Lolita – Erinnerungen an eine Schlagerkönigin

 
Sie starb am 30. Juni, ein halbes Jahr vor ihrem 80. Geburtstag, den sie im Januar 2011 hätte feiern können. Doch sie wird uns als Interpretin unzähliger Evergreens für immer unvergesslich bleiben: Lolita. „Die schönsten Lieder übers Meer stammen von Landratten“, hat einmal jemand gesagt. Und es stimmt: Was Freddy Quinn bei den Männern, war Lolita bei den Frauen. Auch sie stammte – wie er – aus Österreich, auch sie besang mit Vorliebe die raue See, auch sie wurde mit Liedern über Meere und Matrosen zum Idol.
 
Sehnsucht nach fremden Gestaden
 
Sie wurde von allen nur „Ditta“ genannt: Edith Zuser 1931 in Sankt Pölten als Tochter eines Beamten geboren. Nach der Handelsschule arbeitete sie zunächst als Diplom-Kindergärtnerin und Zahnarztassistentin, doch eines wusste sie schon immer: „Ich werd’ mal Sängerin.“ So sorgte sie in ihrem Heimatort schon als Teenager mit diversen Auftritten für Aufsehen. 1956 vertrat sie während eines Unterhaltungsabends im heimischen Kurhotel den kurzfristig erkrankten Gerhard Wendland so professionell und charmant, dass sie das Landesstudio Linz des Österreichischen Rundfunks zu Probeaufnahmen einlud.
25 Lenze zählte Lolita zu diesem Zeitpunkt und mit „Der weiße Mond von Maratonga“ startete sie im Jahr 1957 ihre beispiellose Karriere. Der Titel kam auf Platz 1 der österreichischen Verkaufslisten und auf den zweiten Platz der deutschen Hitparade – nicht übel für eine Debütantin. Mit „Weißer Holunder“ sang sie die Titelmelodie eines erfolgreichen Heimatfilms. In dem war sie auch erstmals in einer kleinen Rolle neben Stars wie Hubert von Meyerinck oder Ursula Herking als Schauspielerin zu bewundern. 15 weitere Kinoauftritte sollten folgen.
 
Der Welterfolg vom Seemann
 
Ihr größter Erfolg überhaupt war 1960 ein Schlager, der heute zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Hits des 20. Jahrhunderts zählt. „Seemann, deine Heimat ist das Meer“, schaffte es nicht nur in Deutschland und Österreich nach ganz oben in den Verkaufsranglisten, sondern auch in den Vereinigten Staaten und in Japan. Über zwei Millionen Mal ging dieser Evergreen über den Ladentisch – ein für damalige Verhältnisse beispielloser Erfolg. In der Folgezeit blieb Lolita zunächst den Liedern von Fernweh und Sehnsucht treu. „Blaue Nacht am Hafen“, „Am Strand von Mindanao“ oder auch „Lieber Jonny, komm doch wieder“ waren Titel, die sie mit ihrer ungemein warmen, weichen und melodischen Stimme zu Hits machte.
 
Lieder von der Heimat
 
Ab Mitte der 1960er Jahre besann sich Lolita dann zunehmend auf ihre heimatlichen Wurzeln und wandte sich den volkstümlichen Klängen zu. Mit „Weißer Holunder“ hatte sie ihre Karriere einst angeschoben – nun besang sie das „Edelweiß“, gestand ihre „Sehnsucht nach den Bergen“ und bewies im „Sterzinger Jodler“, dass sie auch die traditionellen Sangeskünste ihrer Heimat ausgezeichnet beherrschte.
Als echtes Allroundtalent erhielt sie das Angebot, für den Saarländischen Rundfunk als Fernsehmoderatorin zu arbeiten. Über 50 Mal präsentierte sie ab 1967 „Im Krug zum Grünen Kranze“ und gewann einen Bekanntheitsgrad innerhalb der volkstümlichen Musikszene, wie ihn nur wenige erreichten. In den 70er-Jahren fand dann ein Wechsel zum ZDF statt: Zusammen mit dem beliebten bayerischen Volksschauspieler Maxl Graf präsentierte sie die „Lustigen Musikanten“, erhielt 1976 die Hermann-Löns-Medaille und blieb auf dem hart umkämpften Schallplattenmarkt weiterhin überaus erfolgreich. Eine weitere Spezialität von ihr waren Wiener Lieder, denen sie eine ganz eigene Note gab. Über 20 Millionen Tonträger hat sie im Laufe ihrer langen Karriere verkauft – und ein Indiz dafür, dass diese Ausnahmekünstlerin für immer in den Herzen ihrer Fans sein wird.
 
Bei uns erhältlich: Lolita – Weißer Holunder