Gesundheit

Autor: Reader's Digest Book

Warum haben wir individuelle Fingerabdrücke?

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erstmals Fingerabdrücke bei der Jagd auf Verbrecher eingesetzt. Mittlerweile werden sie weltweit von Ermittlungsbehörden archiviert.

© iStockfoto.com / StockAz

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Fingerabdrücke hat jeder Mensch und sie unterscheiden sich so grundlegend, dass man sogar noch bei eineiigen Zwillingen kleine Differenzen feststellen kann. Fingerabdrücke beruhen auf einer Besonderheit des Hautaufbaus: Die mittlere Hautschicht, die Lederhaut, wölbt sich papillenartig in die obere Haut, die Oberhaut, vor. Dieses Profil drückt sich sozusagen durch und ist an der Hautoberfläche, besonders an den Fingerbeeren (vorderster Teil des Fingerendgliedes), aber auch an den Handflächen, Fußsohlen und Zehen, sichtbar.

Da die Hautleisten ständig ein gewisses Quantum Schweiß absondern, hinterlassen sie auf jeder glatten Oberfläche einen Abdruck. Anthropologen haben bereits Mitte des vorletzten Jahrhunderts die individuelle Einzigartigkeit bei diesen Mustern entdeckt; eine Erkenntnis, die sich dann Kriminologen für die Identifizierung von Tätern zunutze gemacht haben. Scotland Yard hat diese Technik – das Klassifizieren nach Wirbeln, Schleifen, Doppelschleifen, Bogen – 1901 eingeführt.

Der Sinn der Fingermuster?

Warum aber sind Fingerabdrücke überhaupt beim Menschen entstanden und wozu sind sie gut, wenn man davon ausgeht, dass in der Evolution nur sinnvolle Anpassungen eine Chance haben, langfristig vererbt zu werden? Man weiß darüber Folgendes: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem komplizierten Muster der Fingerbeeren und dem Tastsinn. Denn die Tastkörperchen für die Oberflächensensibilität sitzen in ebendiesen Ausstülpungen der Lederhaut, die die Hautleisten formen. Weil die Ausprägung des Tastsinns im Verlauf der letzten beiden Jahrmillionen von der Entwicklung unserer Vorfahren bis zum modernen Menschen geradezu extrem zugenommen hat, ist auch die Zahl dieser Tastkörperchen auf den Lederhautpapillen stark gewachsen. Das war nur möglich, indem sich die Flächen der Papillarschicht, in der sich diese Nervenrezeptoren befinden, vergrößerten. Also hat sich die Papillarschicht immer stärker gewellt, schließlich enge Zapfen zur Oberhaut gebildet, denn anders ließ sich die Fläche nicht vergrößern. So bot sich Platz für immer mehr Tastkörperchen – und die Oberflächenstruktur hat an den besonders dicht besetzten Hautarealen der Füße und Hände ein Relief gebildet. Denn um möglichst viel Hautoberfläche auf engsten Raum zu packen, sind Schleifen und Bogen am ehesten geeignet.
Eine ähnliche Entwicklung hat es an den Fußsohlen gegeben, wo die Zahl der Tastkörperchen wegen der viel höheren Anforderungen an das Gleichgewicht bei zweibeiniger Fortbewegung ebenfalls, wahrscheinlich sogar erheblich früher als an den Händen, gesteigert werden musste.

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