Musik & Fussball - nicht nur zu Zeiten der Weltmeisterschaft

Keine Frage: Spätestens mit der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft in Südafrika hat die lautstarke Unterstützung der Kicker durch ihre Fans eine neue Dimension erhalten. Das Stichwort lautet „Vuvuzela“. Dieses Blasinstrument und Symbol des südafrikanischen Fußballs hat die Gemüter allerdings entzweit. Während die einen an aggressive Angriffe durch Hornissenschwärme erinnert werden, begeistern sich die anderen an der Phonstärke dieses Plastikinstruments. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Vuvuzela etwa so laut ist wie eine Kettensäge. Darüber hinaus haben wir bis jetzt noch keinen Fußballsong gefunden, der mit dieser Tröte begleitet wird.

 

Ansonsten bieten wir Ihnen, passend zur Weltmeisterschaft, eine musikalische Sammlung, die nahezu alles enthält, was das musikalische Fußballerherz begehrt. Die Geschichte der Fangesänge in den Fußballstadien beginnt – wie die Wiege des modernen Fußballs überhaupt – in England. Eines schönen Spieltages, es dürfte um 1964 gewesen sein, fiel im Stadion an der legendären Anfield Road, der Heimat des populären FC Liverpool, die Verstärkeranlage aus, aus der ansonsten während der Halbzeitpause die gängigen Hits dudelten. Just in diesem Augenblick lief „You’ll Never Walk Alone“, seinerzeit ein Nummer-1-Hit der Lokalmatadoren „Gerry & The Pacemakers“. Liverpool galt in den frühen Sechzigern sowohl als Fußball-Mekka als auch als Geburtstort der Beatmusik: Man denke nur an die Beatles!
Doch die Stille im Stadion nach dem Stromausfall währte nur Sekunden. Denn die Fans des FC übernahmen einfach den Part der Musikanlage. Dies war die Geburtsstunde des berühmtesten aller Fußball-Songs, und auch vier Jahrzehnte später wird kaum ein Titel in den Stadien auf der ganzen Welt häufiger intoniert als „You’ll Never Walk Alone“. Der Titel, der ursprünglich aus dem Broadway-Musical „Carousel“ stammt, ist als vermutlich einziges Musikstück der Welt in ein Vereinswappen integriert ist – logischerweise in das des FC Liverpool.
 
Ins Stadion zu gehen, ist heute weit mehr, als „nur“ ein Fußballspiel anzuschauen. Der „richtige“ Song für die eigene Mannschaft gilt als unverzichtbares Muss. Wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens lässt sich auch auf den Zuschauerrängen mit einem Lied unendlich viel ausdrücken. Die Freude über den Sieg, die Zufriedenheit mit der Überlegenheit über die gegnerische Mannschaft, die Hoffnung darauf, dass ein Rückstand umgewandelt werden kann, Schadenfreude mit dem unterlegenen Gegner, ja selbst Trauer über ein verlorenes Match – das sind nur einige der Gefühle, die sich durch Schlachtgesänge untermalen lassen.
 
Oft haben die Anhänger den einzelnen Melodien ganz vereinsspezifische Texte gegeben. Der Erfindungsreichtum der Fans in diesen Dingen ist wirklich unglaublich. Der Witz, die Ironie, die Eingängigkeit solcher Texte müssten so manchen professionellen Songschreiber vor Neid erblassen lassen. Fußballfans, so scheint es, ist nichts heilig. Ihre musikalischen Vorbilder kommen aus nahezu allen Bereichen der Musik: Schlager, Pop, Rock, volkstümliche Musik, aber auch Oper und Klassik. Genau betrachtet, ist das nicht einmal ein Zufall, Denn ein Fußballspiel ist selbst eine Inszenierung, ein Theaterstück, ein Schauspiel, ein Drama – mit dem großen Unterschied, dass im Stadion keiner wissen kann, wie es am Ende ausgeht. Interessanterweise dauert ein Match mit 90 Minuten in etwa so lang wie ein durchschnittlicher Kinofilm, ein Konzert oder Theaterstück. Und wenn dann noch Verlängerung und gar Elfmeterschießen hinzukommen, dann sind wir durchaus mal bei drei Stunden. Wagner lässt grüßen.
Das alles will musikalisch begleitet sein – vom Einzug der Helden bis zum großen Finale. Denn wie langweilig wäre es, würde ein Fußballspiel schweigend begleitet! Und nicht selten ist das Spektakel der Zuschauer dem auf dem Rasen weit überlegen. Sollte wirklich jemandem eine Anregung fehlen: Wir empfehlen unsere Zusammenstellung!
 

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