Mit den Schätzen der Natur
Was haben Madonna und Julia Roberts gemein – außer der Tatsache, dass beide Superstars sind? Beide schwören bei Cremes und Lotionen auf „Mutter Natur“.
Von STELLA CORNELIUS-KOCHWas haben Madonna und Julia Roberts gemein – außer der Tatsache, dass beide Superstars sind? Beide schwören bei Cremes und Lotionen auf „Mutter Natur“. „Naturkosmetik wird immer beliebter“, erklärt Cornelia Schellenberg, die für den Bereich Naturkosmetik im Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH) spricht. Schätzungen zufolge beträgt der Marktanteil 5 Prozent – Tendenz steigend.
Gespeist wird dieser Trend durch den Wunsch nach allgemein mehr Natürlichkeit, der Ablehnung von Tierversuchen, aber auch dadurch, dass viele Menschen – beunruhigt über die steigende Belastung mit Umweltgiften – bei der Körperpflege eine weitere Portion Chemie vermeiden wollen. „Besonders beliebt sind Naturkosmetika auch bei Personen, die unter Allergien zu leiden haben“, ergänzt Cornelia Schellenberg.
Der feine Unterschied
Im Unterschied zu konventionellen Schönheitspflegeprodukten enthalten Naturkosmetika traditionell nur pflanzliche, tierische und mineralische Rohstoffe wie Pflanzenauszüge, Öle, Lanolin, also Wollfett, oder Tonerde. Auf den Einsatz synthetischer Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe sowie auf Erdölprodukte verzichten die Hersteller von Naturkosmetik. Deshalb sind diese Produkte besonders verträglich und selbst für empfindliche Haut gut geeignet.
„Allerdings können auch natürliche Inhaltsstoffe Allergien auslösen“, gibt Dr. Gertraud Kremer, Hautärztin aus Berlin, zu bedenken. Pflanzen wie Arnika, Kamille oder Ringelblume – vielen unter der Bezeichnung Calendula ein Begriff –, aber auch Lanolin oder Bienenwachs haben durchaus allergenes Potenzial. „Bei geröteter, entzündeter oder verletzter Haut sollten Sie mit Naturkosmetik vorsichtig sein“, rät die Expertin. In dieser Situation ist die Haut nämlich besonders anfällig für Allergien. Um herauszufinden, ob Sie auf ein neues Produkt allergisch reagieren, geben Sie vor der ersten Anwendung etwas Creme, Lotion, Reinigungsmilch auf die Haut Ihrer Armbeuge. Treten innerhalb von drei bis vier Tagen keine Rötungen oder Juckreiz auf, können Sie das Produkt problemlos verwenden.
Das Angebot an natürlichen Pflegemitteln ist groß. Aber Achtung: Nicht in allen Tiegeln, Tuben und Flaschen mit dem Etikett „bio“, „natürlich“ oder „pflanzlich“ steckt reine Natur. Der Begriff Naturkosmetik ist gesetzlich nicht geschützt. Wenn Sie sichergehen wollen, ohne künstliche Chemikalien zu reinigen und zu pflegen, kommen Sie um die Lektüre der Zutatenliste nicht herum. Gut zu wissen: Für Kosmetikprodukte ist auf dem deutschen Markt die Deklaration sämtlicher Inhaltsstoffe vorgeschrieben. Gute Orientierung bieten auch Gütesiegel (siehe Info-Kasten S. 79).
Schonend reinigen
Seifen, Shampoos und Duschbäder sollen Staub, Schmutz, abgestorbene Hautschüppchen und -fett entfernen. In Naturkosmetikprodukten werden dafür Kokos- und Palmkernöle zu waschaktiven Substanzen, sogenannten Tensiden, verseift. In Kombination mit Olivenöltensiden oder unter Zugabe von rückfettenden Ölen verhindern sie, dass die Haut zu stark entfettet und austrocknet.
Wer ganz auf seifenhaltige Produkte verzichten möchte, kann alternativ zu Lava-Erde greifen. In Afrika kommt das natürliche Tonmineral schon seit Jahrhunderten zur Pflege und Reinigung von Haut und Haaren zum Einsatz. Das Besondere an der lehmfarbenen Wascherde: In Verbindung mit Wasser quillt sie auf und entwickelt eine angenehm gelartige Konsistenz. Ihre feinen Partikel saugen Schmutz und überschüssiges Fett auf – ähnlich wie ein Löschblatt. Da Lava-Erde im Gegensatz zu aggressiven Seifen nicht vollständig entfettend wirkt, ist sie besonders bei empfindlicher oder unreiner Gesichts- und Körperhaut sowie sensibler Kopfhaut oder hartnäckigen Schuppen geeignet.
