Prima Klima für Ihr Zuhause
Wir verbringen viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Ein guter Grund, gerade dort auf ein gesundes Raumklima zu achten
By KIRSTIN VON ELM
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Die Wohnzimmereinrichtung im schicken Antik-Look gefiel Helga und Günther Schröder auf Anhieb. Nach fast 30 Jahren wünschte sich das Hamburger Rentnerehepaar neue Möbel. Doch mit der gebeizten Holzkombination zogen die Probleme ein. Regelmäßig plagten auf einmal Kopfschmerzen und Unwohlsein die Eheleute. Dennoch brachten sie ihre Beschwerden nicht gleich mit den neuen Möbeln in Zusammenhang. Erst im Urlaub fiel ihnen auf, dass sie sich umso besser fühlten, je weniger sie sich im Wohnzimmer aufhielten. Die beiden schalteten eine Sachverständige ein, die nach verschiedenen Messungen die Möbel als Quelle des Übels identifizierte.
Wenn Gebäude krank machen
Doris Schünemann, Vorstandsmitglied im Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e. V., kennt aus der Beratungspraxis viele ähnliche Fälle: Möbel, Teppiche, Tapeten, Farbe, Bauschaum, Parkettkleber – die Liste potenzieller Luftverunreiniger ist so lang wie die Zahl Ihrer Einrichtungsgegenstände. Im Produkt enthaltene Stoffe gelangen als sogenannte flüchtige organische Verbindungen in die Raumluft, darunter auch giftige Substanzen wie Pestizide, Weichmacher, Benzol, Asbest oder Formaldehyd.
Auch wenn die Ausdünstungen eines einzelnen Teils oft unbedenklich sind, können sich in der Summe oder bei großen Flächen durchaus kritische Werte ergeben. „Ausgerechnet zu Hause, wo wir uns vor Abgasen oder Feinstaub sicher fühlen, ist die Luft oft schlechter als draußen“, warnt Baubiologin Schünemann. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen bestimmten Einrichtungsobjekten und Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder Juckreiz ist allerdings nicht immer eindeutig nachzuweisen.
Dass Gebäude krank machen können, gilt medizinisch jedoch als Fakt. Umweltärzte bezeichnen das Phänomen als „Sick-Building-Syndrom“. Ein deutlicher Hinweis auf das „Krankmachende „Krankmachende Gebäude-Syndrom“ sind Beschwerden, die grundsätzlich nur auftreten,wenn sich die Betroffenen in bestimmten Räumen aufhalten – so wie bei den Schröders.
Schadstoffe begrenzen
Zum Glück können Sie die Schadstoffbelastung in den eigenen vier Wänden schon mit einfachen Mitteln deutlich reduzieren, beispielsweise indem Sie die Tür zur Garage abdichten und angebrochene Lack- oder Pinselreinigerbehälter nicht im Haus aufbewahren. Auch regelmäßiges Lüften und die richtige Putzmittelwahl sorgen für besseres Klima. „Moderne Häuser sind sehr dicht, deshalb findet häufig viel weniger Luftaustausch statt als früher“, erklärt Joachim Kösling, Gutachter für Innenraumschadstoffe aus dem niedersächsischen Dorstadt.
Auch bei der Möbelauswahl mahnt der Experte zur Vorsicht: „Vor allem Produkte aus Billiglohnländern, zum Beispiel Teppiche oder Ledermöbel, werden unkontrolliert mit gefährdenden Chemikalien behandelt.“ Das sorgt später im heimischenWohnzimmer für Probleme – angefangen von lästigen Gerüchen bis hin zur Kontaktallergie. Gegenstände, die länger als vier Wochen stark müffeln, sollten Sie zurückgeben oder umtauschen, rät die Stiftung Warentest. Ähnlich wie optische und technische Mängel müssen Sie unzumutbare Gerüche nicht hinnehmen.
Beim Renovieren können Sie Schadstoffprobleme durch die richtige Produktauswahl begrenzen. Eine erste Orientierungshilfe bieten Öko-Label wie das Umweltzeichen der Europäischen Kommission und der Blaue Engel, der vom Umweltbundesamt mitgetragen wird. Sie zeichnen Produkte aus, die beispielsweise besonders emissionsarm oder recycelt sind. Deutlich aussagekräftiger ist jedoch der Blick aufs Etikett, noch besser aufs Sicherheitsdatenblatt.
Verzichten Sie möglichst auf Farben und Lacke, die Allergie auslösende Kunstharze und chemische Lösungsmittel wie den Krebserreger Benzol oder das gesundheitsschädliche Xylol enthalten. Naturharz-Lacke, die ohne kritische Lösungsmittel auskommen, oder Naturfarben auf mineralischer Basis sind zwar etwas teurer, aber auch gesünder. Wenn Sie lieber zu Dispersionsfarben greifen, achten Sie darauf, dass diese als Lösungsmittel nur Wasser enthalten.
