US Wahl 08

Für John McCain ist es ein Segen, dass bei den Präsidentschaftswahlen am 4. November nur US-Bürgerinnen und -Bürger abstimmen dürfen. Fände die Wahl woanders statt, hätte der Kandidat der Republikaner nämlich keine Chance. Dies ist das zentrale Ergebnis der Reader’s Digest Weltumfrage, einer Befragung von mehr als 17000 Personen in 17 Ländern auf allen Erdteilen. In der Meinungsumfrage baten wir die Teilnehmer außerdem um ihre Meinungen zum Ruf der USA in der Welt und zu den wichtigsten globalen Problemen heute.

„Die überwältigende Mehrheit ist für Barack Obama – außer in dem Land, wo er tatsächlich kandidiert“, sagt John Fredricks, Umfrageleiter bei Reader’s Digest. „Am meisten fällt dabei die Größe seines Vorsprungs in der Meinungsgunst auf.“ In den Niederlanden etwa würden mehr als 90 Prozent für den Demokraten stimmen, und auch in Deutschland ist der Wert von 85 Prozent für eine Wahlbefragung ungewöhnlich hoch (siehe Grafik auf Seite 46).

Diese einseitige Bevorzugung ist wohl zum Teil auch der verbreiteten Ablehnung des aktuellen US-Präsidenten George W. Bush geschuldet. Spätestens seit dem Einmarsch von US-Truppen in den Irak verschlechterte sich das Ansehen der US-Regierung. Als überzeugter Befürworter dieses Krieges steht McCain für den Status quo der Amtszeit Bush – einer Ära, die die Welt schnell vergessen möchte.

„Die Deutschen möchten Amerika wieder lieben“, sagt Jan-Friedrich Kallmorgen, Gründer und Vorstand der Atlantischen Initiative mit Sitz in Berlin und Mitherausgeber des Internetportals www.atlantic-community.org. „Obama mit seinem Charisma und seinem Versprechen vom Wandel gibt ihnen die Hoffnung dazu.“

Dass Obama speziell den Europäern so sympathisch ist, liegt auch an der Berichterstattung in den meisten Medien: Sie sehen und lesen vorwiegend positive Berichte über ihn. Außerdem stehen die Republikaner traditionell für sehr konservative, uramerikanische Werte. So setzen sie sich unter anderem für freien Waffenbesitz und die Abschaffung legaler Abtreibungen ein – was der Einstellung der meisten Europäer widerspricht.

Dazu kommt, dass Obamas Jugendlichkeit weltweit genauso anziehend wirkt wie in den USA selbst. Er kommt vor allem bei den jüngeren Wählern sehr gut an, während McCain nicht nur im Ausland hauptsächlich von den über 55-Jährigen unterstützt wird.

„Wie John F. Kennedy hat Obama das Potenzial, zu einem ,Popstar‘ der Politik zu werden, wobei sich seine Wirkung nicht allein aus seinen politischen Positionen erklärt“, sagt Dr. Andreas Etges, Professor für Nordamerikanische Geschichte an der Freien Universität Berlin. „Doch ähnlich wie bei Kennedy ist die Fallhöhe hoch: Ein Präsident Obama würde seine Anhänger im In- und Ausland, die ihn als eine Art Heilsbringer sehen, fast zwangsläufig enttäuschen müssen.“

Die Ergebnisse der Umfrage lassen außerdem darauf schließen, dass die USA vielen immer noch als Traumland der unbegrenzten Möglichkeiten gelten, auch wenn sie die aktuelle Politik ablehnen. Für sie bestätigt die Tatsache, dass ein Afroamerikaner für das Amt des Präsidenten kandidiert, den Glauben an die in der Unabhängigkeitserklärung festgelegten Ideale.

