Fast jede Minute erhält in Deutschland ein Patient die Diagnose: Krebs. Das sind rund 450 000 Betroffene allein in diesem Jahr. So hat es das Robert-Koch-Institut in Berlin errechnet. Doch ist die gefürchtete Erkrankung immer unausweichliches Schicksal? Laut einer Umfrage des American Institute for Cancer Research, des amerikanischen Instituts für Krebsforschung, wissen 80 Prozent der Menschen nicht, dass Krebs eine Krankheit ist, der man wirksam vorbeugen kann. Dabei hat der World Cancer Research Fund International – eine global tätige Krebsforschungsstiftung – nach einer Auswertung von 700 Studien festgestellt, dass sich durch eine einfache Änderung von Lebensstil-Faktoren das Krebsrisiko um mindestens ein Drittel senken lässt! Wissen kann also Leben retten. Wie gut kennen Sie sich mit Krebsvorbeugung aus? Machen Sie den Test.

1. Täglich zwei Glas Rotwein schützen Männer vor Krebs. Bei Frauen genügt ein Glas.

FALSCH. Keine Studie belegt, dass der Genuss von Rotwein tatsächlich das Krebsrisiko senkt. Nur in Zell- und Tierversuchen zeigte sich bisher ein krebshemmender Effekt. Vielmehr gilt regelmäßiger Alkoholkonsum als Risikofaktor: Schon ein Glas und mehr pro Tag erhöht das Darmkrebsrisiko um 60 Prozent. Da die negativen Auswirkungen des Alkohols die positiven Effekte des Rotweins überwiegen, raten internationale Forscher und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vom regelmäßigen Weinkonsum ab.

2. Vegetarier erkranken seltener als Fleischesser an Darmkrebs.

FALSCH. Rechnet man alle Krebsarten zusammen, erkranken Vegetarier tatsächlich etwas seltener als Fleischesser. Speziell das Darmkrebs-risiko aber ist bei den Anhängern fleischloser Kost um mehr als ein Drittel erhöht – das ermittelten Wissenschaftler im Rahmen der über sieben Jahre laufenden europäischen Ernährungsstudie namens EPIC.

3. Dreimal pro Woche 30 Minuten Bewegung reicht als Krebsschutz.

FALSCH. Diese Bewegungsdosis hatte zwar noch 2003 ein Ausschuss europäischer Krebsforscher als Mindestmaßnahme zur Vorbeugung empfohlen. Aufgrund neuer Studienauswertungen zur Krebsprävention raten Forscher aus aller Welt inzwischen aber, sich fünf- bis siebenmal pro Woche mindestens 30 Minuten lang stramm zu bewegen. Dabei ist es ganz gleich, ob Sie sich auf dem Fahrrad, beim Walken oder bei der Gartenarbeit anstrengen.

4. Wer mehr Ballaststoffe zu sich nimmt, senkt sein Darmkrebsrisiko.

RICHTIG. Laut EPIC-Studie sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Darmkrebserkrankung um 40 Prozent, wenn man täglich 35 statt nur 15 Gramm Ballaststoffe isst – die Menge, die der Durchschnittseuropäer verzehrt. Die Empfehlung, möglichst viele Faserstoffe aus Vollkorn, Obst und Gemüse zu essen, ist in Fachkreisen umstritten. Es gibt aber Hinweise, dass spezielle Ballaststoffe aus Obst und Gemüse, wie beispielsweise das in Äpfeln enthaltene Pektin, die Krebsentstehung hemmen.

5. Brustkrebs bei Frauen ist in erster Linie erblich.

FALSCH. Fälle von familiärem Brustkrebs betreffen nur rund 5 bis 10 Prozent der Erkrankten. Zunehmendes Lebensalter, eine frühe Menstruation, späte Wechseljahre oder eine Hormonersatztherapie in der Menopause stehen als Brustkrebsursachen unter Verdacht. Als Risikofaktoren gelten zudem Übergewicht, Bewegungsmangel, zu viel Alkohol und ein übermäßiger Verzehr von Kohlenhydraten mit hohem glykämischen Index wie Weißmehl und Süßigkeiten.

6. Haarefärben erhöht das Blasenkrebsrisiko.

FALSCH. Für Haarfärbemittel, die nach 1980 verwendet wurden, konnte bislang bei normalem Gebrauch kein erhöhtes Blasenkrebsrisiko für die Nutzer nachgewiesen werden. Friseure scheinen aber ein höheres Erkrankungsrisiko zu haben, vor allem, wenn sie schon zehn Jahre und länger mit chemischen Colorationen arbeiten. Vor 1980 enthielten hauptsächlich dunkle Haarfärbemittel aromatische Amine, die als krebserregend gelten – diese Substanzen sind heute verboten.

