Der richtige Handwerker
„Ja, da kann ich Ihnen auch nicht helfen“ – wenn der Heizungsbauer mal wieder mit den Schultern zuckt, möchte Nina Ruge am liebsten in die Luft gehen. Eigentlich soll die Fußbodenheizung in ihrer Münchner Wohnung sich für jedes Zimmer separat einstellen lassen, doch: „Entweder sind alle Zimmer zu kalt, oder wir laufen auf glühenden Sohlen“, so die TV-Moderatorin. Auf Anraten des Installateurs hat sie bereits alle Heizventile austauschen lassen – geholfen hat das aber nichts.
Vor nachlässigen Handwerkern schützt offenbar nicht einmal Prominenz. Dabei herrscht an Handwerkern kein Mangel: Allein in Deutschland gibt es beispielsweise fast 52 000 Installateur- und Heizungsbauer- sowie je 42 000 Maler- und Tischlerbetriebe. Dort arbeiten zweifellos viele seriöse, zuverlässige und qualifizierte Männer und Frauen – die Frage ist bloß, wie man diese findet.
Erst vergleichen, dann beauftragen
„Am besten sind immer noch persönliche Empfehlungen“, erklärt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Fragen Sie also Freunde und Bekannte, Nachbarn oder Arbeitskollegen nach deren Erfahrungen. Bewertungsportale im Internet, in Deutschland zum Beispiel www.kennstdueinen.de oder auch www.bestes-handwerk.de (in Österreich www.meinbauprofi.at) helfen nur bedingt weiter, denn bisher sind erst wenige Betriebe aufgelistet.
Im Zweifelsfall bleibt nur der Blick ins Branchen- oder Telefonbuch. „Fragen Sie nach Referenzen, wenn Sie einen Betrieb kontaktieren“, rät Verbraucherschützer Hagen.
Als Nächstes holen Sie Kostenvoranschläge ein. Die Firmen, die Sie in Erwägung ziehen, sollten darin alle wichtigen Einzelposten wie Art und Umfang der auszuführenden Arbeiten, veranschlagte Arbeitszeit, Materialbedarf und Kosten, Mehrwertsteuer sowie anfallende Fahrt- und Nebenkosten aufführen und ein Datum nennen, bis zu dem dieses Angebot gilt. Sind die Preisunterschiede sehr groß, überprüfen Sie, ob tatsächlich alle Anbieter die gleichen Leistungen offerieren.
Kostenvoranschläge sind nicht in Stein gemeißelt
Oft stellt sich erst während der Arbeiten heraus, dass Material- oder Zeitaufwand höher ausfallen als im Kostenvoranschlag kalkuliert. Diesen Mehraufwand darf der Handwerker auf die Rechnung setzen. „Eine Differenz von 10 Prozent müssen Sie in Kauf nehmen“, so Michael Bier, Jurist bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Bei Mehrkosten von etwa 20 Prozent muss der Betrieb Sie informieren und Sie haben ein Kündigungsrecht. Einen Konkurrenten zu beauftragen ist jedoch nicht zwangsläufig billiger.
Wer sich diese Ungewissheit ersparen will, vereinbart ein konkretes Angebot, sprich: einen Festpreis. Den veranschlagen Handwerker allerdings gern etwas höher – schließlich wollen sie nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben. Außerdem ist Disziplin Ihrerseits gefragt: „Wenn Sie nachträglich Extrawünsche anmelden, ist das konkrete Angebot hinfällig“, warnt Bier.
Je aufwändiger Ihr Vorhaben ist, desto langfristiger sollten Sie planen. Bis mehrere Betriebe umfangreiche Angebote unterbreitet haben, können Wochen vergehen. Gute Handwerker haben zudem oft lange Wartelisten. Übrigens: In der Nebensaison kommen Sie schneller zum Zug und können oft bessere Preise aushandeln. Geben Sie also die neue Terrasse nicht im Frühjahr in Auftrag, sondern lieber im Herbst und die Küchenrenovierung nicht erst kurz vor Weihnachten.
Handwerker-Auktionen im Internet
Eine relativ neue Möglichkeit, sich günstige Preise zu sichern, sind Handwerker-Auktionen im Internet wie bei www.my-hammer.de beziehungsweise www.my-hammer.at, oder in Deutschland bei www.undertool.de und in der Alpenrepublik unter www.goldeneshandwerk.at.
