faecali, die sich im Laufe der vergangenen Jahre angepasst haben. Ein Antibiotikum nach dem anderen versagt, im schlimmsten Fall sind die Erreger multiresistent und die Ärzte hilflos.
Obwohl es in Deutschland immer noch keine Meldepflicht gibt, schätzen Fachleute, dass jedes Jahr hierzulande mehr als 10 000 Menschen alleine an Infektionen mit solchen resistenten Bakterien sterben! Die Keime fordern inzwischen mehr als doppelt so viele Todesopfer wie der Straßenverkehr. Europaweit erkennt man einen interessanten Zusammenhang: Skandinavische Länder leiden weit weniger unter der Resistenzbildung als zum Beispiel Spanien oder Griechenland. Die Menge gibt den Ausschlag, denn dort, wo Antibiotika fleißig verschrieben werden, tritt das Problem massiv auf.
Dabei zählen Antibiotika zu den wertvollsten Entdeckungen der Medizin. Kaum eine Medikamentenart hat so viele Menschenleben gerettet, Seuchen bekämpft und Infektionen geheilt, doch die Wunderwaffe der Medizin wird allmählich stumpf. So erscheinen immer weniger neue Präparate auf dem Markt. Bereits wenige Jahre nach der Einführung eines neuen Antibiotikums treten die Resistenzen auf und machen das Präparat unbrauchbar. Die hohen Entwicklungskosten rechnen sich nicht mehr, wenn ein Mittel nur wenige Jahre verkauft werden kann.
Auch wer gutgläubig zu Hause alles gründlich mit Desinfektionsmitteln reinigt, tut unter Umständen genau das Falsche: Mehr und mehr Bakterien entwickeln auch Resistenzen gegen diese Desinfektionsmittel, und es gibt sogar Hinweise, dass diejenigen Bakterien, die gegen Desinfektionsmittel immun sind, auch gegen bestimmte Antibiotika resistent werden. Hygiene-Experten fordern daher, den Einsatz der Desinfektionsmittel auf Arztpraxen und Krankenhäuser zu beschränken. Doch auch hier gilt es umzudenken: Studien zeigen, dass nur jeder zweite bis dritte Mitarbeiter im Krankenhaus seine Hände richtig desinfiziert. Die Gründe reichen von Arbeitsüberlastung bis zu gefährlicher Unwissenheit.
Dabei ist gerade die mangelnde Händedesinfektion eine der Hauptursachen für die Ausbreitung von Krankenhausinfektionen. Wir brauchen daher dringend ein verschärftes Bewusstsein und konkrete verpflichtende Maßnahmen für die Eindämmung der resistenten Keime in unseren Kliniken. Sonst droht uns ein gefährlicher Schritt zurück!
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2 Kommentare |
| Leon on 17 September 2010 ,18:29 Ob sich die Arzthelferinnen nach Annahme der Praxisgebühr von 10 EUR die Hände waschen? |
| eckhard schenk on 29 Mai 2010 ,17:54 nicht ständig desifektionsmittel verwenden es genügt die hände öffter mit warmen wasser und seife zu waschen. |
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