Das Buch ist so spannend, dass Monika Distel* alles um sich herum vergisst. Auch die Adventskerzen, die sie angezündet hat, bevor sie es sich auf dem Sofa bequem gemacht hat. Erst der Brandgeruch schreckt sie auf – ihr Adventskranz steht in Flammen! „Ich rannte in die Küche, um Wasser zu holen, und versuchte den Kranz zu löschen. Das gelang mir aber erst beim dritten Versuch“, erzählt die Hessin vom Zimmerbrand zur Weihnachtszeit. Feuer und Ruß verursachen einen Gesamtschaden von fast 3500 Euro. „Grob fahrlässig“, befand dann auch noch die Versicherung und zahlte keinen Cent. Begründung: Der Kranz sei bereits vertrocknet gewesen.

Die in Brand gesteckte Wohnung ist beileibe nicht das einzige Unglück, das gerade zu Weihnachten droht. Die Liste der Festtagsfallen ist lang: Sie reicht von halsbrecherischen Dekorationsaktionen über mörderischen Einkaufsstress bis hin zu einfach ignorierten Krankheitssymptomen. Also alle Jahre wieder das gleiche Drama? Von wegen! Unsere Tipps bringen Sie heil und gesund durch die Weihnachtssaison.
 

Deko-Wahn
Beleuchtete Eiszapfen hängen von der Regenrinne, um die meterhohe Kiefer im Vorgarten spannt sich eine Lichterkette, und am Schornstein turnt Santa Claus. Inspiriert durch TV-Serien oder ambitionierte Nachbarn, wird auch bei uns die Weihnachtsdekoration immer aufwendiger.
So mancher Familienvater scheint zu glauben, er habe Engelsflügel, wenn er mit dem ellenlangen Lichterschlauch auf das Dach klettert. Doch auch im Haus regiert beim Putzen und Schmücken der Leichtsinn. „Jahr für Jahr passieren in Deutschland rund 90 000 Unfälle auf und mit Haushaltsleitern“, warnt Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion Das sichere Haus (DSH). Insgesamt enden über 5000 Sturzunfälle in Heim und Freizeit tödlich.

So klappt es sicher: Wenn Sie zum Dekorieren unbedingt nach oben klettern müssen, verwenden Sie am besten eine Stehleiter, und achten Sie darauf, dass die Spreizsicherung richtig eingerastet ist. Anlegeleitern dürfen nicht zu steil stehen, die DSH empfiehlt etwa 75 Grad. Beugen Sie sich nicht zu weit nach links oder rechts, sonst kippen Sie um. Stolperfallen wie Lichterketten oder Kabel nicht über Stufen und Trittflächen führen, sondern stets an der Leiter entlang. Und wenn Sie draußen Haus und Garten dekorieren, dann bitte bei Tageslicht und nicht bei Schnee und Glatteis.
 

Herz-Stress
Das „Fest der Liebe“ ist der pure Herz- Stress. Wenig Bewegung plus viel fettes Essen und alkoholische Getränke nimmt das Organ schnell übel. Auch das Wetter birgt Gefahren: Starke Kälte kann Angina pectoris auslösen und bei außergewöhnlicher Belastung, wie zum Beispiel Schneeschippen, zum Herzinfarkt führen, warnt die Deutsche Herzstiftung.
Besonders tückisch: Warnsignale wie Blässe, Übelkeit oder Bauchschmerzen führen viele Opfer auf harmlose Verdauungsbeschwerden zurück, hervorgerufen durch den üppigen Gänsebraten oder die dritte Portion Mousse au Chocolat. „Obwohl die meisten Menschen wissen, dass ein Herzinfarkt oft tödlich endet, warten viele erst mal ab“, klagt Professor Hans-Jürgen Becker, Kardiologe und Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Diese Kluft zwischen Wissen und Handeln kostet Jahr für Jahr Tausende von Infarktopfern das Leben.

