Nochmal mit Gefühl
Elf Tipps für mehr Erotik und Zärtlichkeit in Ihrer Partnerschaft
Von CHRISTIANE KOLB
Sie sind als Paar schon viele Jahre zusammen und im Grunde ganz glücklich. Aber etwas fehlt: Wo sind sie geblieben, die Küsse, die verliebten Blicke oder der spontane Rückzug ins Schlafzimmer? Ihre Liebe ist im Lauf der Zeit bequem, das Feuer der Leidenschaft zu partnerschaftlicher Wärme geworden. Nicht schlimm, aber vielleicht etwas langweilig. Reader’s Digest hat darum Forscher und Experten um Tipps gebeten, wie Sie Ihre Beziehung wieder zärtlicher, erotischer und romantischer gestalten können.
1> Distanz schafft Nähe
„Gerade in einer langen Partnerschaft kennt man sich fast zu gut, um noch darauf gespannt zu sein, was die nächste Begegnung bringt“, erklärt die Hamburger Paarberaterin Doris Willer. Sie empfiehlt Paaren nicht immer alles gemeinsam zu machen, sondern auch getrennt etwas zu unternehmen. „Probieren Sie ein neues Hobby aus, wie das Singen im Chor oder ein Sprachkurs an der Volkshochschule, genießen Sie einen Wochenendausflug ohne Familie – und gönnen Sie Ihrem Partner dasselbe. Es ist wichtig, dass wir unseren Partner inspirieren, nicht hemmen“, sagt Doris Willer. „Freuden und Erfahrungen außerhalb der Zweisamkeit sind essenziell.“ Denn eines ist sicher: Anschließend haben Sie sich wieder viel zu erzählen.
2> Erotische Wünsche neu kennen lernen
Dr. Eva Wlodarek, Psychologin der Experteninitiative female affairs (www.femaleaffairs.de), ist sich sicher: „Fehlt der Austausch über die erotischen Vorlieben oder die Aufgeschlossenheit für Wünsche des Partners, kann das leicht zu Frustrationen führen.“ Eine aktuelle Studie von female affairs zeigt: 66 Prozent der befragten Männer finden es wichtig für eine Beziehung, erotische Wünsche zu formulieren. Doch bei der Umsetzung hapert es: 62 Prozent der Männer gaben zu, nicht immer offen über ihre Wünsche zu sprechen, 10 Prozent sogar, dass sie sich nicht trauen, es zu tun. Frauen geht es ähnlich – aus Angst vor Zurückweisung.
Wie spricht man also an, wonach man sich erotisch sehnt? Eva Wlodarek nennt die wichtigsten Regeln: „Es wäre wenig klug, den Partner im Bett auf neue Wünsche anzusprechen – beim Sex ist niemand offen für Verbesserungsvorschläge. Aber auch ein, Wir müssen reden‘ hilft nicht weiter. Passen Sie lieber eine schöne Situation ab, in der beide gut gelaunt sind und offen, beim Spaziergang zum Beispiel.“
Achten Sie darauf, keinen Vorwurf, sondern Ihren Wunsch zu formulieren . Nicht: „Warum machst du nie…“, sondern: „Ich würde gerne…“
Wenn Sie dabei auf etwas stoßen, das Ihr Partner nicht erfüllen möchte, sollten Sie das aber auf jeden Fall akzeptieren, betont Wlodarek: „Ein Nein ist ein Nein. Zwei Menschen haben praktisch nie dieselben erotischen Wünsche, und was beide im Bett tun, sollten auch beide wollen. Dennoch würde ich raten, darüber im Gespräch zu bleiben. Nur so können Sie die Gründe des Partners erfahren und ihn besser verstehen – oder ihm etwaige Ängste nehmen.“
3> Hausarbeit macht Männer attraktiv
Studien des amerikanischen Psychologen Joshua Coleman und des Soziologen Scott Coltrane zufolge finden Frauen Männer, die zu Hause mithelfen, sexuell attraktiver als Haushaltsmuffel, die nur die Beine hochlegen. „Die Frauen sagten uns, sie fühlten sich sexuell mehr von ihren Männern angezogen, wenn diese sich an der Hausarbeit beteiligen“, erklärt Joshua Coleman. Das ist nun wirklich ein guter Grund, mit anzupacken!
4> Ganz verspielt
Eingefahrene Verhaltensweisen im Bett lassen sich oft spielerisch verändern. „Wenn Paare unzufrieden sind mit der Erotik und einer das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, empfehle ich den Partnern, beim Sex ein paarmal die Rollen zu tauschen“, sagt Sexualtherapeutin Doris Willer. „Abwechselnd darf jeder beim Sex den Ton angeben und führt und verführt den anderen.“ Einmal sind Sie dran, dann Ihr Partner, und beim nächsten Mal ist es umgekehrt. Dabei geht es nicht darum, wilde erotische Träume zu erfüllen, sondern zu vermeiden, dass in der Liebe alles läuft wie immer. „Denn nur wenn Sie etwas anders machen, kann das heiß ersehnte Prickeln wieder entstehen“, erklärt Willer.
