Im Kindesalter starten!
Bewegung ist von klein auf wichtig - Tipps zu Kindersport, Schultasche und Pausenbrot
By HEIKE DRECHSLERJetzt ist es wieder so weit: Die Schule beginnt. Deshalb habe ich diesmal Tipps zusammengestellt, die den Erwachsenen bei der Sorge um die Kleinen helfen sollen.
Wissen Sie noch, wie es war, als Sie in die Schule gekommen sind? Die große Zuckertüte, der neue Schulranzen, der Weg in die Schule und zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen. An meine Jugend erinnere ich mich sehr gern. Der Schulweg war nicht zu lang, allerdings musste ich zum Training kilometerweit laufen. Meine Mutti hatte kein Auto, so bekam ich zwar immer Geld für die Straßenbahn, aber davon kaufte ich mir lieber Eis.
Der Sport hatte in unserer Schule einen hohen Stellenwert. Jedes Talent wurde gezielt angesprochen und über die Schule in einen Verein geschickt. So wurde ich auch entdeckt und dann weiter gefördert. Leider reichen die heutigen Schulsportstunden bei Weitem nicht mehr aus, um eine gesunde Entwicklung der Kinder zu gewährleisten. Hier sind die Eltern am allermeisten gefragt: Seien Sie Ihnen ein sportliches Vorbild!
Achten Sie genau darauf, dass die Grundfertigkeiten Laufen, Werfen und Springen in Form von Spielen erlernt werden. Das sind die Basiselemente für fast alle Sportarten. Machen Sie ab und zu einen sportlichen Erlebnistag mit Ihren Kindern: Fahren Sie Rad, schwimmen oder wandern Sie. Bevor ich Ihnen Tipps zum Sport für Kinder gebe, möchte ich noch auf zwei Dinge hinweisen, die im Alltag oft untergehen. Dabei sind sie so wichtig: der Schulranzen und das Pausenbrot.
Die richtige Schultasche
Eine zu schwere Schultasche kann zu bleibenden Veränderungen der Wirbelsäule führen. Eltern sollten daher den Inhalt regelmäßig prüfen: Was für den Schultag nicht gebraucht wird, bleibt zu Hause. Die gefüllte Schultasche sollte nicht schwerer sein als 10 Prozent vom Körpergewicht des Kindes. Darauf sollten Sie unbedingt achten:
- Wählen Sie einen Ranzen, der robust, reiß- und wasserfest ist.
- Achten Sie auf eine körpergerechte Form mit einem atmungsaktiven Rückenteil.
- Lassen Sie das Kind den Ranzen probieren. Er sollte nicht breiter als die Schultern des Kindes sein, die obere Kante sollte sich etwa auf Schulterhöhe des Kindes befinden.
- Testen Sie die Gurte: Diese sollten mindestens vier Zentimeter breit, nicht zu lang, leicht verstellbar und gut gepolstert sein.
- Außerdem darf der Schulranzen nicht zu tief sitzen. Sonst entstehen Druckstellen im Lendenwirbelbereich.
- Damit die Kinder im Verkehr rechtzeitig gesehen werden, müssen die Schulranzen mit Reflektoren ausgestattet sein.
Das richtige Pausenbrot
Liebe Eltern, geben Sie Ihren Kindern eine vitamin- und vollkornreiche Kost mit in die Schule.
- Kohlenhydratreiche Lebensmittel erhöhen die Konzentrationsfähigkeit. Vollkornbrot hebt den Blutzucker sehr langsam, aber dafür kontinuierlich an. So wird das Gehirn ausreichend mit energieliefernder Glucose (Zucker) versorgt.
- Wählen Sie Misch- oder Vollkornbrote, und belegen Sie diese mit mageren Käse- oder Wurstsorten.
- Tomaten- oder Gurkenscheiben sind nicht nur gesund, sie werten das Pausenbrot auch optisch auf.
- Geeignet sind ebenfalls viele Obstund Gemüsesorten, wie Bananen, Äpfel oder Karotten.
- Lassen Sie Zuckerprodukte weg.
- Auch Getränke mit einem hohen Zuckergehalt sind nur kurze Energiespender. Ideale Durstlöscher sind Leitungs- oder Mineralwasser sowie Kräuter- und Früchtetee ohne Zuckerzusatz..