So klappt es sicher: Die Chancen, einen Herzinfarkt zu überleben, stehen heute gut – vorausgesetzt, Sie sind rechtzeitig im Krankenhaus. „Keine Scheu vor Fehlalarm“, mahnt Professor Becker. Treten im Brustkorb starke Schmerzen auf, die in Arme, Schultern, Bauch, Hals oder Unterkiefer ausstrahlen, handeln Sie sofort! Vergeuden Sie keine Zeit mit Anrufen beim Hausarzt: „Bei Verdacht auf Herzinfarkt immer 112 wählen“, betont Becker.
Raucher, Diabetiker, Übergewichtige oder Patienten mit hohem Blutdruck haben ein besonders hohes Infarktrisiko. Doch selbst wenn Sie bisher kerngesund waren und die Attacke eher unspektakulär ausfällt, sollten Sie stets vom Ernstfall ausgehen und ins Krankenhaus fahren.

Vor allem Frauen verspüren oft nicht den typischen Druck auf der Brust. Stattdessen macht sich ein Infarkt bei ihnen häufig durch Übelkeit, Erbrechen, Atemlosigkeit, Blässe, kalten Schweiß oder Schulterschmerzen bemerkbar.
Gut für jedes Herz: Auch im Winter täglich eine Stunde spazieren gehen.
 

Geschenk-Attacken
Weihnachten, die Zeit der Stille und Besinnung – wären da nicht die Geschenke. Nicht nur der Einkaufsstress belastet die Gesundheit. So manches Geschenk ist schlicht gefährlich: verschluckte Seifen in Praliné-Form oder neue Inliner, die schon unterm Tannenbaum zum ersten Sturz führen.

So klappt es sicher: Wenn Sie Nichten, Neffen, Enkel oder Patenkinder beschenken möchten, stimmen Sie sich vorher mit den Eltern ab. Achten Sie bei Präsenten für die lieben Kleinen unbedingt auf Altersangaben, oder lassen Sie sich im Fachhandel beraten. „Trotz Festtagslaune sollten Sie sich nicht zu leichtsinnigen Aktionen hinreißen lassen“, rät Susanne Woelk von der DSH. Also: Das neue Fahrrad darf die Tochter nur mit Helm ausprobieren, und der Neffe liest zuerst die Gebrauchsanweisung des Chemiekastens, bevor er anfängt zu experimentieren.
 

Rauch-Signale
Dank elektrischer Baumbeleuchtung können die Männer und Frauen der Feuerwehr Heiligabend inzwischen etwas entspannter begehen.Trotzdem bleiben die Festtage eine heiße Saison. Unglücksfälle, wie der Zimmerbrand von Monika Distel, sind keine Seltenheit. Das Brandrisiko steigt im Advent um rund 35 Prozent, meldet die DSH.

So klappt es sicher: Lassen Sie brennende Kerzen niemals unbeaufsichtigt. Verwenden Sie Kerzenhalter aus Metall, und lassen Sie die Kerzen nicht zu weit herunterbrennen. „Tannengrün trocknet mit der Zeit aus und ist dann umso leichter entflammbar“, warnt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. Kaufen Sie also Ihren Baum möglichst frisch, und wechseln Sie vertrocknete Kränze und Gestecke rechtzeitig aus.

Auch bei der Zubereitung des Festessens drohen Gefahren. „Brennendes Fett nie mit Wasser löschen, sonst verursachen Sie eine lebensgefährliche Fettexplosion“, warnt Darmstädter. Legen Sie sich immer einen passenden Deckel bereit, und ersticken Sie das Feuer damit. Und: Machen Sie sich mit Ihrem Feuerlöscher vertraut.
 

Zeit-Not
Den ganzen Tag sind Sie Schlange gestanden – vorm Parkhaus, im Supermarkt, im Spielwarenladen, an der Fast-Food-Theke und jetzt auch noch vor dem Kunden-WC! Dabei ist Ihre Einkaufsliste noch nicht mal zur Hälfte abgearbeitet, die Wohnung einSchlachtfeld, und vor lauter Weihnachtsfeiern wissen Sie nicht mehr, wo Ihnen der Kopf steht.

