Schön & bequem
Im Lauf unseres Lebens umrunden wir mehrmals den Äquator – zu Fuß. Darum: Augen auf beim Schuhkauf!
By KIRSTIN VON ELM
„Schuhe sind gefährlich“, sagt Europas führender Schuhwissenschaftler Petr Hlavácek, Professor für Fußbekleidungstechnik an der Tomas Bata Universität in Zlín. Die tschechische Hochschule ist benannt nach dem Gründer des Schuhkonzerns Bata, der hier 1894 die Produktion aufnahm. „Eigentlich stören sie beim Laufen eher: Steife, dicke Sohlen beeinträchtigen das Gleichgewicht und die natürliche Federung der Füße. Hohe Absätze oder elegante Spitzen deformieren Knochen, Muskeln und Sehnen. Luftdichte Materialien lassen Bakterien und Pilze gedeihen.“
Andererseits: Ohne Schuhe läuft gar nichts. Barfuß ins Büro, zum Einkaufen oder in die Schule zu gehen mag zwar gesünder sein – ist in unseren Breiten aber kaum möglich. Nicht nur des Wetters wegen gehört Fuß-bekleidung zum kompletten Outfit. Schuhe sind eben auch Stilmittel und Statussymbol. Wer richtig auswählt, schadet auch seinen Füßen nicht. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Einkauf achten müssen:
Die richtige Größe
Natürlich sollen Ihnen Ihre neuen Schuhe gefallen – doch wichtiger ist der Tragekomfort. Damit Ihre Zehen ausreichend Platz haben, sollte vorne im Schuh mindestens ein Daumen breit Luft sein. Verlassen Sie sich nicht auf die Schuhgröße. Abgesehen davon, dass es bis heute kein einheitliches Messsystem gibt, verändert sich die Größe unserer Füße meist im Laufe des Erwachsenenlebens: „Mit zunehmendem Alter werden die Füße breiter“, erklärt Dr. Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Fußchirurgie am Kieler Lubinus Clinicum.
Empfehlenswert sind deshalb gerade Modelle, die in unterschiedlichen Breiten angeboten werden. Besseren Halt als in Pumps oder Slippern haben Sie in Schnür- oder Klettschuhen mit regulierbarer Spannweite.
Kaufen Sie Schuhe am besten nachmittags. Dann sind die Füße etwas breiter als morgens. Laufen Sie ein neues Paar erst stundenweise zu Hause ein, bevor Sie damit den ganzen Tag ins Büro gehen oder sich ins Nachtleben stürzen. Andernfalls riskieren Sie Druckstellen und Blasen.
Der optimale Absatz
Vor allem, wenn Sie Ihre Schuhe den ganzen Tag tragen, achten Sie darauf, dass die Absätze maximal 1,5 bis 2 Zentimeter hoch sind. „Höhere Absätze beeinträchtigen die Standfestigkeit und belasten die Wirbelsäule, denn das Gewicht verlagert sich vom Mittelfuß auf den Ballen“, erklärt Dr. Ulrike Roth, Arbeitsmedizinerin beim TÜV Rheinland. Wer permanent auf hohen Hacken unterwegs ist, riskiert zudem eine Verkürzung der Wadenmuskulatur. „Dann können Sie irgendwann in flachen Schuhen gar nicht mehr gehen“, warnt Fußchirurg Thomas Fischer.
Nur gelegentlich High Heels zu tragen ist dagegen unbedenklich. Verwenden Sie Einlagen, die den Druck auf den Ballen etwas abmildern. Gehen Sie zum Ausgleich möglichst oft barfuß, und machen Sie öfter Fußgymnastik, zum Beispiel, indem Sie mit den Zehen kleine Gegenstände wie Papier- oder Stoffschnipsel greifen.
Die gedämpfte Sohle
Wer viel steht, läuft oder hebt, sollte gut gedämpfte Schuhe wählen. „Die optimale Sohle verhält sich wie ein fester Sandboden, in dem der Fuß bei jedem Tritt einen schwachen Abdruck hinterlässt“, erklärt Dr. Fischer. Eine Anforderung, die gute Sport- und Wanderschuhe zwar erfüllen – elegante Herrenschuhe oder Pumps mit dünner Sohle dagegen selten. Nur wenige Markenhersteller bieten bisher Damenschuhe mit einer Art eingebautem Stoßdämpfer im Absatz an. Mit Einlagen, beispielsweise aus Kork mit Lederbezug, können Sie die Dämpfung von Schuhen mit dünner Sohle verbessern.
