Lachen

Autor: Richard Glover

Manche Fragen sind einfach unmöglich

Was versprechen sich Menschen davon, andere zu Dingen zu löchern, die sie nichts angehen?
Illustration: Ein Mann geht mit seinem Hund im Park spazieren. Ein älterer Mann beugt sich zu dem Hund hinunter.

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©Illustration: Nils Fliegner

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Wenn ich humple, frag mich bitte nicht, warum. In jungen Jahren steckt hinter jeder Verletzung eine tolle Anekdote: „Ich habe ein Kind aus einem brennenden Haus gerettet und mir dabei wohl einen Muskel gezerrt.“ Mit so einer Geschichte will man gefragt werden. Später im Leben gibt es immer noch Verletzungen, aber keine gute Story mehr dazu. „Wie hast du dir den Rücken verletzt?“ – „Ich bin heute Morgen zu schnell aus dem Bett gestiegen.“ Oder: „Ich war unter der Dusche und habe versucht, mir die Füße zu waschen.“ Oder: „Beim Müllrausbringen.“ Warum löchern die Leute mich trotzdem, und was soll ich sagen? „Das Alter, fürchte ich. Das kommt vor. Kann mich nicht beklagen.“ So zu reagieren ist schlimmer als das Hinken.

Inzwischen hinkt auch mein Hund. Während sich manche Leute verkneifen, mich nach meiner Einschränkung zu fragen, kennen sie bei Clancy keine Hemmung. „Was ist denn mit dem armen Ding los?“, wollen sie wissen und gehen in die Hocke, um seine Schnauze zu streicheln. Sie schauen ihm tief in die Augen und gurren leise.Manchmal berühren sie seinen Kopf mit ihrem. Die Botschaft ist klar: Ich kümmere mich nicht richtig um die Gesundheit meines Hundes. Anscheinend denken die Leute, dass es eine einfache Heilung für Clancys Hinken gibt, aber der Besitzer scheut die 9,50 Euro für die Tabletten oder den Verband.Wenn sie sich zu Clancy hinunterbeugen und direkt mit ihm sprechen, ist es, als erwarteten sie, dass er zurückflüstert: „Helft mir! Dieser Mann ist ein Monster.“

Warum stellen Menschen so viele Fragen zu Themen, auf die es niemals eine gute Antwort geben kann? 

Ich habe Freunde, die keinen Alkohol trinken, und sie berichten jedes Mal, wenn sie ein Sodawasser bestellen, von einer ähnlichen skrupellosen Inquisition: „Oh, Sie trinken nicht. Warum nicht?“ Was erwarten die Fragenden für eine Information? „Ich hatte in meinen frühen Zwanzigern ein schreckliches Alkoholproblem, das sowohl meine Gesundheit als auch mehrere Ehen zerstört hat, und da ich nicht in der Lage war, meinen Alkoholkonsum zu mäßigen, musste ich ganz damit aufhören. Also, ja, ein Sodawasser, wenn Sie eins haben.“ Oder: „Das ist meine Religion. Es ist verboten.“ Oder: „Ich finde Menschen langweilig, wenn sie trinken, und ich möchte niemals so langweilig sein, wie Sie es vermutlich sind.“

Kurzum – die einzig vernünftige Erwiderung auf die Bitte nach einem Glas Sodawasser sollte sein: „Möchten Sie Eis dazu?“ Und wenn Sie wirklich weiter nachhaken müssen, dann: „Vielleicht auch etwas Zitrone?“

Die Welt ist voller Fragen, die man niemals stellen sollte. Zum Beispiel: „Wie haben Sie so viel abgenommen? Sie sind viel schlanker als letztes Mal!“ Mögliche Antworten: „Ich nehme Ozempic, wollte es aber nicht sagen.“ Oder: „Wir sind gerade aus Afrika zurückgekommen und ich habe einen Parasiten.“ Oder: „Ich habe schon seit einer Weile dieses Gewicht, aber Sie scheinen ein Bild von mir zu haben, das einige Jahrzehnte zurückliegt, und deshalb immer wieder zu bemerken, wie viel schlanker ich bin.“

Noch schlimmer ist natürlich die häufig gestellte Frage: „In welchem Monat bist du genau schwanger?“ Hier lautet die Regel: Gehe niemals davon aus, dass eine Frau schwanger ist, es sei denn, du bist im Kreißsaal und das Baby kommt gerade zur Welt. Apropos Schwangerschaft. Die möglicherweise schlimmste Erkundigung überhaupt ist: „Warum hast du keine Kinder?“ Die einzig vernünftige Entgegnung darauf lautet: „Warum stellst du so unangemessene persönliche Fragen?“

Es ist ja nicht so, als gäbe es nichts anderes zu besprechen. Die Welt ist voller unumstrittener Gesprächseinstiege. Zum Beispiel: „Welch hübscher Hund.“ Oder: „Wunderschöner Morgen, finden Sie nicht auch?“ Oder: „Ist dieser Trump nicht ein Idiot?“ Zumindest in Australien ist es schwer, über eines dieser Themen zu streiten.

 

Währenddessen humpeln Clancy und ich nach Hause. „Oh, du Armer, was ist denn los?“, fragt jemand mitfühlend, und mir wird klar, dass ich nicht weiß, wem das Mitgefühl gilt. Clancy oder mir? „Nur das Alter“, erkläre ich. Das gilt schließlich für uns beide. Nächstes Mal werde ich jedoch erst einmal innehalten, bevor ich reagiere, und mir etwas Passendes einfallen lassen. Vielleicht erzähle ich dann die Geschichte vom Hausbrand und wie Clancy und ich ein Kind gerettet haben. Er, indem er sich tief unter dem Rauch hindurchschlängelte und dabei seine geringe Körpergröße geschickt ausnutzte, und ich, indem ich mit meiner Schulter die Tür aufbrach und dabei meine Muskelkraft ausspielte. Es ist doch schließlich so: Wer weiterhin Fragen stellt, muss die Auskunft akzeptieren, die ich gebe.

 

 


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