Reise

Autor: Jens Bey

Bremen: Fassadenkunst in der Böttcherstraße

Sie ist gerade einmal 108 Meter lang. Aber gemessen an dieser kurzen Distanz bietet die Böttcherstraße, die sich im Herzen Bremens vom Marktplatz zur Weser erstreckt, mehr Kultur, Architektur und Atmosphäre als so mancher berühmte Boulevard.
Bremen: Fassadenkunst in der Böttcherstraße
Die Böttcherstrasse ist nur etwa 100 Meter lang, aber berühmt für ihre ungewöhnliche Architektur und zählt zu den wichtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten Bremens.

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©istockfoto.com / fotoman-kharkov
Hier trifft Backsteingotik auf Expressionismus und Art déco, leuchtet ein Himmelssaal, räkeln sich sieben faule Bauernsöhne und spielen 30 Glocken aus Meißner Porzellan Seemannslieder. Ihre Karriere als Sehenswürdigkeit begann die Gasse der Böttcher, der Fassmacher, ganz unscheinbar. Weil Mitte des 19. Jahrhunderts der Hafen verlegt wurde, verließen auch die Handwerker die Böttcherstraße – und sie dämmerte dem Verfall entgegen.
Bis Ludwig Roselius auf den Plan trat, ein Kaffeehändler und als Erfinder der koffeinfreien Variante des Getränks Mitgründer der Firma Kaffee HAG. 1902 erwarb er das erste Haus in der Gasse, weitere Käufe sollten folgen. So verwandelte Roselius die Böttcherstraße zusammen mit den Architekten Alfred Runge und Eduard Scotland sowie dem Bildhauer Bernhard Hoetger bis 1931 in ein Gesamtkunstwerk. Eines, in dem man Gebäude erleben kann, deren Fassaden zum einen die hanseatische (Backstein-)Baukunst zitieren und die zum anderen wie expressionistische Skulpturen wirken. Etwa das Paula-Modersohn-Becker-­Haus mit seinen geschwungenen Wänden, seltsamen Türmen und Verzierungen – das erste Museum weltweit, das einer Malerin gewidmet wurde.
Gegenüber, im Haus der Sieben Faulen, findet sich im Handwerkerhof der Brunnen, der die Legende dieser Bauernsöhne thematisiert. Hier kann man heute in kleinen Lädchen stöbern. Während das Haus St. Petrus kulinarisch verführt, schafft das Roselius-­Haus im ältesten Gebäude der Straße dasselbe mit Kunst und der Atmosphäre eines mittelalterlichen bremischen Bürgerhauses.
Neben dem Haus des Glockenspiels mit seinen Fernwehmelodien begeistert das Haus Atlantis: Hochmodern wirkt das Treppenhaus, der Himmelssaal mit seiner extravaganten Glasdecke ist eine Architektur gewordene Utopie. www.boettcherstrasse.de

Ebenfalls sehenswert: die Schlachte und die tierischen Musiker vor dem Rathaus

Auf zum Fluss! Direkt neben der Altstadt, der Schnoor, geht es auf der Weserpromenade durch den ehemaligen Uferhafen mit seiner 800-jährigen Geschichte. Die Schlachte, das ehemalige Hafenareal an der Weser, ist heute Bremens Gastromeile. Hier locken jede Menge Kneipen und Restaurants, und in den Wochen vor Weihnachten verbreitet der Schlachte-Zauber eine ganz besondere Stimmung.

Es kräht und bellt, miaut und iaht vor dem Rathaus auf dem Marktplatz. Hier arbeiten nach wie vor die Bremer Stadtmusikanten. Für etwas
Kleingeld fangen sie an zu singen: Wer eine Münze ins Bremer Loch wirft, hört die Stimmen von Esel, Hund, Katze und Hahn – und unterstützt soziale Projekte. Der zur Spardose umfunktionierte Gulli-Deckel liegt wenige Schritte von der berühmten Skulptur der Bremer Stadtmusikanten entfernt. Die Märchenhelden stehen neben dem prächtigen, im Stil der Weserrenaissance erbauten Rathaus. Es soll übrigens Glück bringen, die Hufe des Esels zu berühren. www.bremen.de

Universum Bremen
Von außen gleicht es einem Wal, innen steckt es voller spannender Experimente: In diesem Science Center spüren nicht nur Kinder naturwissenschaftlichen Phänomenen nach. Ob Lügendetektor oder täuschend echtes Erdbeben – neue Erkenntnisse sind garantiert! universum-bremen.de


Anreise Bremen
Mit dem Auto erreicht man Bremen über die A 1 von Hamburg oder Münster sowie die A 7 und A 27 über Hannover. Der Bahnhof wird von ICEs aus allen größeren Städten angefahren.

Übernachten
Näher an der Böttcherstraße als im exklusiven ­Radisson Blu Hotel (DZ ab 100 €) kann man in Bremen nicht übernachten. Seine Veranstaltungsräume liegen im Haus Atlantis. Wer Seefahrerluft schnuppern möchte, schläft in einer der Kojen des legendären Seglers Alexander von Humboldt am Weser­ufer in der Schlachte (DZ ab 98 €).


Essen & Trinken
Lust auf ein Kölsch im hohen Norden? Die Ständige Vertretung bietet nicht nur Bremer Spezialitäten an, sondern auch rheinländische – und zwar im Haus St. Petrus in der Böttcherstraße. Kohl und Pinkel ist wohl das bekannteste Bremer Gericht. Den Grünkohl gibt’s nur im Winter, etwa in der Gasthausbrauerei Schüttinger. Hier werden aber auch Fisch und Bremer Knipp (Grützwurst) serviert.
www.staev.de/bremen.html
www.schuettinger.de

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