Körper und Psyche

Autor: Reader's Digest Book

Das perfekte Kühlsystem: Warum wir schwitzen

Schweiß ist zwar lästig, aber lebenswichtig. Denn er trägt mit anderen kleinen Tricks des Körpers dazu bei, dessen Temperatur im nötigen Gleichgewicht zu halten.

© Rido / Fotolia.com

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Beim Schwitzen stellt der Mensch einen einsamen Rekord auf: Nur er verfügt über etwa 2 Mio. Schweißdrüsen und kann daher sehr viel mehr schwitzen als jedes andere Säugetier. Schweißdrüsen statt Fell Warum der Mensch deutlich mehr Schweißdrüsen als jedes andere Säugetier hat, erklärt sich aus seiner Vorgeschichte. Als unsere frühen Vorfahren zu jagen lernten, um sich damit zusätzliche Eiweißquellen zu erschließen, bedeutete das, dass sie rennen mussten. Doch dabei waren in dem warmen Klima Afrikas, in dem die Frühmenschen lebten, zu viele Körperhaare eindeutig von Nachteil, denn sie verhinderten, dass die Luft kühlend über die Haut strich. Also legte der Mensch sein Fell ab – und sich stattdessen immer mehr Schweißdrüsen zu, um sich vor Überhitzung zu schützen.

Das Verdunstungsprinzip

Das menschliche Kühlsystem funktioniert nach dem Verdunstungsprinzip. Wenn Schweiß auf der Haut verdunstet, wird Energie in Form von Wärme verbraucht. Diese Wärme wiederum wird dem Körper entzogen, er wird also gekühlt. Allerdings funktioniert dieser physikalische Vorgang nur, wenn die Luftfeuchtigkeit unter 100 % liegt, die Luft also noch Feuchtigkeit aufnehmen kann. Ist das nicht der Fall, bildet sich ein unangenehmer Schweißfilm auf der Haut. Durch Verdunstung werden 95 % der überschüssigen Körperwärme abgeführt, um im Körperinnern eine konstante Temperatur von 37 ºC aufrechtzuerhalten. Die Hauttemperatur dagegen ist notwendigerweise niedriger, um den Wärmefluss von innen nach außen zu gewährleisten. Steigt die Hauttemperatur über die Kerntemperatur an, weil man z. B. zu lange in der Sonne gelegen hat, entsteht ein Hitzestau. Der Körper gerät in eine Krise, schaltet einen Teil seiner Funktionen herunter und man verliert das Bewusstsein, kurz: Man bekommt einen Hitzschlag.

Salz und Wasser

Der Schweiß, der aus den knäuelartigen Schweißdrüsen über die Poren austritt, besteht zu 99 % aus Wasser und enthält ferner bestimmte Duftstoffe, Kochsalz, Harnstoff sowie andere chemische Substanzen, meist Säuren. Je heftiger und länger man schwitzt, desto mehr Wasser und Salz werden dem Körper entzogen, was durchaus gefährlich sein kann. Eine erste Reaktion ist Durst. Doch genügt es nicht, nur viel zu trinken, weil dadurch die Salzbestände im Körper noch weiter verdünnt werden. Vielmehr sollte man mit der Flüssigkeit dem Körper zugleich auch Salz und andere Mineralstoffe zuführen.

Feuchte Unterschiede

Schwitzen ist jedoch nicht gleich Schwitzen. Die gesündeste Form ist das thermische Schwitzen z. B. beim Sport und in der Sauna. Es betrifft vor allem Rücken, Brust, Gesicht und Achselhöhlen. Ein Warnzeichen des Körpers dagegen ist der Schweißausbruch nach dem Genuss scharfer Gewürze. Hier steigt die Hitze ins Gesicht und der Schweiß perlt von der Kopfhaut. Schwitzt man hauptsächlich an den Händen, Füßen und im Genitalbereich, ist das vegetative Nervensystem übererregt. Diese Form des Schwitzens ist ein typisches Stresssymptom. Nachtschweiß wiederum tritt häufig dann auf, wenn der Körper die Abwehrkräfte mobilisiert.

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