Schuhe, mit denen Sie draußen unterwegs sind, sollten ein gutes Profil aufweisen, damit Sie bei Nässe nicht ausrutschen. Probieren Sie im Geschäft auch aus, wie biegsam die Sohle ist: Ihr Fuß sollte beim Gehen möglichst natürlich abrollen.
Das anatomische Fußbett
Ein gut geformtes Fußbett kann den Fuß stützen und sein Gewölbe entlasten – vorausgesetzt, es passt zu Ihrem Fuß. Wenn sich der Schuh bereits im Geschäft unbequem anfühlt, ist ein vorgeformtes Fußbett dagegen eher von Nachteil und kann bei längerem Tragen zu Beschwerden führen. „Wenn Sie bereits Probleme haben, verwenden Sie unbedingt maßgefertigte orthopädische Einlagen“, rät Fischer.
Das atmungsaktive Material
Schuhe sind die einzigen Kleidungsstücke, die praktisch nie gewaschen werden. „Wer seine Schuhe den ganzen Tag trägt, sollte deshalb darauf achten, dass die Füße darin nicht übermäßig schwitzen“, empfiehlt Dr. Roth vom TÜV Rheinland. Verzichten Sie also auf Kunstleder oder luftundurchlässiges Plastik. Lederschuhe kosten zwar mehr, ersparen Ihnen aber Fußpilz und Schweißgeruch.
Auch atmungsaktive Hightech-Fasern oder Netzgewebe sind gut für das Schuhklima. Anstelle von Baumwolle empfiehlt die Arbeitsmedizinerin vor allem im Sommer Socken aus funktionellem Gewebe wie Mikrofaser. Tragen Sie Ihre Schuhe nicht länger als zwei Tage am Stück, und gönnen Sie ihnen mehrere Tage Pause zum gründlichen Auslüften – mindestens aber 24 Stunden.
Der angemessene Preis
So manches Schnäppchen kann sich als teurer Fehlkauf entpuppen, wenn der Schuh schlecht verarbeitet ist. Billigschuhe sind in der Regel geklebt, wesentlich haltbarer sind genähte Schuhe. Auch qualitativ minderwertige Reißverschlüsse oder dünne Klettriemen erweisen sich immer wieder als notorische Sollbruchstellen.
Ärgerlich ist es auch, wenn ein Lederschuh kräftig abfärbt. Billige Importware kann zudem mit Schadstoffen belastet sein. Von Schuhen, die intensiv nach Chemie riechen, lassen Sie daher besser die Finger.
„FallsIhnen Mängel wie Geruch oder Abfärben erst zu Hause auffallen, dürfen Sie die Schuhe in den ersten sechs Monaten ab Kaufdatum reklamieren“, erklärt Petra von Rhein, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale in München. Während dieser Frist muss im Zweifelsfall der Händler beweisen, dass der Schuh keine Mängel aufweist. Bewahren Sie deshalb unbedingt den Kassenbon auf.
Wer Geld sparen möchte, nutzt statt Billigware lieber Sonderverkaufsaktionen und Schlussverkäufe. Auch im Internet gibt es Markenschuhe oft besonders günstig. Für online oder per Katalog bestellte Ware gilt in der Regel ein 14-tägiges Umtauschrecht, falls der Schuh nicht passt oder nicht gefällt. Achten Sie auf die Versandkosten.
Die richtigen Schuhe auszuwählen erfordert Erfahrung – gehen Sie ruhig öfter mal üben. Eine größere Auswahl an passenden Schuhen bringt nicht nur Ihre Garderobe auf Vordermann, die Abwechslung tut auch Ihren Füßen gut.
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1 Kommentare |
| Schmid on 20 April 2010 ,11:39 Hallo. Jch würte sagen Schuhe mit einlage sint besser las ohne. |
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