Athletisch, mit Vollbart und einem gewinnenden Lächeln, so empfängt Gordon Matthew Thomas Sumner – besser bekannt als Sting – Reader’s Digest zum Interview. Die 58 Jahre sieht man dem sechsfachen Familienvater wirklich nicht an. Ob’s an der Ernährung mit den biodynamischen Produkten liegt, die er auf seinen Landgütern anbauen lässt? Oder doch am Ausdauertraining, das der Frontmann der Rocklegende The Police offenbar nicht nur beim Olivenpflücken absolviert: Auch für die körperliche Liebe nimmt er sich nach eigenem Bekunden gerne Zeit … Aber beginnen wir mit If On A Winter’s Night, dem neuen Album, das der Brite im Dezember auch bei einem Konzert in Deutschland vorstellen wird.

Reader’s Digest: Vor drei Jahren haben Sie das Werk des elisabethanischen Komponisten John Dowland vertont. Warum jetzt klassische Winterlieder, die auf Werke von Schubert bis zu solchen aus dem tiefsten Mittelalter zurückreichen?

Sting: Meine Plattenfirma kam auf mich zu und meinte: „Warum machst du nicht ein Weihnachtsalbum?“ Allein bei dem Gedanken daran hätte ich mich fast übergeben. (lacht) Weihnachten ist nicht mein Ding – ganz im Gegensatz zum Winter. Das ist eine Jahreszeit, auf die ich mich immer sehr freue. Ich liebe es, vor dem Feuer zu sitzen, mich in eine Decke zu hüllen und ein gutes Buch zu lesen. Insofern ist der Winter für mich die Jahreszeit der Ruhe und Harmonie. Es ist die Jahreszeit, in der lange, dunkle Nächte für spannende Geschichten sorgen.


RD:
Wie verbringen Sie Weihnachten denn dann?

Sting: Meine Frau liebt Weihnachten. Da ist sie sehr traditionell. Die Kinder schauen vorbei, es gibt Truthahnund Geschenke. Was mir gar nicht so wichtig ist. Aber ich mache halt mit, und wir verbringen eine schöne Zeit miteinander. Wobei meine eigenen Kindheitserinnerungen an Weihnachten nicht besonders glücklich sind. Das war immer eine von Spannungen geprägte Zeit, eine seltsame Mischung aus Freude und heftigen Streitereien. Daran erinnere ich mich leider sehr genau.


RD:
Was machen Sie denn an langen Winterabenden? Kochen Sie?

Sting: Um Gottes willen! Ich kriege höchstens gebackene Bohnen auf Toast hin! Aber ich kümmere mich ums Feuer. Das ist meine Lieblingsbeschäftigung im Winter. Holz hacken und dann intelligent aufschichten. Ich schaue mir lieber ein gutes Feuer im Kamin an als irgendeinen Blödsinn im Fernsehen.


RD:
Jetzt haben Sie die passende CD, die Sie dazu auflegen können …

Sting: Stimmt. Aber meine Kinder würden sofort schreien: „Mach den Mist aus!“ (lacht)


RD:
Na, zur Not haben Sie ja noch einen zweiten Beruf: Landwirt.

Sting: Nicht wirklich. Ich meine, ich habe zwar seit 20 Jahren ein Gut in England und seit zwölf Jahren eines in Italien. Aber dort bauen wir nur unser eigenes Essen an. Was zwar sehr teuer ist, aber dafür essen wir eben auch sehr gut. Und in Italien bauen wir unseren eigenen Wein an, der jetzt – nach drei Jahren – wirklich erstklassig geworden ist. Wobei wir den Gutshof nach der Philosophie von Rudolf Steiner angelegt haben – „biodynamisch“. Das ist eine ziemlich merkwürdige Variante von Voodoo. Also im Angesicht des Mondes muss man dies oder jenes tun. Nur: Es funktioniert. Und der Wein schmeckt großartig. Aber ich selbst bin definitiv kein Bauer. (lacht)


RD:
Gleichzeitig produzieren Sie Olivenöl, Marmelade und Honig …

Sting: Wir haben unsere eigene Bienenkolonie mit etwa 50 Familien, die sehr hart für uns arbeiten. (lacht) Und die Oliven und die Weintrauben pflücke ich zum Beispiel selbst. Einfach weil ich körperliche Arbeit mag. Dabei kann man gut abschalten.

 

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