Reise

Autor: Dorothee Fauth

Kurztrip-Tip: Auf nach Münster!

Die westfälische Stadt ist berühmt für Frieden, Radfahrer und ihren „Tatort“.

Prinzipalmarkt in der Stadt Münster in Westfalen, Deutschland

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©istockfoto.com / travelview

Auf drei Dinge ist man in Münster besonders stolz: auf die Armada von Radfahrern, 375 Jahre Westfälischer Friede, der 2023 gefeiert wird, und das beliebteste „Tatort“-Duo im deutschen Fernsehen. Seit 20 Jahren ermittelt es in der Stadt am Dortmund-Ems-Kanal. Man muss nicht zwingend ein geschichtsversessener Radfahrer mit Lust an Verbrechen sein, um Münster ins Herz zu schließen. Allerdings bietet eine „Leeze“, wie man Fahrräder in Norddeutschland auch nennt, in dieser radfreundlichen Stadt entscheidende Vorteile. Man ist einfach schneller, dazu sportlich und umweltverträglich unterwegs. Auf der von Linden gesäumten Promenade, dem autofreien Ring um die Innenstadt, haben Radler freie Fahrt. Also einfach einreihen in den Strom und, wo immer man Lust hat, ins Zentrum abbiegen.

 

Das Herz der Stadt

Das ist der Prinzipalmarkt mit seinen alten Kaufmannshäusern und Arkadengängen. Kein Giebel gleicht hier dem anderen. In der Straße steht auch das historische Rathaus aus dem 14. Jahrhundert – mit seinem Maßwerk schön wie eine gotische Kathedrale. „Pax Optima Rerum – Frieden ist das höchste Gut“ heißt es über der Tür der Ratskammer, die auch als Friedenssaal bekannt ist. Ein Hinweis darauf, dass 1648 nach fünf Jahren zähem Ringen in Münster (und Osnabrück) der Westfälische Friede verhandelt und ratifiziert wurde. Der erste europäische Friedenskongress beendete den Dreißigjährigen Krieg und etablierte das Prinzip staatlicher Souveränität.  

Natürlich sollte man das Fahrrad auch mal stehen lassen und durch die Straßen bummeln. Zum St.-Paulus- Dom mit seiner astronomischen Uhr, einem Wunderwerk des Spätmittelalters mit Glockenspiel und einem Kalender, der bis ins Jahr 2071 reicht. Auf dem Domplatz findet mittwochs und samstags der bunte Wochenmarkt statt. Schauriges lässt sich am Turm der Lambertikirche entdecken. Dort hängen drei Eisenkörbe, in denen 1536 die toten Anführer einer Täuferbewegung zur Schau gestellt wurden.

 

Auf den Spuren des "Tatort"

Mal schaurig, mal lustig, aber immer mörderisch geht es bei den Krimitouren auf den Spuren der „Tatort“-Ermittler Thiel und Boerne oder des TV-Detektivs Wilsberg zu. Die Rundgänge auf eigene Faust oder mit Guide führen zu Drehorten wie dem Aasee und zu legendären Fällen. Teilweise werden die Teilnehmer selbst zu Spürnasen. Apropos Aasee: Nach so viel Stadt schwingt man sich gern wieder auf den Sattel und radelt die Promenade entlang, denn diese führt automatisch zu Münsters nahe gelegener Freizeitoase. Dort tummeln sich Jogger, Spaziergänger, Grillmeister, Sonnenanbeter und Kunstfreunde. Man kann gemütlich auf den Seeterrassen sitzen und den Seglern zuschauen oder selbst mit einem Ruder- oder Tretboot übers Wasser schippern. Unweit des Bootverleihs hält der Wasserbus: Die solarbetriebene Fähre gleitet lautlos über den Aasee und mitten hinein in den Allwetterzoo.

Am Abend zieht es viele zum Binnenhafen, wo stets eine Brise Leichtigkeit weht. Waren werden hier kaum noch umgeschlagen. Die Speicherhäuser und modernen Gebäude beherbergen inzwischen Kunst, Kultur, Kreativbüros und Gastronomie mit Blick aufs Wasser. Wenn der Wind dann ein lang gezogenes tiefes Tuten heranträgt, weiß man: Die Türmerin der Lambertikirche ist an ihrem Platz. Von 21 Uhr bis Mitternacht hält sie nach Bränden Ausschau und bläst in ihr Kupferhorn, während am Kirchturm goldgelb eine Himmelsleiter aufleuchtet. Diese Kunstinstallation (bis Frühjahr 2024) steht für Frieden und den Glauben an das Gute.

 

 

Anreise nach Münster

Mit Auto und Bahn

Münster erreicht man über die Autobahnen A 1 und A 43. Mehrmals täglich gibt es Direktverbindungen der Bahn aus Hamburg, Berlin, Bremen, Frankfurt, München, Nürnberg und Stuttgart. 

 

Übernachten

Hotel Münnich
Diese Unterkunft befindet sich knapp fünf Kilometer außerhalb des Stadtzentrums, punktet dafür mit einem romantischen Ambiente in Waldnähe. Sie besitzt einen eigenen Fahrradverleih für Fahrten in die City und auf „Pättken“ (kleine Pfade) ins Umland (DZ ab 94 €). 
www.hotel-muennich.de

 

Factory Hotel
Das Design-Hotel im neuen Stadtquartier Germania Campus ist in die denkmalgeschützten Mauern der ehemaligen Brauerei Germania eingezogen. Zum puristischen Charme gibt es Terrassenplätze mit bunten Loungemöbeln direkt am Campus-See (DZ ab 104 €).
www.factoryhotel-muenster.de

 

 

Weitere Tipps 

Friedensroute

Wenn man schon einmal auf dem Rad sitzt: Die mit vier Sternen ausgezeichnete Rundtour (163 km) auf den Spuren des Westfälischen Friedens führt von Münster nach Osnabrück durch die Ausläufer des Teutoburger Walds und die münsterländische Parklandschaft.
www.friedensroute.de

 

Allwetterzoo
Das Besondere an diesem Tierpark mit überdachten Allwettergängen: Besucher dürfen Elefanten füttern, Pinguine beim Spaziergang begleiten und Affen in Anlagen ohne Begrenzungen beobachten.   
www.allwetterzoo.de