ALEXANDRA UND MATTHEW REEVE
ÜBER IHREN VATER, DEN US-SCHAUSPIELER
CHRISTOPHER REEVE


Alexandra: Vater war immer ein aktiver, starker und disziplinierter Mensch – auch nach seinem Reitunfall 1995, der ihn vom Hals abwärts lähmte. Die Physiotherapie wurde zu seiner neuen Lebensaufgabe. Er sagte: "Falls die Wissenschaftler dieses Problem lösen können, werde ich bereit sein, wenn sie zu mir kommen." Dadurch bekam sein Leben ein Ziel. Er wollte den Menschen helfen, die mit einer Querschnittslähmung leben. Er wusste, dass nicht jeder optimal versorgt wird. Das wollte er ändern. Er war immer voller Hoffnung.
Matthew: Schon die kleinste Verbesserung der Bewegungsfähigkeit bedeutet mehr Unabhängigkeit. Daran arbeitete unser Vater. Dass er seinen Finger bewegen konnte, war der erste ermutigende Schritt nach fünfeinhalb Jahren. Er erinnerte uns daran, dass Dinge sich jeden Moment ändern können, zum Guten oder zum Schlechten. Und dass man das, was man hat, wertschätzen sollte. Dankbar sein. Jeden Moment auskosten. Unser Vater setzte sich mit aller Kraft dafür ein, Dinge zum Positiven zu verändern.
Alexandra: Gib niemals den Kampf auf für das, woran du glaubst – das haben wir von unseremVater gelernt.

DIE SCHRIFTSTELLERIN UND DREHBUCHAUTORIN
EVE ENSLER ÜBER DIE US-SCHAUSPIELER
PAUL NEWMAN UND JOANNE WOODWARD


Paul Newman und seine Frau Joanne Woodward schenkten mir und, wie ich vermute, vielen anderen Menschen Selbstvertrauen.
Ich war 23 Jahre alt, depressiv und labil. Das Schreiben war für mich eine Form des Überlebens. Die beiden nahmen mich unter ihre Fittiche. Sie spornten mich an, gaben mir zu essen und lasen meine Manuskripte Korrektur. Sie ermutigten mich, beim Schreiben witzig zu sein, immer nach dem komischen Element zu suchen. Das Wichtigste war, dass sie an mich glaubten. Und deswegen konnte ich auch irgendwann selbst an mich glauben.
Joanne und Paul wollten nie, dass man ihre Verdienste an die große Glocke hängt. Nachdem ich mich gefangen hatte, hielten sie mich nicht fest, sondern ließen mich gehen. Sie haben mich nie in meiner Unabhängigkeit beschnitten. In den vielen Jahren danach tauchte das Paar immer in entscheidenden Momenten in meinem Leben auf. Ich konnte immer auf die beiden zählen.
Sie lehrten mich, großzügig zu sein. Und dass viel Geld zu besitzen oder zu verdienen kein Zeichen von Außergewöhnlichkeit ist, sondern einfach nur von Glück. Sie brachten mir bei, niemals jemanden um etwas betteln zu lassen oder Gegenleistungen zu fordern.
Sie brachten mir bei, dass echtes Glück einzig und allein im Geben liegt.Weil Paul und Joanne auch all das vorlebten, was sie lehrten, lernte ich von ihnen noch mehr – ich begriff, was Integrität ist.

DIE ANTI-KREBSAKTIVISTIN DEE DEE RICKS
ÜBER DEN RADPROFI LANCE ARMSTRONG


Anfang 2007, als ich gerade dabei war, die Koffer für einen Frühjahrsurlaub mit meinen Kindern zu packen, ertastete ich plötzlich einen Knoten in meiner Brust. Das Eigenartige: Nur wenige Monate zuvor war bei der regelmäßigen Krebsvorsorgeuntersuchung alles normal gewesen. Jetzt diagnostizierte man Brustkrebs und teilte mir mit, dass man eine Brust schnellstmöglich würde amputieren müssen. Ich erinnere mich, dass auf dem Weg ins Krankenhaus das Lied Live Like YouWere Dying (Lebe, als würdest du bald sterben) von Tim McGraw aus dem Autoradio erklang.
Ich war eine berufstätige alleinerziehende Mutter. Mein erster Gedanke war: Was wird aus meinen Kindern? Mein zweiter Gedanke war: Welcher Mann wird mich ohne Brüste noch haben wollen? Doch wen sollte ich mir zum Vorbild nehmen? All die typischen, perfekten Geschichten von Leuten, die den Krebs überlebt hatten, hingen mir zum Hals heraus. Das war nichts für mich.
Schließlich fiel mir das Buch Tour des Lebens – Ich besiegte den Krebs und gewann die Tour de France von Lance Armstrong in die Hände. Hier endlich fand ich einen Ausnahmemenschen.
Die Arbeit seiner Stiftung inspirierte mich, nach der Brustamputation meine Stimme für den Kampf gegen den Krebs einzusetzen und zu versuchen, das amerikanische Gesundheitssystem zu ändern. Vor allem für sozial Schwache, deren Diagnose zu spät gestellt wurde. Krebspatienten sterben nicht, weil wir Krebs nicht heilen können, sondern weil es zu wenig Vorsorge gibt.
Lance Armstrong ist für mich nicht nur ein Athlet. Er ist ein Vorbild. Er erreicht das, was er sich zum Ziel gesetzt hat. Es gibt wenige Menschen, für die ich große Achtung empfinde. Armstrong weckt in mir das Bedürfnis, nach höheren Zielen zu streben, für mich selbst, aber vor allem für andere. Egal, was er auch macht, er will immer siegen.
Es ist auch ein wenig schicksalhaft, denn als ich 1999 in Paris war, fuhr er bei der Tour de France mit. Ich war damals eine von vielen in der Menge und hielt ein Schild hoch, auf dem stand: "Armstrong vor! USA gewinnt!" Wer hätte damals gedacht, dass seine Mission gegen den Krebs uns nur ein paar Jahre später zusammenbringen würde?

