Guo jian schaufelte weiter uner­müdlich Trümmer beiseite und konnte so acht Menschen befreien. Als er Hunger bekam, ging er kurz heim, aß ein paar Kekse und eilte direkt zur Schule zurück. Zwei Tage und zwei Nächte schuftete er ohne Schlaf. Er sprach nur wenig. Sein heldenhafter Einsatz spricht an seiner Stelle.

Am Abend des 22. Mai, also zehn Tage nach der Katastrophe, wurden die amtlichen Zahlen veröffentlicht. Demnach waren bei dem Erdbeben 55 239 Menschen ums Leben gekommen, und es hatte mehr als 281 000 Verletzte gegeben. 24 949 Personen galten noch immer als vermisst. Mehr als fünf Millionen Menschen waren evakuiert worden, 83 988 davon hatte man aus den Trümmern zerstörter Gebäude geborgen.

Auch zwei wochen später erschütterten immer wieder schwere Nachbeben die Region. Am 27. Mai etwa wurden in der Provinz Sichuan mehrere Beben mit Stärken über 5,0 auf der Richterskala registriert. Die Opferzahlen des großen Bebens vom 12. Mai mussten nach oben korrigiert werden. Die chinesische Regierung meldete nun 67 183 Tote, 20 790 Vermisste und mehr als 360 000 Verletzte..

An der Juyuan-Mittelschule hatten sechs Lehrer und 272 Schüler ihr Leben verloren. Zwischen den Betonbruchstücken fand man bei den Aufräumarbeiten neben zahlreichen Schuluniformen und Schuhen auch Hausaufgabenhefte. Das der Schülerin Tian Ye enthielt einen Aufsatz mit der Überschrift "Der Regenbogen in meinem Herzen“.

Tian Ye zählte auch zu den Todesopfern. Laut ihrer Lehrerin Liu Tingting war sie immer optimistisch, hoch motiviert und fleißig gewesen. Sie hatte von der Stadt Dujiangyan sogar eine Auszeichnung als vorbildliche Schülerin verliehen bekommen.

In ihrem Aufsatz schrieb sie: "Wenn Schwierigkeiten und Probleme auftauchen, nehme ich mir vor, den He­rausforderungen mit Zuversicht zu begegnen. Und ist der Weg auch noch so steinig und lang, ich werde nicht aufgeben. ... Der Regenbogen in meinem Herzen wächst mit meinen Erfahrungen, mit den Schwierigkeiten, die ich gemeistert habe, aus der Freude über meine schulischen Erfolge und aus den wunderschönen Erinnerungen an meine Kindheit. Sie alle gehören zu den Schätzen meines Daseins. Sie werden die schöns­ten Momente meines Lebens sein.“

Nur eine Woche nach der Katastrophe wurde die Juyuan-Mittelschule wieder eröffnet. Der Un­ter­richt wurde in einer nahe gelegenen Grundschule abgehalten. Das zerstörte Gebäude wird schnellstmöglich wieder aufgebaut werden, so viel ist sicher. Aber der Schmerz der überlebenden Schüler und Lehrer so­wie der vielen Ange­hörigen wird für immer bleiben.

"Wir Lehrer sind da­von überzeugt, dass die neue Juyuan-Mittelschule noch besser sein wird“, sagte Zhang Lin in seinem Krankenbett. "Wir müssen jetzt alle tapfer sein.“

Der Musiklehrer He Anlin starrte lange auf das Trümmerfeld und sagte: "Ich werde bleiben. Ich möchte ihre Seelen mit Musik heilen. Und ich bin sicher, dass mir das gelingen wird.“

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