5> Die Zuneigung pflegen
Sie wünschen sich wieder mehr Romantik im Beziehungseinerlei? Stärken Sie die Zuneigung und die Bewunderung für Ihren Partner. Das jedenfalls rät der berühmte amerikanische Therapeut John Gottman. Den Partner wertzuschätzen lässt sich üben. Zum Beispiel, indem Sie aufschreiben, was Sie konkret an Ihrem Lebensgefährten mögen, und sich dazu an eine Begebenheit erinnern, an der er oder sie diese schöne Eigenschaft zeigte.
6> Die Lust einladen
„Wer hat eigentlich festgelegt, dass Lust immer die Voraussetzung für Sex sein muss“, fragt die Aachener Sexualwissenschaftlerin und female-affairs-Expertin Dr. Ulrike Brandenburg. „Und warum wiegt der Satz ,Ich habe keine Lust‘ immer schwerer als ,Gemeinsamer Sex würde uns mal wieder gut tun‘?“ Nehmen Sie die eigenen Lustvermeidungsstrategien unter die Lupe, probieren Sie auch Sex einfach mal so. Statt zu warten, bis die Lust uns überkommt, was in langen Partnerschaften doch eher selten ist, schlägt die Paartherapeutin vor, die Initiative zu ergreifen und „absichtlich“ intim zu werden. Ist die Lust eingeladen, kommt sie gerne.
7> Besserer Sex durch Sport
„45 Minuten Ausdauertraining oder ein kurzes, intensives Krafttraining kurbelt den Hormonhaushalt bei Männern auf ideale Weise an“, sagt Urologe Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das hilft auch der Libido auf die Sprünge. Und eine Studie von Nike Women ergab, dass junge Frauen, die sportlich aktiv sind, mehr Spaß am Sex haben als inaktive Frauen. 12 Prozent gaben sogar an, Sport hätte ihr Sexualleben verbessert, und jede Zehnte sagte, ihr Lustempfinden sei gesteigert.
8> Raum für Nähe schaffen
Sie sind zu gestresst für die Liebe zwischen Beruf, Familie und Erledigungen? Dann sollten Sie nach Freiräumen suchen, die Sie bewusst für Liebe und Zärtlichkeit einplanen. Paarberaterin Doris Willer empfiehlt: „Verabreden Sie sich, egal ob zum Gespräch oder zum Sex. Räumen Sie Ihrem Partner einen festen Platz in Ihrem Terminkalender ein. Denn ein gutes Gespräch, intensive Nähe funktionieren nicht nebenbei beim Essenkochen oder Wäschewaschen.“
9> Ein gutes Körpergefühl
hebt die Laune Eine Umfrage von female affairs ergab: Kaum eine Frau ist hundertprozentig glücklich mit ihrem Körper. Das kann dazu führen, dass sie bestimmte Stellungen meidet, eine eher passive Rolle beim Sex spielt, weniger erotische Gefühle entwickelt. „Prüfen Sie, ob die körperlichen Normen, die Sie im Kopf haben, Ihnen und Ihrer Liebe gut tun“, rät Dr. Brandenburg den Frauen. „Wenn nicht – nichts wie raus damit!“ Hören Sie auf, sich an fremden Idealen zu orientieren, sich ständig zu vergleichen. Sie sind schön, so wie Sie sind. Der Rat an die Männer: Sagen Sie der Frau an Ihrer Seite immer wieder, dass Sie ihren Körper so lieben, wie er ist. Das kann enorm befreiend wirken für Lust und Liebe.
10> Kein Fernsehen im Schlafzimmer!
Fernsehen ist die perfekte Ablenkung – das gilt leider auch für den Sex. Die Psychologin und Sexualforscherin Serenella Salomoni aus Padua stellte in einer Befragung von 523 italienischen Paaren fest: Waren sie im Bett ungestört, hatten sie im Durchschnitt zweimal in derWoche Sex. Sobald aber ein Paar sein Schlafzimmer mit dem TVGerät teilte, halbierte sich die Leidenschaft auf einmal Sex proWoche.
11> Erzählen und Zuhören
„Es tut unendlich gut und stellt große Nähe her,wenn der andere merkt, dass man gut zuhört, versteht, etwas nachempfinden kann“, erklärt Paarberaterin Doris Willer. Es geht weniger um großartige Inhalte im Gespräch als vielmehr um die Botschaften, die Sie mit dem Zuhören oder Erzählen senden und empfangen. Also erzählen Sie Ihrem Partner von kleinen Höhepunkten oder Tiefschlägen im Job und anderswo, und wenn er erzählt, hören Sie gut zu. Die Gefühlswelt des anderen zu verstehen und verstanden zu werden ist ein Geschenk.
Eine Garantie für mehr Gefühl und Zärtlichkeit kann Ihnen niemand geben. Aber Sie können selbst viel dafür tun. „Die Liebe“, schrieb schon Theodor Fontane, „lebt von liebenswürdigen Kleinigkeiten.“
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