Sie wissen nicht mehr, wo Sie Ihre Brille hingelegt haben? Sie können sich nicht erinnern, wie Ihr neuer Kollege heißt? „Oft haben wir zu viel im Kopf“, erklärt der Leiter der Klinik für Gedächtnisstörungen am Diakonissenklinikum Beth Israel in Boston, USA, Dr. Zaldy S. Tan. „Wenn wir unaufmerksam sind, bleibt die Information nicht lange im Gedächtnis haften, und es fällt uns schwer, sie später wieder abzurufen.“
Es kommt also darauf an, die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu steigern. Wir machen Sport und trainieren unseren Körper. Aber was nützt es, physisch in Topform zu sein, wenn die geistigen Kräfte nachlassen? Natürlich können Sie einfach alles aufschreiben, detaillierte Listen führen und sich elektronische Notizen in Ihrem Computer oder Handy machen. Aber wenn Sie solche Hilfsmittel nicht besitzen oder Ihr Gehirn trainieren wollen, dann helfen Sie doch Ihrem Gedächtnis mit den folgenden Experten-Tricks auf die Sprünge.
Blackout Nr. 1
„WIE WAR DOCH GLEICH DER NAME?“
> Hören Sie hin. Wenn Ihnen jemand vorgestellt wird, achten Sie genau auf seinen Namen. Überlegen Sie, wie er sich schreiben könnte. Fragen Sie: „Schmidt mit -dt oder -t?“ Stellen Sie eine Beziehung her („Ach, Zimmermann – so hieß meine Sandkastenfreundin mit Nachnamen“). Sprechen Sie den Namen während der Unterhaltung und beim Abschied aus.
> Machen Sie sich ein Bild. Geben Sie einem Namen, der schwer zu behalten ist, einen konkreten Sinn. Bei „Wittekind“ hilft beispielsweise die Eselsbrücke „Wickelkind“. Stellen Sie sich das Bild dazu vor. Oder schauen Sie sich die Person an: Suchen Sie nach einem besonderen Merkmal (buschige Augenbrauen, grüne Augen), und verbinden Sie den Namen mit dem Gesicht. Hat Herr Wittekind eine große Nase, stellen Sie sich statt des Wickelkinds seine Nase vor.
> Wecken Sie Assoziationen. Denken Sie bei Herrn Moser einfach an die Mosel. Wenn Sie sich merken wollen, dass Rotraud Schuster ein Architekturbüro leitet, stellen Sie sich vor, wie sie ein großes Gebäude mit roten Schuhen betritt.
> Notieren Sie Informationen. Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihr Gehirn. Wenn Ihnen Ihr Gesprächspartner eine Visitenkarte überreicht, machen Sie sich als Gedächtnisstütze auf der Rückseite Notizen (rote Brille, lebt in Neuburg, ging auf meine Uni).
Blackout Nr. 2
„WO HABE ICH NUR MEINE BRILLE HINGELEGT?“
> Kommentieren Sie live. Achten Sie darauf, was Sie gerade tun, etwa wenn Sie die Brille auf die Kommode legen. Sagen Sie zu sich: „Ich stecke meine Schlüssel in die Manteltasche.“ So stützen Sie Ihre Erinnerung zusätzlich.
> Erziehen Sie sich. Stellen Sie einen Korb auf das Regal im Flur, und gewöhnen Sie sich an, Schlüssel, Brille, Handy und alles, was Sie sonst häufig benutzen (oder verlegen), in den Korb zu tun – und zwar jedes Mal.
Blackout Nr. 3
„WAS WOLLTE ICH HEUTE NOCH ERLEDIGEN?“
> Tanzen Sie aus der Reihe. Sie wollen etwas Wichtiges erledigen (das Abendkleid aus der Reinigung holen, den Dankesbrief schreiben). Kombinieren Sie Übliches mit Unüblichem. Die Rechnungen liegen immer auf dem Schreibtisch; das ist für Sie nicht ungewöhnlich. Aber wenn Sie den Stapel mit einem Schuh krönen, wundern Sie sich später über das Stillleben: Ihnen fällt ein, dass Sie sich um die Überweisungen kümmern wollten.