7. Mit jedem Sonnenbrand steigt die Hautkrebsgefahr.

RICHTIG. Für einen Sonnenbrand sind vor allem die UV-B-Strahlen verantwortlich. Je mehr Erbgutschäden sie in der Haut hinterlassen, desto höher ist die Gefahr, an hellem Hautkrebs zu erkranken. Auch für das gefährlichere Maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs, gelten Sonnenbrände in der Kindheit als Mitverursacher. Allerdings spielen dabei vermutlich auch erbliche Faktoren eine Rolle. Eine hohe Anzahl von Muttermalen gilt ebenfalls als Risikofaktor.

8. Mehr als drei Tassen Kaffee pro Tag erhöhen das Krebsrisiko.

FALSCH. Das duftende Getränk scheint nicht die Bohne riskant zu sein: Selbst der Konsum von 1,4 Liter pro Tag erhöht das Risiko für Darmkrebs nicht. Dagegen scheinen mehrere Tassen Kaffee täglich das Risiko sogar zu senken, etwa für Leber-, Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs. Forscher vermuten den Nutzen des Bohnengebräus in seinem hohen Anteil zellschützender Antioxidanzien.

9. Fahrradfahren auf harten Sätteln fördert bei Männern Hodenkrebs.

FALSCH. Selbst häufiges Radfahren auf harten Sätteln erhöht das Risiko nicht. Bei Ausdauerradlern finden sich aber häufiger Nervenquetschungen und -störungen im Genitalbereich, erektile Dysfunktion oder Prostatitis, also eine Entzündung der Prostata.

10. Das Rauchen aufzugeben senkt das Krebsrisiko.

RICHTIG. Schon eine Woche nach dem Rauchstopp sinkt der Blutdruck, 24 Stunden später sinkt das Herzinfarktrisiko, nach zehn Jahren hat sich das Lungenkrebsrisiko halbiert. Selbst für Lungenkrebspatienten lohnt sich die Glimmstängel-Abstinenz noch: Im frühen und im mittleren Stadium verdoppelt sich durch sofortigen Rauchstopp die Überlebensrate. Die Gefahr, nach einer erfolgreichen Behandlung erneut zu erkranken, sinkt um mehr als die Hälfte.

11. Mit einer Spiegelung des Darms lässt sich dem Krebs vorbeugen.

RICHTIG. Darmkrebs bildet als einzige Krebsart gutartige Vorstufen, die sogenannten Polypen. Werden diese bei einer Darmspiegelung früh erkannt und entfernt, sinkt das Risiko der Darmkrebsentstehung deutlich. Allerdings bietet die Untersuchung keine absolute Sicherheit, denn auch dabei können Darmkrebs und seine Vorstufen übersehen werden. Erstaunlicherweise scheint das im rechten Dickdarmabschnitt häufiger der Fall zu sein als im linken.

12. Dauerstress in Beruf und Familie erhöht das Krebsrisiko nicht.

RICHTIG. In einer neueren Langzeituntersuchung der Dänischen Krebsgesellschaft, in der 8736 Personen zwischen 1991 und 2002 nach ihren Lebens- und Stresssituationen befragt wurden, zeigte sich, dass weder familiärer noch beruflicher Stress mit erhöhtem Krebsrisiko einhergeht. Sie können sich also entspannen.

 

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3 von 4 Kommentare

Walter Eschweiler on 22 Februar 2011 ,20:41

1974 habe ich einen Darmkrebs überstanden, der m. E. zum grössten Teil auf beruflichen Stress zurückzuführen war, denn ich habe meine Ernährungsgewohnheiten nicht besonders geändert, mit der einzigen Ausnahme, dass ich seitdem täglich ca. 300 mg Ranitidin schlucke, viel mehr Wasser trinke und fast täglich einen Apfel esse. Im grossen Ganzen stimme ich den publizierten Vorsorgekriterien zu!

Karl Heßler on 11 September 2010 ,10:04

Ich habe die Vorsorgekriterien mit Interesse gelesen. Bei mir wurde vor 6 Wochen nach einer Darmspiegelung ein Karzinom von ca. 13 cm Länge im Dickdarm festgestellt. Um vor der Oparation den Karzinom evtl. zu verkleinern, unterziehe ich mich zur Zeit einer Chemo- und Strahlentherapie von 28 Behandlungstagen. Dies ist eine sehr harte Prozedur, die den Verdauungsapparat massiv angreift. Ich hoffe, dass alles gut geht. Mich würden die Erfahrungen von ähnlich gelagerten Fällen interessieren.

Karl Brandes on 27 August 2010 ,10:57

Die gut recherschierten Ausführungen geben einen sehr praktikablen und empfehlenswerten Überblick wie der Vielseitigkeit des Auftretens von Carcinomen sinnvoll - schon im voraus begegenet - werden kann. Ein wertvoller Überblick für eigene Initiativen und zur Vorbeugung. Mfg Karl Brandes

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