DIE ROMANAUTORIN
JACQUELYN MITCHARD
ÜBER DIE SCHAUSPIELERIN
JAMIE LEE CURTIS


Als ich 1996 in der Lobby eines Hotels in Los Angeles saß, fielen mir die unglaublich langen und schlanken Beine der Frau neben mir auf. Ich drehte mich zu ihr um und erkannte die Schauspielerin Jamie Lee Curtis, die "Scream-Queen" aus diversen Horrorfilmen, die ihren Körper für meinen Geschmack ein wenig zu bereitwillig vor der Kamera entblößte – die zu jenem Zeitpunkt aber Anerkennung und Erfolg als Kinderbuchautorin genoss. Unvermittelt platzte es aus mir heraus, dass ihr Buch Erzähl noch mal, wie wir eine Familie wurden in unserem Haus sehr geliebt wurde und schon restlos zerlesen war. Auch ich hatte eine Tochter adoptiert und las ihr das Buch immer wieder vor. Es war unser Leitfaden und unser Trost.
Jamie Lee Curtis hatte gerade ihr zweites Kind adoptiert, und so tauschten wir zwei Mütter unsere Erfahrungen mit Ehemännern aus, die zu vernarrt in ihre Kinder waren, um sich zu einem romantischen Abend zu zweit überreden zu lassen. Sie erzählte, sie habe einmal zu ihrem Mann gesagt: "Es ist schließlich unser Hochzeitstag! Also komm endlich!"
Als ich Jamie Lee Curtis bat, mir auf einer Serviette ein Autogramm für meinen Sohn, einen angehenden Schauspieler, zu geben, meinte sie: "Ich habe etwas Besseres." Sie zog ihren einzigen Abzug eines Werbefotos heraus und schrieb darauf: "Für Martin alles Liebe von Jamie Lee."
Jahre später hörte ich sie sagen: "Ich hatte eine schwierige Kindheit. Ich schreibe keine Kinderbücher aus Langeweile, weil gerade mal keine Filmangebote hereinkommen. Ich möchte, dass Kinder sich wohler fühlen, so wie ich mir gewünscht hätte, mich als Kind wohler zu fühlen." Das bewunderte ich.
Im Jahr 2002 hat sie mich erneut angenehm überrascht, als sie ein Foto von sich veröffentlichte, das sie ihre "Entschuldigung an alle Frauen" für all die Jahre der Angeberei mit ihrem perfekten Körper nannte – eine unretuschierte Aufnahme in Unterwäsche, die zeigt, wie ein Filmstar in Wirklichkeit aussieht.

DER PIANIST LANG LANG
ÜBER DEN OPERNSTAR
LUCIANO PAVAROTTI


Pavarottis Stimme war wie die Sonne – so hell, rein und hochsensibel, dass sie einem das Herz öffnete. Und das tut sie noch heute, wann immer ich seine Aufnahmen anhöre. Durch sein Talent konnte er die klassische Musik und die Oper einem breiten Publikum nahebringen. Wer immer ihn singen hörte, dessen Leben hat er verändert.
Pavarotti hat mich inspiriert, Gleiches als Pianist anzustreben. Das ist der wahre Grund, weshalb ich bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking im Sommer 2008 auftreten wollte. Ich finde, dass wunderschöne Musik mit vielen Menschen geteilt werden sollte. Denn sie kann uns lehren, Gefühle zu erleben, die wir sonst vielleicht nie empfinden würden. Sie berührt unsere Seelen. Ich werde diesen Mann ewig dafür bewundern, dass er Musik in so viele Leben gebracht hat, dass er die Herzen so vieler Menschen berührte und dass er in mir das Bedürfnis geweckt hat, es ihm gleichzutun.

Bewertung
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?Dann erhöhen Sie hier seine Punktzahl!

Am Beliebtesten in Prominente

  1. Das Beste aus Europa
  2. Dichter und Dilettant
  3. Tiefgründig

Mehr Artikel & Interviews

Kommentar abgeben

Name*
Email
Kommentar*
Mehr spannende Reportagen und Geschichten mit dem Menschen im Mittelpunkt?
Abonnieren Sie jetzt Reader's Digest, das Magazin!