Zudem verkörpert Barack Obama – der auf Hawaii geboren wurde, dessen Vater aus Kenia stammt und der unter anderem in Indonesien aufwuchs – einen echten Weltbürger. Wie die große Popularität im Ausland seine Wahlchancen im eigenen Land beeinflusst, bleibt allerdings abzuwarten. Nach Ansicht von Jan-Friedrich Kallmorgen wirkt sich diese Beliebtheit zu Hause eher negativ aus und stärkt seine Wahlchancen nicht: „Obama wird vor allem bei den Wählern im Mittleren Westen, die er auch umwerben muss, als abgehoben angesehen. Auch wenn er in Deutschland 85 Prozent Zustimmung bekommt – in den USA interessiert das niemanden.“

Unsere Umfrage ergab außerdem, dass – außer bei der Kandidatenfrage – die Ansichten zu den aktuellen weltpolitischen Fragen weltweit sehr unterschiedlich sind. Wir stellten acht Themen zur Auswahl und fragten nach dem drängendsten: Terrorismus, Krieg im Irak, Umwelt, Weltwirtschaft, globale Armut, Menschenrechte, Welthandel und Verbreitung von Kernwaffen. In sieben von 17 Ländern entschieden sich die meisten Befragten für die Umwelt. Globale Armut, ein Thema, das es bei den befragten US-Amerikanern auf 4 Prozent brachte, erwies sich dagegen als die vordringliche Sorge in sechs weiteren Ländern (siehe Seite 48-49).

Dass dieses Thema in den USA deutlich weniger Beachtung findet, mag daran liegen, dass die meisten dort glauben, eine florierende Weltwirtschaft sei im Kampf gegen Armut effektiver als Entwicklungshilfe. Folgerichtig nimmt bei der Themenbewertung die globale Wirtschaft den ersten Platz ein, noch vor dem Terrorismus und dem Irak-Krieg.

Das Bild der USA in der Welt ist bei den Befragten weniger negativ, als man aufgrund des weltweit nach wie vor äußerst umstrittenen Irak-Kriegs vermuten könnte. „Es wird ganz entscheidend vom jeweiligen Präsidenten geprägt: von seiner Politik, aber auch von seinem Auftreten und seiner Rhetorik“, sagt Professor Etges. „Das Ende der Amtszeit von George W. Bush, der im Ausland noch geringere Zustimmung erhält als im eigenen Land, wird fast automatisch zu einem positiveren USA-Bild führen.“

Vor allem die Deutschen waren von Anfang an mehrheitlich gegen den militärischen Eingriff. Auf die Frage, ob sie sich – mit Blick auf die aktuelle Regierung – eher als neutral, anti- oder proamerikanisch einschätzen, antworteten die meisten Befragten trotzdem mit „neutral“ (siehe Seite 46). Danach befragt, wer von den beiden Kandidaten das Image der USA in der Welt eher verbessern würde, sehen die allermeisten Obama vorn.

Eine größere Kompetenz bei der Lösung globaler Probleme trauen viele US-Amerikaner McCain zu, vor allem bei Terrorismus und Irak-Krise. In Deutschland dagegen sieht die große Mehrheit Obama als denjenigen, der bei allen acht abgefragten Problemfeldern (siehe Seite 48) die besseren Strategien verfolgen würde. Auch bei den anderen Befragten in aller Welt genießt Obama durchweg größeres Vertrauen als McCain.

Letztlich werden natürlich die Wahlberechtigten und die Wahlmännerversammlung (siehe unser Artikel über das US-Wahlsystem auf Seite 58) entscheiden. Aber eines ist klar: Die Welt wird ganz genau hinschauen, ob ihr Favorit gewinnt.

„Ich fürchte, McCain wird gewinnen. Die Amerikaner werden auf Nummer sicher gehen.“

„Obama scheint näher bei den Menschen zu sein, was ich für sehr wichtig halte.“

„Ich würde Obama wählen, weil er für einen Politikwechsel steht und ich mit Bush nicht einverstanden war.“

„Die globale Armut ist das drängendste Problem, weil sich daraus viele andere Probleme ableiten.“

„Obama würde das Image der USA verbessern, denn er interessiert sich mehr für den Rest der Welt.“

„McCain würde mit seiner großen Erfahrung den bedachteren Weg auch für uns Europäer gehen.“

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1 Kommentare

strre on 13 Januar 2010 ,05:54

sollten sie diese seite nicht einmal aktualisieren????? wir haben schließlich bereits das jahr 2010

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