Körper und Psyche

Autor: Samantha Rideout

So überwinden Sie eine Zwangsstörung

Was tun, wenn Sie zwanghafte Gedanken quälen? Wir sagen es Ihnen.

© iStockfoto.com / BartCo

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Etwa 1,6 Prozent aller Menschen leiden im Lauf ihres Lebens einmal unter einer Zwangsstörung, auf Englisch obsessive-compulsive disorder (OCD). Bei starker Ausprägung hat diese psychische Störung verheerende Folgen für die Betroffenen. Sie behindert die Handlungsfähigkeit, beeinträchtigt Beziehungen und dadurch die Lebensqualität. Vereinfacht gesagt leiden Betroffene unter zwanghaften, angstbeladenen Gedanken (Zwangsgedanken). Sie versuchen, diese zu unterdrücken oder abzuwenden, meistens durch sich wiederholende Verhaltensweisen (Zwangshandlungen). Diagnostiziert wird OCD, wenn Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen einzeln oder auch gemeinsam auftreten. Letzteres ist häufiger der Fall. Als krankhaft gilt die Störung, sobald sie das Leben stark beeinträchtigt.

Das Erscheinungsbild von Zwangsgedanken ist sehr unterschiedlich. Der eine hat Angst, dass der Herd noch an ist, der andere befürchtet, sich selbst zu verletzen. Zwangshandlungen resultieren aus einer irrationalen Reaktion auf solche Gedanken. Wer fürchtet, dass er vergessen hat, den Herd abzuschalten, geht mehrmals in die Küche und überprüft den Herd, bevor er das Haus verlässt. Diese Handlungen helfen aber nur kurzfristig. Deshalb versucht die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die Gedanken zu erkennen und den Umgang damit zu verändern, die dem Verhalten zugrunde liegen. Dabei konfrontiert man Betroffene mit der Situation, die den Zwang auslöst. Der Patient soll sich an die Situation gewöhnen und verstehen, dass Angst und Unruhe auch verschwinden, wenn man keine Zwangshandlung ausführt. Diese Methode nennt man Vermeidung von Rückversicherungsverhalten. Sie fordert sehr viel von den Patienten, weshalb 20 Prozent von ihnen vorzeitig abbrechen. Die Mehrzahl der Betroffenen spürt trotzdem Erleichterung. „Geschichten von Menschen, die es geschafft haben, motivieren“, sagt Olivia Bamber, Sprecherin von OCD Action, einer gemeinnützigen Organisation in Großbritannien, die Informationen über Zwangsstörungen und Selbsthilfegruppen anbietet. (Zusätzliche Informationen finden Sie im Internet auf www.zwaenge.de)

Die Störung kann man auch mit Medikamenten behandeln, die gegen Depression eingesetzt werden. Sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verringern die Symptome um bis zu 60 Prozent. Die Wahl des Medikaments sollte man in Absprache mit dem Arzt treffen.
Obwohl Wissenschaftler Behandlungen wie beispielsweise die Tiefe Hirnstimulation testen, muss noch geprüft werden, wie wirksam sie ist. Sollte die KVT Ihre Zwangsstörung bislang noch nicht verbessert haben, brauchen Sie eventuell einen anderen Therapeuten. Es ist zwar frustrierend“, so Olivia Bamber, „aber nicht ungewöhnlich, dass man mehrere Therapien ausprobieren muss, um die richtige zu finden.“ Es gibt mehrere Gründe, weshalb KVT beim ersten Mal misslingt. Vielleicht verstehen sich Patient und Therapeut nicht gut, oder aber dem Therapeuten fehlen spezielle Kenntnisse. Geben Sie die Hoffnung nicht auf: Die Chance, eine Zwangsstörung zu heilen, ist gut.

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