Herbst-Genusstour durch den Spreewald
Frischer geht’s nicht: Auf einer Hofladentour im Spreewald findet man typische Produkte der Region direkt beim Erzeuger.
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Bis in den Herbst hinein sind im Spreewald die Gurkenflieger unterwegs. Sie sausen nicht durch die Lüfte, sondern zuckeln in Zeitlupe über die Felder. Es sind Traktoren mit tragflächenähnlichen Konstruktionen. Darauf liegen bäuchlings bis zu 30 Erntehelfer und pflücken Gurken, das knackige, krumme Wahrzeichen der Region. Der Spreewald erstreckt sich im Osten Brandenburgs, auf halber Strecke zwischen Berlin und Dresden. In dem Unesco-Biosphärenreservat verzweigt sich die Spree in ein Netz aus mehreren 100 Wasserläufen, den Fließen. Urlauber entdecken diese am liebsten per Kahn, Kajak oder Kanu. Der Wasserreichtum erfreut aber auch die Bauern. Die Böden sind dadurch feucht, locker und nährstoffreich, was die Gurken und viele weitere Gemüsesorten besonders knackig und lecker werden lässt. Längst haben sich die Spezialitäten des Spreewalds überregional einen Namen gemacht. Doch wer die größte Vielfalt, das frischeste Gemüse und die liebevollsten kulinarischen Kreationen der Region finden möchte, unternimmt am besten eine ausgedehnte Hofladentour.
Grüner Snack: Gürkchen direkt aus dem Holzfass
Manche der Orte tragen ihre bäuerliche Prägung im Namen: Fleißdorf heißt eine Station dieser Reise von Hof zu Hof. In dem Dörfchen am südlichen Rand der Gegend befindet sich der „Spreewaldkorb“ – ein äußerlich unscheinbarer Hofladen, auf den Einheimische schwören. Das Gemüse, das hier verkauft wird, wächst direkt vor dessen Eingangstor. „Hier gibt es das beste Angebot und die größte Auswahl“, schwärmt Michael Wepprich. Der Rentner aus Lübbenau besucht den Laden mehrmals im Jahr, um sich mit vorgezogenen Jungpflanzen einzudecken, die er dann im eigenen Hausgarten einpflanzt. „Mit der Ernte versorge ich meine Familie“, sagt er, „sechs Personen.“ Im Herbst holt er Kohlrabi und Salatpflanzen, im Frühjahr Tomaten und Gurken, im Sommer Grün- und Rosenkohl. Natürlich bietet der Laden auch verzehrfertiges Gemüse. „Am besten verkaufen sich unsere Gurken“, sagt die Verkäuferin mit grüner Schürze. Neugierige Kunden dürfen die Gewächshäuser besichtigen. Dort klettern die Ranken der Einlegegurken bis zum Glasdach.
Viele Menschen im Spreewald ziehen bis heute ihr Gemüse selbst. Die Gürkchen legt jede Familie auf ihre eigene Weise ein nach Rezepturen, die oft seit Generationen bewahrt werden. Manche schwören auf Dill und Senfkörner, andere auf Knoblauch, Fenchel oder Basilikum. Wer sich durch die Geschmacksvielfalt probieren möchte: In Lübbenau haben mehrere traditionelle Gurkeneinlegereien ihren Sitz. In ihren Hofläden kann man den grünen Snack direkt aus dem Holzfass fischen. Ob honigsüß oder senfig-pikant – gesund sind sie allesamt. In ihnen stecken Vitamin A und C sowie Kalium, Magnesium und Kalzium. Durch die Milchsäuregärung sind die Gürkchen reich an Probiotika, die die Darmflora unterstützen.
Wer Speisen gern eine scharfe Note verleiht, dem hilft die „Kräuterhexe“ weiter: der Hofladen der Firma Rabe im Lübbenauer Ortsteil Boblitz. Ihre Spreewaldspezialität ist Meerrettich. Ab dem Herbst ernten die Bauern die Wurzeln der krautigen Pflanzen, die der Betrieb wäscht und zerreibt. Dabei entsteht ein stechender Geruch, der Tränen in die Augen treibt. Diese ätherischen Öle machen den Meerrettich so gesund, denn sie besitzen entzündungshemmende, antivirale und antibakterielle Eigenschaften. Verkauft wird die geriebene Wurzel als Sahnemeerrettich, mit Sanddorn oder in der Variante „extra scharf“.