- Insbesondere sind Milch oder Milchprodukte (Buttermilch, Kefir) zu empfehlen, um den Kalziumbedarf des Kindes zu decken.
Die richtige Bewegung
Jeden Tag draußen herumzutoben – das ist für viele Kinder heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Studien belegen aber eindeutig, Kinder brauchen täglich Bewegung, damit sie sich gesund entwickeln.
Machen Sie unseren Kinderturn- Test, so können Sie auf einfachem Weg die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren beurteilen. Der Test wird in Vereinen des Deutschen Turner-Bundes DTB, in Kindergärten und Schulen durchgeführt. Die Auswertung erfolgt individuell nach Alter und Geschlecht. Auf dieser Basis erhalten Kinder und Eltern Handlungsempfehlungen zur Ernährung und Bewegung.
Zu Hause können Sie den Test mit Ihren Kindern üben. Die sieben Aufgaben erfassen Koordination, Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer. Sie geben Auskunft über die motorischen Stärken und Schwächen von Kindern.
>Koordination
1. Stehen im Einbeinstand: Eine Minute auf einem Bein stehen und das Gleichgewicht halten. Das Spielbein wird im Knie gebeugt und mit der Hand auf der gleichen Seite zum Gesäß gezogen. Mit dem anderen Arm sind Ausgleichsbewegungen erlaubt.
2. Rückwärts balancieren: In jeweils zwei gültigen Versuchen rückwärts über eine umgedrehte Langbank oder einen niedrigen Balken balancieren, ohne abzusteigen. Dabei werden die Schritte gezählt.
3. Seitliches Hin-und-her-Springen: Innerhalb von 15 Sekunden mit beiden Beinen gleichzeitig so schnell wie möglich seitlich über eine Linie hin und her springen.
>Beweglichkeit 4. Rumpfbeugen:
Ohne Schuhe den Oberkörper langsam nach vorn beugen. Die Hände werden parallel möglichst weit nach unten geführt. Die Beine sind parallel gestreckt. Die maximale Dehnposition zwei Sekunden halten.
>Kraft 5. Standweitsprung: Aus dem parallelen Stand und mit gebeugten Knien von der Absprunglinie möglichst weit springen. Absprung und Landung erfolgen mit beiden Füßen. 6. Liegestütz: In 40 Sekunden möglichst viele Liegestütze machen.
> Ausdauer 7. Sechs-Minuten-Lauf: Ein Volleyballfeld in sechs Minuten möglichst oft umlaufen. (Die Aufgabe ist erst für Kinder ab sechs Jahren geeignet.)
Folgen von Bewegungsarmut Die Natur hat Kinder nicht umsonst mit einer gehörigen Portion Neugierde und einem ausgeprägten Bewegungs- und Spieltrieb ausgestattet. Eltern können diesen natürlichen Drang noch unterstützen: Es gilt, Kinder alles anfassen, fühlen, riechen, hören und sehen zu lassen, was sie zur Bewältigung ihres Alltags verstehen müssen. Manchmal hindern die Lebensbedingungen Kinder daran, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben. Stadtkinder finden kaum noch Orte, wo sie sich gefahrlos aufhalten können. Vor Computern oder Fernsehern zu sitzen tritt häufig an die Stelle des Bewegungsspiels. Bewegungsarmut kann negative Folgen für die Entwicklung der Kinder haben und bewirken, dass sie…
- beim Schreiben und Malen über den Rand ihrer Hefte geraten,
- keine Linie halten können,
- weder rückwärts gehen noch balancieren können,
- Schwierigkeiten haben, eine Rolle vorwärts zu machen,
- sich beim Fallen nicht richtig mit den Händen abstützen können,
- stärker unfallgefährdet sind,
- Übergewicht entwickeln,
- Haltungsfehler aufweisen,
- Kopf- und Rückenschmerzen haben,
- Lern- und Verhaltensstörungen zeigen.
Eltern können maßgeblich dazu beitragen, dass unsere Kinder einen gesunden Start ins Leben schaffen.
Im September sind Sie wieder dran. Ich erkläre Ihnen Nordic Walking, das sehr geeignet ist, wenn Sie wieder regelmäßig Sport treiben wollen.
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