Zu Beginn dieses Jahres war ich im Regenwald des Amazonasbeckens, einem der großen Naturwunder der Erde. Dieses ausgedehnte Ökosystem mit seinem komplexen Zusammenspiel von Pflanzen, Erdboden, Luft, Wasser, Tieren und Menschen ist einer der Garanten dafür, dass weiterhin Leben auf unserem Planeten möglich ist. Mehr als die Hälfte aller Lebewesen der Erde leben im Regenwald. Doch obwohl wir immer klarer erkennen, wie wichtig diese Wälder mit ihrer erstaunlichen Artenvielfalt für das ökologische Gleichgewicht sind, geht das Abholzen, Roden und Brandroden weiter.

In normalen Jahren absorbiert der Regenwald im Amazonasbecken pro Jahr fast zwei Milliarden Tonnen CO2, und die Regenwälder der ganzen Erde nehmen 15 Prozent des vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes auf. Damit stehen sie in der Liste der Kohlendioxidfänger an zweiter Stelle nach den Weltmeeren.
Jeden Tag verdunsten dort Milliarden Tonnen Wasser, die zu Regenwolken werden und so der Landwirtschaft auch in Regionen zugute kommen, die Tausende von Kilometern entfernt sind –etwa in den USA oder Australien. Ohne diesen Regen kann unsere schnell wachsende Weltbevölkerung nicht mit Nahrung und Wasser versorgt werden.

Die Regenwälder sind die Lebensgrundlage für Millionen Menschen, darunter viele Ureinwohner, die seit Tausenden von Jahren in Harmonie mit ihrer Umwelt leben. Diesen und anderen Gemeinschaften sind die Wälder Lebensgrundlage – und je mehr Wälder abgeholzt werden, desto schwieriger wird es, ihnen einen Weg aus der Armut zu zeigen und eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten.
Trotz vieler Versuche, die Abholzung einzudämmen, werden diese bedeutenden Ökosysteme weiter dem Erdboden gleichgemacht, und zwar jedes Jahr in einem Umfang, der dreimal der Fläche von Wales entspricht. Behält man dieses Tempo bei, ist in wenigen Jahrzehnten der Großteil der verbliebenen Wälder verschwunden.
Schuld an der Zerstörung sind zum großen Teil weltweite ökonomische Zwänge. Mit dem Anwachsen der Weltbevölkerung und zunehmendem Wohlstand ist auch der Bedarf an natürlichen Ressourcen gestiegen. Was das bedeutet, sieht man daran, dass Wälder abgeholzt werden, um in Südamerika Rindfleisch und Sojabohnen zu produzieren. Die Nachfrage nach Holz hat direkten Einfluss auf sämtliche Regenwälder im Tropengürtel der Erde. Auch die Erschließung neuer Gebiete für Plantagen und Bergbau führt zur Verwüstung von Regenwäldern. Immer jedoch liegt der Entscheidung ein starker wirtschaftlicher Impuls zugrunde.

Ich habe mein Regenwald-Projekt (www.princesrainforestsproject.org) aus der Überzeugung heraus ins Leben gerufen, dass die Lösung für das Problem nur in einer wirtschaftlichen Entwicklung der betroffenen Gebiete liegen kann. Bei allen Maßnahmen zur Rettung der Regenwäldermuss es darum gehen, den Lebensstandard derer zu verbessern, die von ihnen abhängig sind. Das Projekt hat sich drei Hauptziele gesteckt: Herauszufinden, was der Schutz des Regenwalds die jeweiligen Staaten kostet. Festzustellen, wie ihnen diese Kosten auf faire Weise erstattet werden können. Und Wege zu finden, wie man das Geld aufbringen kann.
Das Projekt arbeitet aber auch an der Lösung von konkreten Problemen. So wurde etwa untersucht, wie sich – statt neuen Regenwald abzuholzen – große, bereits gerodete Gebiete der Landwirtschaft zuführen lassen. In Indonesien sind bereits rund 45 Millionen Hektar Regenwaldfläche verloren und in Brasilien sogar 60 Millionen. Es wurden auch Gespräche mit Personen und Organisationen geführt, die geschäftliche Interessen im Regenwald verfolgen. Experten erkunden derzeit in Südamerika, Zentralafrika und Südostasien die Lage vor Ort und diskutieren Lösungsansätze.
Wie unterschiedlich die erforderlichen Maßnahmen auch sind, ein zentraler Aspekt muss sein, den Regenwaldstaaten genügend Mittel zur Verfügung zu stellen, um sie in geeignete Technologien, Verwaltung und nachhaltige Entwicklung zu investieren. Nur so können sie die Zerstörung aufhalten. Bedenkt man, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel wesentlich eine Folge des technologischen Fortschritts der Industriestaaten ist, müssen auch in erster Linie diese Staaten das nötige Geld aufbringen.