Kulturlandschaft Spreewald
Der Spreewald säumt den Lauf der Spree auf einer Länge von 55 Kilometern und zählt damit zu den kleineren Kulturlandschaften. Dadurch lässt er sich auch gut mit dem Fahrrad erschließen, etwa auf dem erstklassig ausgebauten und beschilderten Gurkenradweg. Vor dem Losstrampeln gehören unbedingt die Radtaschen an den Gepäckträger, schließlich gibt es auf der Hofladentour eine Menge einzusacken. Ihren Durst können Radwanderer am östlichen Ortseingang von Burg stillen. Dort befindet sich ein echter Saftladen, genauer: „Janks Saftladen“. Im Regal stehen Säfte aus Sauerkraut, Kirschen, Johannisbeeren und diversen Birnensorten. „Die Säfte produzieren wir alle selbst“, sagt die Verkäuferin. Auf der Straßenseite gegenüber brummen die Anlagen der Saftmosterei, die jährlich bis zu 400 Tonnen Obst und Gemüse verarbeitet. Vor allem zwischen August und Oktober herrscht Hochbetrieb vor der Einfahrt, dann karren die Bauern hängerweise den frisch geernteten Rohstoff für die Verkaufsschlager des Saftladens an: Apfelsaft klar und Apfelsaft trüb.
Wer bei der Hofladentour eine längere Rast einlegen möchte, steuert am besten eines der urigen Lokale der Region an. Viele blicken auf eine lange Geschichte zurück, so wie der Schlepziger „Gasthof zum Unterspreewald“, der von der Familie in der siebten Generationen geführt wird. Aus Liebe zu Tradition und Heimat setzen die Häuser auf die klassische Spreewaldküche mit Produkten aus den hiesigen Wäldern, Feldern und Gewässern. So finden sich auf den Speisekarten zum Beispiel Rehkeule, deftige Grützwurst mit Sauerkraut oder Zanderfilet an Schmorgurken und Kartoffel-Meerrettich-Senf-Stampf. Das unumstrittene Leibgericht im Spreewald aber sind Pellkartoffeln und Sahnequark – abgerundet mit flüssigem Gold: dem Leinöl. Die historischen Spreewaldmühlen in Sagritz und Straupitz pressen es bis heute aus den Samen der Flachspflanze. Alle Zutaten ergeben ein gesundes, aromatisches und bekömmlich leichtes Spätsommergericht.
Ohne Gemecker: Käse und sahniges Eis aus Ziegenmilch
Dank all der Vielfalt, Frische und Kreativität in den Gasthöfen und Hofläden bleibt kaum ein Geschmackswunsch unerfüllt. Wer auf seiner Genussreise dennoch Gemecker hört, befindet sich wahrscheinlich in Gulben zwischen Burg und Cottbus. Dort lockt der Hof „Zwölf Eichen“ zur Einkehr, dessen Weide Dutzende Ziegen bevölkern. Was sich aus Ziegenmilch zaubern lässt, kann man im hofeigenen „Meck-Café“ verkosten. In der gläsernen Theke liegen verschiedene Käse. Dazu passt das duftende, selbst gebackene Ziegenmilchbrot. Das Café serviert auch die fluffig-leckeren Spreewälder Plinsen aus Mehl, Eiern, Hefe, Zucker und Milch – in diesem Fall von der Ziege. Der Teig wird in Leinöl ausgebacken.
Auf der Terrasse des Cafés gönnen sich zwei Freundinnen das hausgemachte, sahnige Ziegenmilcheis. Sie seien regelmäßig hier, berichten sie. „Durch die Ziegen ist der Hof auch für Kinder ein schönes Ausflugsziel.“ Die Tiere liegen faul in der Sonne, zupfen Gras oder schubbern ihr Fell genüsslich an Bürsten. Je zufriedener die Ziegen, desto besser ihre Milch. Die Ziegen werden morgens ab fünf Uhr gefüttert und gemolken. Aus der Milch bereiten der Hofinhaber und sein Team noch am selben Tag den Frischkäse zu. Er schmeckt cremig, mild und leicht würzig, zugleich angenehm frisch. Die verschiedenen Sorten, zum Beispiel mit getrockneten Tomaten, Pfeffer oder Walnuss und Pesto, verkauft der Hofladen in Schraubgläsern. So lässt sich auch dieser Spreewaldgenuss gut transportieren und zu Hause nachschmecken.






