Ab in den Ruhestand
Endlich Zeit haben, um Bücher zu lesen, fit zu werden und aufzuräumen. Doch das erweist sich als langweilig.
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Man sagt, es sei wichtig, für den Ruhestand zu planen. Meiner beginnt in fünf Tagen, wenn ich nach 26 Jahren meine Radiosendung aufgebe. Also habe ich einen Plan ausgearbeitet, den ich an meinem ersten freien Montag umsetzen will. Der erste Schritt ist, so lange zu schlafen, wie ich will. Vielleicht bis zehn Uhr, vielleicht bis elf Uhr. Schritt zwei ist, festzustellen, dass ich nicht bis in den Vormittag hinein schlafen kann, weil ich kein Teenager mehr bin. Also werde ich wie immer um 6.45 Uhr aufwachen. Wie immer werde ich meiner Frau Jocasta Tee kochen. Wie immer werde ich Zeitung lesen.
Um acht Uhr beobachte ich Jocasta, wie sie in ihr Büro geht, um zu arbeiten.Ich wandere ein wenig durch das Haus. Ich entferne Krümel aus der Besteckschublade und frage mich: „Wie kommen Toastkrümel da hinein, wenn wir doch nie Toast essen?“
Ich klopfe an Jocastas Tür und frage: „Was machst du?“
Sie antwortet: „Ich arbeite.“ Ich finde ihren Tonfall unnötig schroff.
Ich beschließe, die großen Klassiker der Literatur zu lesen und nehme meine alte Universitätsausgabe von Homers Odyssee zur Hand. Seit meiner ersten Lektüre ist sie schwerer verständlich geworden! Ich wechsle zu James Joyces Ulysses. Bereits das erste Kapitel entmutigt mich. Dritte Wahl: Dickens. Ah, das ist besser. Großartige Charaktere! Aber ganz schön lang, die Bücher von Dickens, nicht wahr?
Ich klopfe leise an Jocastas Tür und frage „Was machst du?“ Sie antwortet: „Ich arbeite.“ Ihr Tonfall lässt nur einen Schluss zu: Sie ist genervt.
Ich beschließe, mich an die zweite große Aufgabe meines Ruhestands zu machen: fit werden. Ich lege eine Matte auf den Boden im Wohnzimmer und fange an, meinen Körper zu bewegen. Das dauert zwei, vielleicht drei Stunden, dann schaue ich auf die Uhr und stelle fest, dass ich erst seit zehn Minuten dabei bin.
Mir wird klar, dass der Sinn einer regulären Beschäftigung darin bestand, eine plausible Ausrede zu liefern, um nach zehn Minuten mit dem Training aufzuhören. „Ich würde gern noch weitermachen, aber – wie schade – ich muss zur Arbeit. Na ja, was sein muss, muss sein.“
Da diese Ausrede nun nicht mehr verfügbar ist, sucht mein Verstand nach einem anderen Grund, um mit dem Stöhnen aufzuhören. Es ist fast elf Uhr, also fast Mittag.
Ich klopfe an Jocastas Tür und frage: „Was planst du zum Mittagessen?“
Durch die geschlossene Tür antwortet sie: „Ich habe dich geheiratet, um in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein. Nicht wegen des Mittagessens.“
Ich sage: „Das ist ein alter Spruch.“
Sie sagt: „Du hast mir keine Zeit gegeben, mir einen neuen auszudenken. Würdest du bitte gehen?“
Ich gehe und widme mich der dritten großen Aufgabe meines Ruhestands: mein Zimmer aufräumen. Ich gehe die Schreibtischschubladen durch, bereit, alles wegzuwerfen, was ich nicht mehr brauche. Zum Beispiel das Telefonbuch aus meinen Zwanzigern. Zuerst aber muss ich aus Nostalgie die Seiten durchblättern. Ich stelle fest, dass ich mich an keinen der Menschen erinnern kann, die ich einmal kannte. Das finde ich ziemlich deprimierend.
Um 12.30 Uhr kommt Jocasta endlich aus ihrem Büro. Ich mache ihr ein Sandwich. Danach hole ich das Wochenendbeilagen-Quiz hervor, von dem ich einen Stapel für genau diesen Moment aufbewahrt habe.
„Frage eins“, sage ich mit dröhnender Stimme. Jocasta unterbricht mich.
„Warum sprichst du mit dieser lächerlich tiefen Stimme?“, fragt sie, bevor ihr plötzlich klar wird: „Oh, ich verstehe, das ist deine Radiostimme. Und das ist jetzt deine einzige Gelegenheit, sie zu benutzen. Oh Gott, hilf mir.“
Wir schneiden beim Quiz gut ab, wahrscheinlich weil die Fragen so schön vorgelesen werden, jedes Wort mit einer sonoren Note versehen. Oder vielleicht schneiden wir gut ab, weil Jocasta alle Antworten weiß.
Dann heißt es „Tschüss, bis heute Abend“. Sie verschwindet hinter der Tür.
Ich gehe mit dem Hund spazieren und werfe ihm einen Ball zu. Wir haben noch nie Ball gespielt. Er sieht mich an, als wollte er sagen: „Du hast ihn weggeworfen. Hol ihn dir selbst.“
Wir kommen nach Hause. Es ist erst 15 Uhr. Vielleicht sollte ich mit Golfspielen anfangen. Wenn ich den Begriff „Golf“ google, finde ich eine Reihe von Artikeln über Donald Trump und darüber, dass ihm jetzt Caddies fehlen. Anscheinend hat er alle seine alten Caddies in Machtpositionen im Pentagon berufen.
Eine Gelegenheit bietet sich.
Ich klopfe leise an Jocastas Tür und sage: „Ich überlege, Golf zu lernen und mich dann als Caddie für Donald Trump in Mar-a-Lago zu bewerben.“
Endlich öffnet sie die Tür.
„Trump ist ein widerwärtiger Frosch, der die Welt zerstören will“, sagt sie resolut.
„Ich wäre sechs Monate im Jahr weg.“
„Vielleicht ist er ja gar nicht so schlecht“, antwortet Jocasta. „Warum beginnst du nicht gleich mit dem Training?“
So kommt es, dass ich nun vorhabe, an meinem ersten Tag im Ruhestand mit dem Golfspielen anzufangen.

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