> Singen Sie mal. Um sich eine Namens- oder Einkaufsliste zu merken, singen Sie sie zu einer bekannten Melodie. Wie wäre es mit „Butter, Milch und Eier“ zu der Melodie von „Alle meine Entchen“?
> Nutzen Sie Gedächtnishilfen. Wer Geige spielt, kennt den Spruch: „Geh du alter Esel“ (G-D-A-E), um sich die Reihenfolge der Saiten zu merken. Erfinden Sie eigene Eselsbrücken für Namen (Susannes Kinder heißen Ronja, Oskar, Sven und Elke oder ROSE) oder für Einkaufslisten (Brot, Eier, Erdbeeren, Tomaten oder BEET).
> Setzen Sie Ihren Körper ein. Ordnen Sie den Einkauf einzelnen Bereichen Ihres Körpers zu. Wenn Sie etwa Klebstoff, Katzenfutter, Brokkoli, ein Brathuhn und Zahnpasta brauchen, stellen Sie sich vor, Ihr Fuß steckt in Klebstoff, Sie haben eine Katze auf dem Schoß, die hungrig ist, ein Brokkoli- Strunk ragt aus Ihrer Hosentasche, ein Huhn pickt an Ihrem Bauchnabel und Sie haben eine Zahnbürste im Mund.
> Denken Sie „im Raum“. Assoziieren Sie Ihre Besorgungen mit den Zimmern in Ihrem Haus oder mit Ihrem Weg zur Arbeit. Auch hier gilt: Je verrückter die Assoziation, desto eher spielt das Gedächtnis mit. Stellen Sie sich vor, vom Kronleuchter in Ihrer Diele hängen Äpfel, auf der Wohnzimmercouch liegen Müsliflocken, aus der Küchenspüle quellen Haarshampoo-Blasen, und Käse liegt auf der Tagesdecke.
Blackout Nr. 4
„WIE WAR MEIN KENNWORT NOCH MAL?“
> Geben Sie jeder Ziffer eine Form. 0 ist ein Ball oder ein Ring, 1 ein Stift, 2 ein Schwan, 3 sieht aus wie Handschellen, 4 wie ein Segelboot, 5 wie eine schwangere Frau, 6 wie ein Rohr, 7 wie ein Bumerang, 8 wie ein Schneemann, 9 wie ein Tennisschläger. Um sich die PIN Ihrer Kreditkarte (zum Beispiel 4298) zu merken, stellen Sie sich ein Segelboot (4) vor, das ein Schwan (2) angreift. Sie geben dem Tier einen Klaps mit einem Tennisschläger (9), und der Schwan verwandelt sich in einen Schneemann (8). Diese Story werden Sie nie vergessen!
> Reimen Sie. Überlegen Sie sich Wörter, die sich auf die Ziffern 1 bis 9 reimen (Ei für 3, Klecks für 6 usw.). Dann erfinden Sie eine Geschichte, in der die Reimwörter vorkommen: In einer Nacht (8) im Mai (2) findet Heinz (1) ein Ei (3).
Blackout Nr. 5
„DAS WORT LIEGT MIR AUF DER ZUNGE“
> Gehen Sie das Alphabet durch. Sie können sich nicht an den Titel eines bestimmten Films erinnern. Sagen Sie (laut oder im Geist) das ABC auf. Wenn Sie bei G anlangen, müsste Ihnen der Titel einfallen, auf den Sie nicht kommen: Goldfinger.
Blackout Nr. 6
„ICH BEHALTE NICHTS“
> Lesen Sie, schreiben Sie, sagen Sie, hören Sie, was Sie sich merken wollen. Um sich eine Rede einzuprägen, lesen Sie den Text, geben Sie ihn in den Computer ein, nehmen Sie ihn auf Band auf, und hören Sie sich die Aufnahme ein paarmal an.
> Setzen Sie Farben ein. Versehen Sie Ihre Notizen mit Farben oder fetten Überschriften. Es ist einfacher, sich mehrere rote Punkte zu merken als einen fortlaufenden Text.
> Machen Sie sich einen Straßenplan. Machen Sie sich einen Straßenplan. Stellen Sie sich eine Kreuzung vor. Denken Sie sich in jeder Ecke ein Wort, eine Info oder Zahl.