Nicht jeder Kunde ist ein König
Anstatt geizig, ungeduldig und überheblich sollte man lieber freundlich sein. Wie wäre es mit einem „Guten Tag“?
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Der Besitzer eines Londoner Restaurants hat sich darüber beschwert, dass die Gäste nicht mehr genug Essen und Wein bestellen, um das Restaurant rentabel zu machen. Hugh Corcoran, Betreiber des The Yellow Bittern, beklagte das Ende der langen, alkoholreichen Mittagessen und schrieb: „Es ist offenbar völlig normal geworden, einen Tisch für vier Personen zu reservieren und dann eine Vorspeise und zwei Hauptgerichte zum Teilen sowie ein Glas Leitungswasser zu bestellen.“
Das reicht nicht, sagt er. Er betreibe ein Restaurant, keine Parkbank. Corcoran mag ein wenig ungastlich erscheinen, aber ich denke, dass jeder Beruf seine eigene Vorstellung von guten und schlechten Kunden hat. In Restaurants ist der schlechte Kunde jener, der kaum etwas bestellt und dann stundenlang sitzen bleibt. Oder der reserviert und dann nicht erscheint. Oder der wie ein mittelalterlicher Potentat mit den Fingern schnippt, um die Aufmerksamkeit des Kellners zu erregen.
Im Einzelhandel ist es die Person, die während des Kaufvorgangs weiter telefoniert. Dem Mitarbeiter wird kein Hallo, kein Danke, nicht einmal Blickkontakt gegönnt. Jener packt die Ware in eine Tüte, wickelt die Zahlung ab, und der Kunde macht sich wortlos auf den Weg, als wolle er sagen: „Ich bin wichtiger als Sie, meine Zeit ist so wertvoll, dass Sie nicht einmal meine geringste Aufmerksamkeit verdienen“.
Bei Ärzten – ich habe nachgefragt – ist es der Patient, der eine Stunde zu früh zum Termin er-scheint und glaubt, er müsse nun vor denjenigen behandelt werden, die pünktlich zu ihrem Termin kommen. Diese Art Patient wird ziemlich unwirsch, wenn man ihm sagt, er müsse warten, bis er an der Reihe ist. Oh, und Menschen wie ich, die, wenn der Arzt nach ihrem Alkoholkonsum fragt, eine so niedrige Zahl nennen, dass der Arzt einen Taschenrechner holen muss, um sie mit 5,4 zu multiplizieren, damit sie zu den rosigen Wangen des Patienten passt.
Für Handwerker ist das Problem die Person, die ihnen bei der Arbeit zusieht: Sie beugen sich über die Toilette, während der Kunde mit verschränkten Armen hinter ihnen steht und ihre Arbeit bewertet, als hätte er auch nur die geringste Ahnung, wie man das Ding repariert. Oder, schlimmer noch, wenn er Vorschläge macht: „Haben Sie schon versucht ...“ Dies kommt offenbar so häufig vor, dass einige Mechaniker Schilder in ihrer Werkstatt aufgestellt haben: „Servicegebühr: 120 Dollar. Wenn Sie Ratschläge geben: 150 Dollar. Wenn Sie helfen: 225 Dollar.“
In der vollen Kneipe ist das Problem der Kunde, der sich erst entscheidet, wenn er an der Reihe ist. „Ich glaube, Joanne möchte einen Cocktail. Joanne? Du möchtest einen Cocktail, oder? Welchen denn? Die Liste steht dort auf der Tafel. Ich nehme ein Bier. Sagen Sie mal, mein Lieber, welche erfrischenden Biersorten haben Sie an diesem schönen Nachmittag im Angebot?“
Der erschöpfte Barkeeper zeigt auf die fünf Zapfhähne, die mit den angebotenen Biersorten beschriftet sind. Währenddessen dreht sich die Erde, die Eiskappen schmelzen, die anderen Gäste seufzen und jammern und machen, was am schlimmsten ist, den Barkeeper verantwortlich: „Der Service hier ist so langsam.“
In der Kindertagesstätte ist es der Elternteil, der ein Kind bringt, das so krank ist, dass es sofort die ganze Nachbarschaft ansteckt.
Beim Friseur ist es die Person, die mitten beim Haareschneiden ihre Meinung ändert. „Als ich kurz gesagt habe, habe ich nicht kurz gemeint. Können Sie es nicht irgendwie wieder rückgängig machen?“
Aber was ist denn nun ein guter Kunde?
Natürlich kann man die Frage auch umformulieren und fragen, welche Eigenschaften einen hervorragenden Kunden ausmachen. Oft ist es unabhängig vom Beruf immer dasselbe. Der gute Kunde bezahlt pünktlich. Er sagt „Guten Tag“ am Anfang und „Danke“ am Ende. Er sagt nicht „Wo Sie schon mal hier sind ...“ und erwartet eine kostenlose Untersuchung des defekten Wasserhahns in der Waschküche.
Manchmal ist es berufsspezifisch. Der gute Elternteil geht nicht immer davon aus, dass sein Kind ein Engel ist und sich nie daneben benimmt. Er dankt Lehrern sogar dafür, dass sie ihn auf ein Fehlverhalten ihres Kindes aufmerksam gemacht haben.
Bittet man Handwerker, gute Kunden zu beschreiben, sagen sie etwas wie: „Sie servieren Ihnen Tee und Kekse auf einer richtigen weißen Tischdecke.“ Anwälte für Strafrecht geben zu Protokoll: „Ein guter Mandant weiß, dass man ihn nicht immer freibekommen kann, egal wie viel Geld er zu zahlen bereit ist.“
Zurück in der Welt der Londoner Restaurants wird Hugh Corcoran von Kollegen für seine schlechte Einstellung kritisiert. Ja, ausgedehnte Mittagessen mit viel Alkohol sind passé, aber vielleicht ist das auch gut so. Es gibt viele Gründe, bescheiden zu bestellen, von der Notwendigkeit, das Budget einzuhalten, bis hin zu gesundheitlichen Überlegungen. Außerdem ist es die Aufgabe jedes Berufsstandes, sich mit der Zeit zu ändern und den Menschen das zu geben, was sie wollen. Das führt uns zu dem Schluss: Manchmal gibt es gute und schlechte Menschen auf beiden Seiten der Theke. Vielleicht sollten wir alle einfach versuchen, nett zu sein.
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