Haus und Garten

Autor: Barbara Erbe

Zuhause sicher sein

Im Haushalt verunglücken erheblich mehr Menschen als im Straßenverkehr. So schützen Sie sich!

© iStockfoto.com / danr13

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Mit einem Bein im Gipsverband tritt die Mittsechzigerin aus Hessen an den Infostand der Aktion "Das sichere Haus" (DSH), um sich beraten zu lassen. Nur wenige Wochen zuvor sei sie im eigenen Heim gestürzt, erzählt sie DSH-Geschäftsführerin Susanne Woelk. Dabei wollte sie nur ihre schönste Salatschüssel aus einem der Oberschränke in der Küche holen. Eigentlich bewahren sie und ihr Mann für solche Fälle eine Trittleiter im Keller auf. Doch diese zu holen, erschien ihr in diesem Moment zu umständlich. Stattdessen stieg sie kurzerhand auf einen der Küchenstühle. Die Schüssel aus Steingut wog schwer. Als die Rentnerin mit der Last in beiden Händen vom Stuhl steigen wollte, rutschte dieser weg. Die Frau stürzte und hatte Glück im Unglück. Zwar ist ein Bein gebrochen, aber es hätte viel schlimmer kommen können. 9373 Personen verloren im Jahr 2017 allein in Deutschland bei einem Sturz zu Hause ihr Leben!

„Diese Art Sturz ist leider alltäglich“, berichtet Susanne Woelk. Als Geschäftsführerin der DSH wertet sie Unfalldaten aus und berät Ratsuchende. In der DSH arbeiten unter anderem Ministerien und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zusammen. „In Deutschland verunglücken Jahr für Jahr rund drei Millionen Menschen in den eigenen vier Wänden“, erklärt die Expertin. „Jedes Jahr enden rund 11 .000 dieser Unfälle tödlich, deutlich mehr als im Straßenverkehr.“ Auch in Österreich verunglücken erheblich mehr Menschen zu Hause als auf der Straße.

Sturzprävention ist nicht teuer

In ihren Beratungsgesprächen hört Woelk oft die Befürchtung, für mehr Sicherheit müsse das Haus oder die Wohnung aufwendig umgebaut werden. „Das muss nicht sein“, beruhigt sie dann. „Es geht auch einfach und preiswert.“ Ihr Rat: „Besorgen Sie sich als Erstes eine Haushalts- oder Trittleiter mit drei bis vier Stufen. Die bekommen Sie in jedem Baumarkt für relativ wenig Geld. Achten Sie dabei auf das GS-Zeichen, das für ,Geprüfte Sicherheit‘ steht. Die Tritte sollten rutschfest und möglichst breit sein, die Leiter einen Sicherheitsbügel zum Festhalten haben.“ Ganz wichtig: Bewahren Sie die Steighilfe griffbereit auf. Etwa in der Vorratskammer, in der Küche oder dort, wo Sie Ihre Putzmittel lagern.
Entschärfen Sie als Nächstes Stolperfallen wie rutschende Teppiche, Läufer, Badezimmer- und Fußmatten. Unterlagen, die es als Vliese oder Gittermatten für jeden Bodenbelag gibt, sorgen für die nötige Bodenhaftung. Glatte Treppenstufen sichern Sie mit aufgeklebten, rutschfesten Streifen. Wenn Sie dabei die erste und letzte Stufe mit farbigen Leuchtstreifen markieren, erleichtern Sie sich und anderen die Orientierung und das Balancehalten.

Die besten Markierungen nützen jedoch nichts, wenn Sie sie nicht erkennen. „Sorgen Sie unbedingt für gute Beleuchtung“, rät Woelk. Immer wieder hört sie bei ihren Beratungsgesprächen von Fällen wie diesem: Ohne das Licht einzuschalten, steigt der Besitzer des Hauses die Kellertreppe hinab. Er weiß ja, wie viele Stufen es sind, und durch ein Kellerfenster fällt auch noch etwas Dämmerlicht. Aber dann tritt er auf der letzten Stufe doch daneben, strauchelt und zieht sich einen Bänderriss zu. „Bleiben Sie vorsichtig, selbst wenn Sie einen Weg schon tausendmal gegangen sind“, sagt Woelk. Auch wer nachts ins Bad muss, sollte sehen können, wohin er läuft. Lampen in Halbkugelformen, deren Licht nur auf den Boden fällt, machen Sie nicht wacher als nötig. Jede Treppe sollte einen – oder auch zwei – Handläufe haben. Halten Sie diese frei und nutzen Sie sie! Griffe im Bad sorgen dort für sicheren Stand. Tragen Sie dann noch Hausschuhe mit Profil oder Socken mit rutschfesten Gumminoppen, haben Sie Ihr Sturzrisiko deutlich verringert.

Finger weg von der Elektrik!

Haushaltsunfälle mit Strom sind zwar deutlich seltener als Stürze, aber besonders gefährlich. Stromschläge führen oft zu schweren Verbrennungen oder enden gar tödlich. Mustern Sie beschädigte Kabel oder defekte Elektrogeräte deshalb umgehend aus. „Überlassen Sie die Reparatur solcher Geräte, aber auch deren Installation, unbedingt dem Fachmann“, rät Expertin Woelk. „Wenn Sie ein Elektrogerät reinigen, etwa die Krümellade Ihres Toasters leeren, ziehen Sie auf jeden Fall vorher den Netzstecker.“
„Fehlerstromschutzschalter, auch RCD- oder FI-Schalter genannt, unterbrechen den Stromkreis wenn nötig deutlich schneller als herkömmliche elektrische Sicherungen. „In Neubauten sind sie bereits Pflicht“, erklärt Stefan Holitschka von der Initiative ELEKTRO+, einem Zusammenschluss führender Markenhersteller und Verbände der Elektrobranche. „Stromanschlüsse in älteren Häusern lassen sich durch mobile Schutzschalter nachrüsten. Sie stecken sie, Adaptern ähnlich, zwischen Steckdose und Gerät.“

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