Sie bevorzugen für Ihr Gesicht Reinigungsmilch und Gesichtswasser? Auch dafür ist ein Kraut gewachsen. Produkte auf natürlicher Basis enthalten meist auf den Hauttyp abgestimmte Pflanzenauszüge, beispielsweise Melisse für empfindliche, Aloe vera für trockene oder Hamamelis für unreine Haut sowie rückfettende Substanzen wie Mandel- oder Jojobaöl. Damit ermöglichen sie eine sanfte und gründliche Reinigung, ohne dass die Gesichtshaut anschließend spannt.
Ganzheitlich pflegen
Für die Hautpflege nach der Reinigung setzt Naturkosmetik oft auf besonders wertvolle Öle, zum Beispiel Rosenöl. Um nur einen Tropfen davon zu gewinnen, benötigen die Hersteller allein 30 Rosenblüten! Doch der Aufwand lohnt sich: „Die Rose ist eine wahre Allroundpflanze, weil sie alle Hautzustände harmonisiert und daher für jede Haut geeignet ist“, erklärt Marion Prinz, Naturkosmetikerin aus Oberhausen im Ruhrgebiet.
Derzeit liegen Pflegeprodukte mit Granatapfelsamenöl im Trend. Das Besondere an den dunkelroten Früchten: Ihre Schale enthält Gamma-Linolensäure – eine Fettsäure, die auch in unserer Haut vorkommt und dort das Feuchthaltevermögen reguliert sowie regenerierend und entzündungshemmend wirkt. „Bei Neurodermitikern fehlt diese Säure oft. Daher sind Produkte mit Granatapfel gerade bei Problemhaut einen Versuch wert“, berichtet Marion Prinz aus ihrer Praxis.
Pflegende und heilende Wirkung wird auch der Sheabutter zugeschrieben. Die aus den Kernen des afrikanischen Sheanussbaums gewonnene Substanz wirkt hautstraffend – hilfreich bei Schwangerschaftsstreifen – und regeneriert stark beanspruchte Haut, etwa nach dem Sonnenbad.
Sanft schützen
Apropos Sonnenbad: Auch für denjenigen, der beim Sonnenschutz auf chemische Substanzen verzichten will oder sie nicht verträgt, hat die Naturkosmetik etwas im Angebot. „Produkte mit mineralischen Lichtschutzfiltern wie Zink- oder Titandioxid sind eine gute Alternative zu solchen mit chemischen UV-Filtern“, erklärt die Berliner Hautärztin Kremer. Sie sind besonders hautfreundlich und daher insbesondere für zarte Kinderhaut geeignet.
EinzigerWermuts-tropfen: Mineralische Sonnencremes bilden eine weiße Schicht auf der Haut. Hat sich Ihre Haut trotz Sonnenschutz gerötet, wirken After-Sun-Lotionen und -Gels mit Aloe vera beruhigend und reizlindernd.
Natürlich verschönern
Selbst das Angebot an dekorativer Naturkosmetik lässt keine Wünsche offen: Lippenstifte mit Bienenwachs oder entzündungshemmendem Honig verschönern und pflegen. Für ausdrucksstarke Augen bei empfindlicher Haut sorgen Kajalstifte und Mascara mit Extrakten der Augentrost-Pflanze. In Lidschatten, Rouge und Puder wird häufig Seidenpulver eingesetzt, das den Teint mattiert und verfeinert.
Sogar wer seinem Haar Farbakzente verleihen möchte, muss nicht zu aggressiven Chemikalien greifen. Ob blond, rot, braun oder schwarz: Pflanzenhaarfarben bieten mit natürlichen Pigmenten aus Henna, Kamille, Rhabarber, Indigo und Kaffeepulver für fast jeden Wunsch das Passende. Was viele nicht wissen: Auch graue Haare lassen sich damit abdecken. „Allerdings dauert es eine Zeit lang, bis ein deutlicher Effekt sichtbar wird. Aber dann bekommt das Haar einen schönen natürlichen Glanz“, erklärt Kosmetikexpertin Marion Prinz.
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