Als Kunde schreiben Sie hier Ihren Auftrag aus und geben einen Maximalpreis vor. Interessierte Handwerker unterbreiten Ihnen daraufhin Angebote: „Auf diese Weise habe ich mehr als 300 Euro gespart“, freut sich Regina Kaut*. Die 59-jährige Berlinerin hat in ihrer Wohnung 45 Quadratmeter Laminat verlegen lassen. Das sollte ursprünglich 600 Euro kosten. Auf Anraten eines Bekannten stellte Kaut den Auftrag bei my-hammer ein und erhielt 13 Offerten – die günstigste für 290 Euro. Dieser Anbieter bekam den Zuschlag und schließlich auch eine positive Bewertung von Regina Kaut.
Die Bewertungen anderer Kunden können Ihnen als Orientierungshilfe dienen, allerdings gilt wie fast überall im Internet: Manipulationen mit gefälschten Benutzerkonten sind möglich. Ein persönlicher Vorstellungstermin ist deshalb immer sinnvoll.
Was tun, wenn’s Ärger gibt?
Eine größere Baustelle in den eigenen vier Wänden ist kein Zuckerschlecken. Klären Sie im Vorfeld unbedingt auch organisatorische Fragen: Wo können die Handwerker ihre Pausen verbringen? Welche Toilette können sie benutzen? Wo finden sie einen Wasseranschluss? Wohin mit Verpackungsmüll? So vermeiden Sie, dass Pinsel in der Badewanne ausgewaschen werden oder Ihre Mülltonne überquillt. Wasser, Kaffee oder ein Snack sind kleine Zeichen der Wertschätzung. Sie sichern Ihnen nicht nur mehr Einsatzbereitschaft, sondern bieten auch Gelegenheit, öfter mal nach dem Rechten zu schauen.
Denn auf keinen Fall sollten Sie Handwerker komplett sich selbst überlassen. Wenn Sie Termine haben oder zur Arbeit müssen, hinterlassen Sie Ihre Rufnummer, oder benennen Sie einen Ansprechpartner. Kontrollieren Sie stichprobenweise, ob die Handwerker pünktlich erscheinen, wie lange sie bleiben und ob sie die Baustelle zwischendurch verlassen. Halten Sie schriftlich fest, dass Sie auch bei kleinen Abweichungen vom Angebot oder bei Problemen sofort informiert werden möchten.
Bringen Sie Reklamationen so früh wie möglich schriftlich an, spätestens bevor Sie das fertige Werk abnehmen. Wesentliche Mängel sollten Sie auf keinen Fall akzeptieren, beispielsweise wenn Türen und Zargen nicht aus dem von Ihnen gewählten Holz sind oder der Maler zur falschen Farbe gegriffen hat. „Verweigern Sie in solchen Fällen die Abnahme, und fordern Sie den Handwerker auf, den benannten Mangel binnen einer angemessenen Frist zu beseitigen“, rät Experte Alexander Taubitz, Rechtsanwalt aus Bergisch Gladbach. Die Chance zum Nachbessern müssen Sie einräumen, und zahlen Sie erst nach erfolgreicher Erledigung der Arbeit.
Anders bei einem unwesentlichen Mangel: Wenn die Maler beispielsweise auf dem Parkett einen Farbklecks hinterlassen haben oder der Fliesenleger in der Ecke ein Stück Fußleiste vergessen hat. „In diesem Fall müssen Sie das Werk abnehmen und bezahlen, allerdings dürfen Sie einen Teilbetrag einbehalten, bis der Mangel behoben ist“, so Taubitz. Angemessen ist etwa das Doppelte des Betrages, der zur Mängelbeseitigung erforderlich wäre.
Entdecken Sie einen Mangel erst später, haftet der Handwerker noch zwei Jahre für seine Arbeit. Diese Gewährleistungsfrist kann aber in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf ein Jahr verkürzt werden. Achten Sie also auf das Kleingedruckte. Bei Bauarbeiten gilt sogar eine Gewährleistung von fünf Jahren. Allerdings liegt im Streitfall die Beweislast bei Ihnen, und ein Prozess kann teuer werden. Wer mit der Arbeit eines Fachbetriebs nicht zufrieden ist, sollte sich deshalb zunächst an die Beschwerdestelle der örtlichen Handwerkskammer wenden. Juristen wie Michael Bier bemühen sich dort kostenlos um eine einvernehmliche Lösung.
Auch Nina Ruge hat mittlerweile den richtigen Handwerker gefunden: Auf Anraten einer neuen Heizungsfirma hat sie sich entschlossen, eine energiesparende Heizungsanlage einbauen zu lassen.
* Name von der Redaktion geändert
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