Klammputzer: Diese Männer sichern die Partnachklamm
Die Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen ist ein einzigartiges Naturdenkmal. Einmal im Jahr müssen mutige Männer die Wege sichern und Hindernisse entfernen
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Klammputzer entfernen verkantete Holzstämme
Der Weg durch das Naturdenkmal ist mit Seilen gesichert. Dort, wo kein Geländer die Besucher vor Abstürzen schützen könnte, wurden Stollen in den Berg gesprengt. „Früher war es hier richtig gefährlich“, erzählt Rudi Achtner, seit 20 Jahren Klammwart bei der Stadt Garmisch-Partenkirchen. „Über das Wasser wurde im 19. Jahrhundert das geschlagene Holz aus den Bergen ins Tal transportiert. Wenn sich ein Stamm verkantete, mussten sich Holzknechte abseilen und ihn entfernen, damit es zu keiner Stauung und nachfolgenden Sturzflut kam.“ Die Eisen, auf denen vor gut 100 Jahren einfache Bretter einen Klettersteig bildeten, ragen noch an vielen Stellen aus dem Felsen. Darauf bewegten sich diese Klammputzer.
Heute besuchen rund 300 000 Gäste pro Jahr die Partnachklamm. Sie ist immer geöffnet – außer an drei oder vier Tagen, wenn Rudi Achtner mit seinen Männern die jährlichen Revisionsarbeiten durchführt. Dann sind echte Spezialisten am Werk. Tollkühne Kerle aus Tirol, die nicht nur exzellent klettern können, sondern auch mutig genug sind, in ausgefallenes, steiles Gelände vorzudringen. Zum Beispiel an jene Stelle, keine 50 Meter hinter dem Kassenhäuschen, an der sich im Winter oft zehn Meter lange Eiszapfen über dem Fußweg bilden. Damit dort alles sicher ist, wird der Bereich mit
einem stabilen Dach versehen.
Es sei zum Glück noch nie etwas passiert in der Klamm, sagt Rudi Achtner, nur der Hund der Kassiererin sei einmal abgestürzt. Selbst die italienischen Mineure, die 1910 die Partnachklamm unter gefährlichsten Bedingungen für Besucher zugänglich machten, konnten alle wieder unbeschadet in ihre Heimat zurückkehren. Zum Dank, dass es keine Verletzten oder gar Tote gab, schlugen sie im oberen Drittel der Klamm eine kleine Nische in den Fels und stellten darin eine Madonna auf. Sie begrüßt bis heute die Wanderer, die aus dem Tunnel kommen.
Dort spürt man die Energie des vom Schneeferner-Gletscher gespeisten Gebirgsbachs am unmittelbarsten. Dort befindet sich auch die Lieblingsstelle von Rudi Achtner. „Wir hatten schon oft Hochwasser, aber die Füße der Madonna sind noch immer trocken geblieben“, sagt er. Demnächst wird die Heiligenfigur saniert, allerdings weiß er noch nicht so recht, wie man die Stelle am besten erreicht. Vermutlich muss sich jemand von ganz oben abseilen –also rund 68 Meter über nassen Stein und durch den Dunst der Bäche, die in die Schlucht stürzen: fünf auf der West- und sieben auf der Ostseite.
Dort oben blitzt auch der Stahl der Eisernen Brücke auf, über die man von der einen Abbruchkante der Klamm zur anderen gelangt. Im Moment ist das ein Provisorium aus Gerüstelementen, weil der alte Übergang aus dem Jahr 1914 bei einem Sturm beschädigt wurde. Schon bald soll er aber erneuert werden.
Messpunkte registrieren jede Bewegung in der Klamm
Der 57-jährige Klammwart hat auf seinem Handy eine App, mit der er die Klamm über Kameras von oben und von unten beobachten kann – egal, wo er sich befindet. „Ich erkenne schon am Lauf des Wassers auf dem Berg, ob sich eine Flut ankündigt“, erklärt er. Außerdem hat Achtner Zugriff auf 16 Messsensoren in den Felsen, die jede noch so kleine Bewegung in der Klamm registrieren. Im Notfall kann die Schlucht innerhalb weniger Minuten geräumt werden.Aber manchmal ist die Natur einfach unberechenbar. Beim großen Felssturz vom 1. Juni 1991 donnerten mehr als 5000 Tonnen Gestein in die Tiefe und rissen alle Wege, Befestigungen und Durchgänge mit. „Zum Glück ist das nachts passiert, als niemand hier war“, sagt Rudi Achtner und leuchtet mit seiner Taschenlampe in den neuen Wallistollen, in dem man diesen Bereich seither umgehen kann.
Josef Kraus und Korbinian Behrend aus Grainau arbeiten sich unterdessen am oberen Eingang durch einen Felsen, weil dort eine Stolperstelle ausgeschwemmt wurde. Das Dach 600 Meter weiter unten ist fast fertig – und der Klammwart erleichtert, weil er jetzt nicht mehr an jedem Wintertag das
Eis kontrollieren oder gar wegsprengen muss. Stattdessen stürzen die Brocken nun auf das Dach, ohne jemanden zu gefährden.
Die Klammputzer hängen nicht selten in den Seilen
Die Stahlträger dafür werden nicht nur in den Boden betoniert, sondern auch mit langen Schrauben tief im Gestein verankert. Eine anspruchsvolle Arbeit, weil der Mann mit der Bohrmaschine im Seil hängt und wenig Druck ausüben kann. „Vielleicht schaffen wir es irgendwann sogar, die Wege so herzurichten, dass Rollstuhlfahrer diese beeindruckende Natur erleben können“, hofft Rudi Achtner. „Dann erreichen auch gehbehinderte Menschen von hier aus die lauschige Kaiserschmarrn-Alm.“ Die ist nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt und berühmt für ihre urigen musikalischen Hüttenabende.Rudi Achtner prüft einstweilen nochmal den Wasserlauf auf Hindernisse, die entfernt werden müssen, konzentriert sich auf jeden Strudel und jede Kehre. In zwei Tagen wird die Klamm wieder geöffnet. Dann mischt sich in das Rauschen des Wassers das Wiehern der Pferde, welche die Gäste in der Kutsche bis zum Klammhaus fahren. Dorthin, wo sich einst die Klammputzer stärkten und wo bis heute ein köstlicher Schweinebraten serviert wird.






