Gesundheit

Autor: Lisa Bendall

Ein sehr krankes Kind

Anfangs dachten sich Daniels Eltern nichts dabei, als ihr Sohn über Bauchschmerzen klagte.

Symbolfoto: © istockfoto.com / Aleksej Sarifulin

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©Symbolfoto: © istockfoto.com / Aleksej Sarifulin

Es war im März 2019, kurz nach dem jüdischen Feiertag Purim, der Dreijährige hatte viele Süßigkeiten gegessen. Erst als Daniel das Essen verweigerte und sich übergab, fuhren sie ins Krankenhaus. Dort erklärte man ihnen, dass es sich um einen Magen-Darm-Infekt handle, der nach drei Tagen vorbei sei. Daniel solle viel trinken und sich ausruhen. Am Morgen des vierten Tages krümmte sich Daniel vor Schmerzen. Er hatte Fieber und keinen Stuhlgang. Seine Eltern brachten ihn deshalb in die Kinder-Ambulanz.

Dr. Saar Hashavya war sofort klar, dass der Junge nicht an einem gewöhnlichen Magen-Darm-Infekt litt. Wie ernst Daniels Zustand war, zeigte die ungewöhnliche Druckempfindlichkeit der unteren rechten Bauchhälfte, so Dr. Hashavya. Zudem wies Daniels Blutbild eine hohe Zahl weißer Blutkörperchen und Entzündungsmarker auf, was auf eine Infektion schließen ließ. Alles deutete auf eine akute Appendizitis (Blinddarmentzündung) hin, auch wenn sie bei kleinen Kindern eher selten vorkommt. Sie wird durch das Entfernen des Wurmfortsatzes behandelt. „Wir hatten Angst“, erinnert sich Daniels Vater Adam.

Eine Blinddarmentzündung?

Eine Ultraschalluntersuchung schien die Diagnose zu bestätigen. Allerdings war der Wurmfortsatz dabei nicht richtig zu erkennen, wohl aber eine Menge Flüssigkeit, die auf eine Entzündung hindeutete. „Es gab zu diesem Zeitpunkt keinen Grund, nach einer anderen Ursache zu suchen“, berichtet Dr. Hashavya. Drei Stunden nach dem Eintreffen im Krankenhaus befand sich Daniel bereits im OP-Saal. Das Chirurgenteam führte eine kleine Kamera in seinen Bauch ein, um nach dem infizierten Blinddarm zu suchen. Auf dem Monitor stellten die Ärzte eine große Menge Eiter in der Bauchhöhle fest. Zu ihrer Überraschung entdeckten sie auch Adhäsionen, also zusammengeklebtes Gewebe, aber einen völlig normal aussehenden Blinddarm.

Als die Chirurgen die Kamera bewegten, fanden sie kleine, kugelförmige Objekte im Darm. Die Kugeln waren glatt und verschiedenfarbig – rot, violett, blau, grün. Was Daniels Eltern nicht wussten: Eine Woche bevor die Symptome einsetzten, hatte ein anderer Junge ein Magnetspiel in den Kindergarten mitgebracht. Für Daniel sahen die bunten Magnete wie seine geliebten Purim-Süßigkeiten aus. Er nahm sie in den Mund und schluckte sie hinunter. Ein einzelner Magnet hätte den Darm problemlos passiert, Daniel hatte jedoch 18 Magnete verschluckt. Sie hatten sich zu zwei Bündeln gruppiert und in zwei unterschiedlichen Teilen des Verdauungssystems festgesetzt. Durch die magnetischen Kräfte wurde das Gewebe des Verdauungssystems zusammengezogen, die Blutzufuhr abgeschnitten und das Gewebe schließlich perforiert.
Daniel litt unter einer Variante des Valentino-Syndroms. Dabei führt ein äußerst selten vorkommender Bruch des Zwölffingerdarms zu Symptomen, die typisch für eine Blinddarmentzündung sind. Die Erkrankung tritt normalerweise als Komplikation bei einem Magengeschwür auf und ist nach dem Stummfilmstar Rudolph Valentino benannt, bei dem die Infektion zum Tod führte.

Gefährliche Magnete

„Die Ärzte gingen damals von einer Blinddarmentzündung aus und stellten dann fest, dass der Blinddarm normal aussah“, erläutert Dr. Hashavya. „Heute dient diese Geschichte dazu, Medizinstudenten zu erklären: Was wie eine Blinddarmentzündung aussieht, kann in Wirklichkeit eine Darm-Perforation sein.“ Bei Daniel wurden die Magnete entfernt und das beschädigte Gewebe genäht. Derartige Infektionen heilen nicht immer vollkommen aus, und der Patient kann ein postoperatives Leck entwickeln. In Daniels Fall ging glücklicherweise alles gut. Nach einer Woche Antibiotika-Gabe begann er wieder zu essen, und nach etwa zwei Monaten war er wieder fit. „Es geht ihm großartig“, sagt sein Vater. „Wir hatten keine Ahnung, dass Magnete eine solche Gefahr für ein Kind sein können.“

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