Beauty und Fitness

Autor: Reader's Digest Book

Schwitzen befreit den Körper nicht von Giftstoffen

„Rinnen muss der Schweiß / Von der Stirne heiß“, dichtete Schiller im „Lied von der Glocke“ und spricht damit die Kühlfunktion des Schwitzens an. Giftstoffe allerdings scheidet der Körper auf anderen Wegen aus.

© iStockfoto.com / Pimonpim Tangosol

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Unsere Art, der Homo sapiens, hat sich im warmen Afrika entwickelt. Unsere Vorfahren mussten auf der Suche nach Nahrung durch die Savanne laufen, und das funktionierte nur, weil die Körperbehaarung reduziert, die Zahl der Schweißdrüsen dagegen erhöht wurde. Wenn es sein muss, kann unser Körper über zehn Liter Schweiß pro Tag produzieren. So kann ein geübter Sportler stundenlang in heißem Klima laufen, ohne dass sich sein Körper überhitzt.

Doch das ist nicht die einzige Funktion des Schweißes. Es gibt neben den sogenannten ekkrinen Schweißdrüsen für die Kühlwirkung auch apokrine Drüsen. Diese sitzen vor allem in den Achseln, in der Genitalregion und um die Brustwarzen herum und produzieren ein Sekret, das Substanzen enthält, die vermutlich bei der Partnerfindung und der nonverbalen Kommunikation eine Rolle spielen. Dazu zählt auch Angstschweiß. Kühlungsschweiß besteht zu über 99 % aus Wasser sowie geringen Beimengungen von Salzen, Milchsäure und Harnstoff. Er ist leicht säuerlich. Was er nicht enthält, sind Giftstoffe, die der Körper ausscheiden will – weder Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber noch Pestizide oder andere Industriechemikalien. Das ist auch nicht nötig, denn zur Abfallentsorgung hat der Körper andere Organe: die Leber, die Nieren und den Darm. In seltenen Fällen kann Schweiß auch einmal winzige Spuren von Giften enthalten. Die spielen aber keine Rolle, zumal sich viele dieser Stoffe nicht gut in Wasser lösen. Daher ist Schweiß auch nie giftig. Höchstens riecht er unangenehm, wenn sich Bakterien darin angesiedelt haben.

Der Mythos lebt

Allerdings lebt eine ganze Industrie von dem Entgiftungsmythos und bietet z. B. kostspielige Schwitzkabinen mit Infrarotheizung an. Doch zu viel Schwitzen ist nicht nur teuer, sondern eventuell sogar ungesund. Denn ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr wird die Entgiftungsfunktion der Nieren gestört, die viel Wasser brauchen, um Schadstoffe zu Urin zu verdünnen. Bei Flüssigkeitsmangel kann es sogar zu Nierenschäden kommen.

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