Keine Frage: Nach der Wende haben sich viele Künstler der ehemaligen DDR schwer getan, bundesweit Fuß zu fassen. Das gilt nicht für Frank Schöbel. Mehr als 300 Titel hat er geschrieben, rund 20 Alben aufgenommen, 14mal den ersten Platz in der DDR-Schlagerparade belegt. Hinzu kommen eigene Fernseh- und Radioshows. Eine Karriere, die inzwischen fast ein halbes Jahrhundert andauert.
Erst mal was Solides
Die musikalische Begabung wird Frank-Lothar, wie er mit vollem Namen heißt, in die Wiege gelegt. Seine Mutter Käthe Brinkmann-Schöbel gilt in der Leipziger Heimat als bekannte Opernsängerin und Gesangspädagogin. Trotzdem tritt der 1942 geborene Junge nicht, was vielleicht nahe liegen würde, in den berühmten Leipziger Thomanerchor ein, sondern erlernt erst einmal einen „handfesten“ Beruf: Er wird Mechaniker.
Beliebt bei jung und alt
Mit 20 nimmt man ihn das Erich-Weinert-Ensemble in Berlin auf, ein Künstlerensemble der Nationalen Volksarmee, benannt nach einem populären DDR-Schriftsteller. Jetzt nimmt die Karriere ihren Lauf. Dem blendend aussehenden Künstler gelingt es nicht nur, junge Leute, sondern auch viele reifere Semester für sich zu gewinnen. Bald ist er beliebter Gast im DDR-Fernsehen. Ein paar Hits aus dieser Zeit: „Looky-Looky“, „Blonder Stern“, „Party-Twist“, „Mädchen du bist schön“ oder „Sieh mal einer an“.
Ein neues Traumpaar
Frank Schöbel verhilft dem Schlager seines Landes auch zu internationalem Renommee. Er ersingt sich auf Festivals im In- und Ausland so manche Auszeichnung. 1967 komponiert er „Lieb mich so, wie dein Herz es mag“, einen Titel, den er zusammen mit Chris Doerk beim „Schlagerwettbewerb“ vorträgt. Mit diesem Ohrwurm landen beide auf Platz eins, gelten ab sofort als „Traumpaar“ – und treten alsbald auch wirklich vor den Traualtar. Gemeinsam ist das Duo auch auf der Leinwand zu bewundern: „Heißer Sommer“ und „Nicht schummeln, Liebling“ gelten bis heute als DDR-Kult-Filme. Für „Reise ins Ehebett“ und „Hochzeitsnacht im Regen“ steht Schöbel „solo“ erfolgreich vor der Kamera.
Auftritte im Westen
1971 landet der Star seinen vermutlich größten Erfolg: „Wie ein Stern“, eine über sechsminütige Hymne, die in beiden Teilen Deutschlands rund 600.000mal über den Ladentisch geht. Das hat nie zuvor und danach ein DDR-Schlager geschafft. Für den Interpreten selbst öffnet sich damit auch das Tor zum Westen. Musik aus Studio B, ZDF-Hitparade – all das ist für ihn möglich.
Extrem erfolgreiche Weihnachtsplatte
Als 1974 in der Bundesrepublik die Fußballweltmeisterschaft stattfindet, darf der Künstler anlässlich der WM-Eröffnungsfeier „Ja, der Fußball ist rund wie die Welt“ live im Frankfurter Waldstadion singen. 1975 überrascht er mit der Kinder-LP „Komm, wir malen eine Sonne“. In dieser Zeit heiratet er Aurora Lacasa, die ebenfalls zu den beliebtesten Interpreten in der DDR zählt. Aus dieser Ehe gehen die Töchter Dominique (heute ebenfalls erfolgreiche Sängerin) und Odette hervor. Die gemeinsam aufgenommene LP „Weihnachten in der Familie“ aus dem Jahr 1985 entwickelt sich zum meistverkauften DDR-Album aller Zeiten und wird weit über eineinhalb Millionen Mal abgesetzt.
Keine Lügen mehr …
1989, noch vor dem Mauerfall, unterzeichnet Frank Schöbel mit vielen anderen Künstlern eine Resolution für eine Demokratisierung der DDR-Gesellschaft. Kurz zuvor ist die Single „Wir brauchen keine Lügen mehr“ erschienen, deren Text von Bernd Meinunger stammt, einem der erfolgreichsten Schlagertexter der Bundesrepublik. Viel deutlicher kann ein Schlager nicht aussagen, was die Menschen im Lande damals denken.
Bei uns erhältlich: Frank Schöbel – Gold in Deinen Augen





