19. Februar 1977. Eingezwängt in den Kofferraum eines Fluchtfahrzeugs, versuchen Eva-Maria Neumann und ihr Mann Rudolf mit ihrer dreijährigen Tochter über die innerdeutsche Grenze nach Westdeutschland zu fliehen. Doch das Unternehmen schlägt fehl, sie werden entdeckt und verhaftet. Die Familie wird auseinandergerissen, und für die junge Geigerin Eva-Maria Neumann beginnt eine dramatische Odyssee durch verschiedene Gefängnisse der DDR. Doch trotz schrecklichster Haftbedingungen gibt sie die Hoffnung nicht auf …

Der Mercedes fährt wieder an. Ich bin grenzenlos erleichtert. Es ist geschafft! Nur, warum holt man uns nicht aus dem Kofferraum? Wieder tauchen meine dunklen Vorahnungen auf. Ich habe das Gefühl, der Fluchthelfer übt sich im Slalomfahren. Plötzlich hält er an, abrupt. Türen schlagen zu, Schritte entfernen sich. Erneut ist es still, geradezu unheimlich still.
Wir warten eine halbe Stunde, vielleicht auch länger. Schließlich vernehmen wir Schritte und einen Befehl, der nicht zu überhören ist: "Machense mah denn Gofferraum off!"
Der Fluchthelfer versucht es auf die ganz dumme Tour: "Ich kann den Schlüssel nicht finden." So ein Idiot, fällt ihm denn nichts Besseres ein?!
Noch immer hoffe ich auf ein Wunder. Vergeblich. Hunde nähern sich, springen auf den Kofferraum, kratzen, geifern, bellen. Kurz darauf wird der Kofferraum einen Spaltbreit geöffnet, seltsamerweise aber gleich wieder zugeschlagen.
Als die Klappe das nächste Mal aufgeht, bleibt sie oben.

"Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit" von Eva-Maria Neumann finden Sie in unserer Buchreihe "Im Spiegel der Zeit".

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