Für Tapeten gilt: Glasfasertapeten sind zwar schick und besonders leicht zu verarbeiten, beim Zuschneiden und auch bei einem späteren Abriss reizt jedoch Glasstaub Haut und Atemwege. Besser für Raumklima und Geldbeutel sind preiswerte Papier- und Raufasertapeten, die mit einfachem Zellulosekleister ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe an die Wand geklebt werden. „Von Vinyl- beziehungsweise Kunststofftapeten rate ich dringend ab“, ergänzt Innenraumdiagnostiker Kösling. Sie setzen nicht nur gesundheitsschädliche Weichmacher frei, sondern dichten auch dieWände derart ab, dass diese die Raumfeuchtigkeit nicht mehr ausgleichen können – und fördern damit Schimmelpilz.
Kampf dem Schimmel
Gerade in der Heizperiode, wenn wenig gelüftet wird und die Wände auskühlen, ist der Schimmelpilz ein großes Problem. Die vielen Besuche beim Kinderarzt kann Susanne Körner gar nicht mehr zählen. Die Söhne Tim und Florian, fünf und zwei Jahre alt, wechselten sich mit schweren Hustenanfällen nahezu nahtlos ab. Schließlich verordnete der Arzt eine Mutter-Kind-Kur an der See. Kaum wieder zu Hause, kehrten die Beschwerden jedoch mit voller Wucht zurück. Die verzweifelten Eltern baten Baubiologin Doris Schünemann um Hilfe und ließen ihr Haus auf Wohngifte untersuchen.
Die Messungen ergaben eine extrem hohe Pilzsporen-Konzentration in den Kinderzimmern, obwohl sich dort nirgends Schimmelstellen fanden. Als Schimmelherd entpuppte sich schließlich der Estrich im Erdgeschoss, der durch einen Baumangel völlig durchnässt war. Durch das offene Treppenhaus zog die sporenbelastete Luft direkt in die Kinderzimmer im ersten Stock. „Massive Atemwegsbeschwerden bei Kindern können ein Alarmsignal für Schimmelpilz sein“, erklärt Schünemann. Mit dem Schimmel verschwinden die Probleme zum Glück meist komplett, und so war es auch bei Tim und Florian.
Lassen Sie Schimmel in Haus und Wohnung stets gründlich von fachkundigen Handwerkern entfernen. Damit die Wände trocken bleiben, sollten Sie häufiger kurz und kräftig lüften, statt stundenlang die Fenster zu kippen, Möbel nicht direkt an Außenwänden aufstellen sowie warme und damit feuchtere Luft nicht in wenig beheizte Räume wie das Schlafzimmer leiten. Pilzsporen und Schadstoffe aus Möbeln und Baustoffen sammeln sich auch im Hausstaub an. Wenn Sie Staubfänger wie Dekoartikel, Plüschtiere oder Setzkästen aus der Wohnung verbannen, erleichtern Sie sich nicht nur den Hausputz, sondern verbessern auch das Raumklima. Ein kurzfloriger Teppichboden bindet Feinstaub besser als glatte Fliesen oder Parkett. Der positive Effekt schlägt allerdings ins Gegenteil um, wenn der Teppich nicht mindestens zweimal pro Woche mit einem leistungsstarken Sauger abgesaugt wird.
Wer dagegen auf möglichst geringe Geruchs- und Schadstoffemission Wert legt, ist mit Fliesen oder naturbelassenen Holzböden aus dem Fachhandel besser bedient. Selbst hochwertige Schurwollteppiche werden mit Bioziden behandelt. PVC-Fußbodenbeläge sondern Weichmacher ab, für Küche und Bad empfiehlt Gutachter Joachim Kösling aus Dorstadt stattdessen Fliesen.
Einfach abschalten
Analog zum Smog, also der Luftverunreinigung durch Staub und Abgase, hat sich für die Bestrahlung durch Elektrogeräte, Stromleitungen und Funkwellen der Begriff Elektrosmog etabliert.
Ob Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder trockene Haut tatsächlich auf elektromagnetische Felder in der Wohnung zurückzuführen sind, ist wissenschaftlich umstritten. Auch ein Zusammenhang zwischen niederfrequenter elektromagnetischer Strahlung über einen längeren Zeitraum und Krankheiten wie Krebs oder Leukämie konnte bei Erwachsenen bisher nicht nachgewiesen werden. Einzelne Studien deuten allerdings aufmögliche Gefahren für Kinder hin.
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, den Körper nicht unnötig elektrischen Feldern auszusetzen. Das heißt: Elektrogeräte nicht im Stand-by-Modus belassen, sondern abschalten, und Strahlungsquellen wie Babyphone, netzbetriebene Radiowecker oder Schlaflichter weit weg vom Bett platzieren. Schnurlos-Telefon, Handy und drahtloser Internet-Zugang (WLAN) sind bequem, strahlungsärmer sind jedoch Kabelverbindungen. Stellen Sie Funksignale grundsätzlich so schwach wie möglich ein, und schalten Sie alles ab, was Sie gerade nicht brauchen.
Was, wenn Sie bereits unter Beschwerden leiden, die möglicherweise auf Wohngifte zurückzuführen sind? Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Arzt über Ihre Symptome. Danach kann ein Gutachter gezielt in Ihrer Wohnung messen. Ergeben sich dabei Verdachtsmomente, folgen weitere Untersuchungen. Ganz billig ist eine solche Diagnose nicht. Mit einigen Hundert Euro müssen Sie mindestens rechnen. Aber die sind gut angelegt – für Ihre Gesundheit.
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