So klappt es sicher: „Entrümpeln Sie Ihren Terminkalender. Sie müssen nicht auf jeder Feier glänzen“, sagt Zeitmanagement-Experte Professor Lothar Seiwert aus Heidelberg. Suchen Sie sich ein paar Termine aus, die Ihnen wirklich wichtig sind. Den Rest sagen Sie konsequent und rechtzeitig ab. Und: Kein falscher Ergeiz! Niemand erwartet, dass Sie das perfekte Promi-Dinner zaubern oder Unmengen von Geschenken besorgen.
„Nichts zu schenken gilt als Tabu, dabei werden die meisten Menschen erleichtert reagieren, wenn Sie ihnen vorschlagen, auf das gegenseitige Geschenkemachen zu verzichten“, sagt Seiwert. Setzen Sie die richtigen Prioritäten: Das Wichtigste an Weihnachten sind frohe, entspannte Stunden mit Ihren Lieben.
 

Reise-Fieber
Haben Sie schon einmal Stunden im Weihnachtsstau auf der Autobahn verbracht? Oder Ihre Kinder und Geschwister dazu veranlasst, an den Feiertagen quer durch die Republik zu fahren, um mit Ihnen zu feiern? Schmuddelwetter, Müdigkeit, Eile und Ferienverkehr sind eine gefährliche Kombination.

So klappt es sicher: Wenn schon reisen, warum nicht mit der Bahn? Das schont Nerven und Umwelt. Wenn Sie mit dem Auto fahren, sollten Sie viel Zeit einplanen und die Hauptreisetage möglichst meiden. Lassen Sie rechtzeitig die Winterreifen aufziehen – kurz vor Weihnachten bekommen Sie vermutlich keinen Termin mehr in der Werkstatt.
Denken Sie daran: Im Winter ist besonders viel Abstand angebracht. „Eine Bremsprobe, am besten schon nach wenigen Metern Fahrstrecke, gibt einem das Gefühl für die Straßenverhältnisse“, empfiehlt Regina Ammel vom ADAC.
 

Festtags-Speck
Gänsebraten ist köstlich, aber mit rund 30 Prozent Fett ziemlich schwer verdaulich. Auch Käse-Fondue oder Karpfen fallen nicht gerade unter leichteKost, ganz zu schweigen von Wein, Plätzchen und Punsch. Die scheinbar endlose Schlemmerei schlägt so manchem auf den Magen.

So klappt es sicher: „Zu einer gesunderhaltenden Ernährung gehört auch Genuss“, beruhigt Dagmar von Cramm, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Wer sich ansonsten vernünftig ernährt, braucht also bei einem Stück Gänsebraten kein schlechtes Gewissen zu haben. „Essen Sie langsam, das fördert das Sättigungsgefühl. Genießen Sie bewusst das Beisammensein“, empfiehlt von Cramm. Zurückhaltung ist hingegen bei den Naschereien zwischendurch angebracht. Ersetzen Sie Schnaps nach einem fetten Essen durch einen Winterspaziergang. Das fördert die Verdauung besser.
Egal, ob auf Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkten oder im Familienkreis – überall gilt: Alkohol in Maßen. Und wer noch fahren muss, sollte von Glühwein & Co. auf jeden Fall die Finger lassen.

Mit guter Planung, einer Portion Ruhe und etwas Vorsicht machen Sie Weihnachten für sich und Ihre Familie zur schönsten Zeit des Jahres. Wir wünschen Ihnen ein frohes Fest!

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1 Kommentare

in_der_materie on 10 Dezember 2010 ,22:17

Beim Thema Herzbeschwerden sollte man anders vorgehen: bei den genannten Beschwerden sollte man auf KEINEN Fall den Hausarzt anrufen (kann vor Ort nicht viel tun und braucht lange), sondern sofort den Rettungsdienst über die Notrufnummer (meistens 112) alarmieren, Hilfe kommt dann schnellstmöglich (in weniger als 15 min.), leistet eine gute Erstversorgung und liefert dann ins Krankenhaus ein. Wie es dort steht: lieber einmal Fehlalarm, als das Herz zu schädigen.

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