Unter ökonomischen Aspekten ist eine deutliche Reduzierung der Regenwaldzerstörung auch in der aktuellen Rezession sinnvoll. Hält man sich den enormen Nutzen vor Augen, sind Kosten in Höhe von geschätzt rund acht bis elf Milliarden Euro pro Jahr nur ein kleiner Betrag.
Wir müssen dieses Geld sofort aufbringen, damit in nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung investiert werden kann, bevor noch mehr Wald gerodet wird. Eine Möglichkeit, diese Gelder schnell aufzutreiben, wäre eine von den Regierungen der Industrienationen gezeichnete Anleihe. Diese Anlage könnte für viele zum Beispiel als Rentenversicherung attraktiv sein. Sie würde die Mittel für die industrielle Entwicklung der Regenwaldländer bei gleichzeitiger Minimierung des CO2-Ausstoßes einbringen, während die ganze Welt von intakten Wäldern profitiert.
Doch selbst wenn wir noch in diesem Jahr ein weltweites Abkommen unterzeichnen, würde es Jahre dauern, bis neue Gelder verfügbar wären. Und bis dahin ginge noch mehr Wald verloren. Deshalb muss unbedingt jetzt schon ein Abkommen für einen Notfallplan beschlossen werden.

Ich hoffe, dass ich Sie überzeugen konnte, sich der Bewegung zur Rettung der Regenwälder anzuschließen. Unsere Erfolgsaussichten sind gut – aber nur, wenn möglichst viele Menschen mitmachen. Nur massiver weltweiter Druck wird die Verantwortlichen dazu bewegen, die so dringend nötigen Entscheidungen zu fällen. Es würde mir schwer fallen, meinen – oder Ihren – Kindern und Enkelkindern ins Auge zu blicken und gestehen zu müssen, dass ich nichts getan habe, als ich die Möglichkeit dazu hatte.
 

 

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3 von 4 Kommentare

kattnig Johann on 13 Dezember 2010 ,19:17

Zum Regenwald: die Menschen machen die ganze Welt langsam kaputt. Man sieht schon die ganzen Naturkatastrophen und es wird immer mehr!!!!!!!!!!!!!!!!!

horst brokate on 21 Oktober 2010 ,14:16

Sehr geehrte Damen und Herren, mit Ihnen möchte ich kämpfen den Regenwald unbedingt zu erhalten schon alleine wegen dem empfindlichen Klima auf der Erde und die seltenen Affen die den Regenwalt bevölkern. Es lohnte sich dafür zu kämpfern hätte ich die Gelegenheit dazu. Horst Brokate

winfried on 22 Mai 2010 ,17:38

ich glaube, wenn wir den MonaVie- saft trinken, der auch die ACAI-Beere aus dem amazonas regenwald enthält, können wir dazu beitragen, dass dort nicht mehr so viel primärwald abgeholzt wird. denn die menschen werden erkennen, dass die vielfalt wichtiger ist als biosprit oder soya-eiweiß, dass an vieh verfüttert wird.

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