Wissen und Tipps

Autor: Karin Schätzle (nach einem Beitrag von Brandon Specktor)

Das steckt hinter dem Wort

Unterhaltsames über eine Sprache, die nicht immer ganz einfach ist: Deutsch.
Das steckt hinter dem Wort

©

©istockfoto.com / bee32
Als Kinder lernen wir unsere Muttersprache ohne große Mühe. Eine gewaltige Leistung! Immerhin kennen erwachsene Deutschsprechende im Schnitt rund 50.000 Wörter. Zugegeben, viele davon sind von der Sorte „Geld“, „Himmel“ und „Lob“. Andere bedeuten womöglich das Gleiche, sind uns aber weniger geläufig. Oder besprechen Sie mit Ihrer Hausbank Ihre „pekuniären“ Belange, hoffen dereinst ins „Elysium“ einzuziehen und halten häu­figer „Elogen“? Wie ein guter Teil der Wörter, die wir kennen – oder zu kennen meinen –, entstanden sind und was sie ursprünglich bedeuteten, wissen wir oft gar nicht. Hier einige Beispiele:

Muskel
Wussten Sie, dass das Wort Muskel vom lateinischen musculus kommt, was so viel wie „kleine Maus“ bedeutet? Offenbar fanden die alten Römer, dass die Bewegung eines Muskels, insbesondere eines gebeugten Bizeps, so aussieht, als würde eine Maus unter der Haut laufen. Auch die Bezeichnung Bizeps für den – mehr oder weniger kräftigen – Beugemuskel am Oberarm ist lateinischen Ursprungs und bedeutet zweiköpfig. Das wirft die Frage auf, ob es im alten Rom Mäuse mit zwei Köpfen gab …

Quarantäne
Das Wort stammt vom vulgärlateinischen quarranta und bedeutet 40. Die erste Quarantäne wurde in Venedig verhängt, als Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest auf dem Festland wütete. Um die Ausbreitung der Infektion einzudämmen, mussten Schiffe 40 Tage lang vor Anker liegen, bevor die Menschen an Bord die Stadt betreten durften. Nicht gerade das, was man sich auf einer Kreuzfahrt wünscht!

Galaxie
Vor Tausenden von Jahren blickten griechische Sterndeuter in den Himmel und sahen einen weißen Lichtstrom, der sich über ihnen wölbte. Vielleicht erinnerte sie sein Anblick an verschüttete Milch, denn sie nannten das leuchtende Sternenband galaxías – abgeleitet vom Wort gála, was „Milch“ bedeutet. Bis heute nennen wir die Galaxie, in der sich unser Planet befindet, Milchstraße.

Ambulanz
Das Wort geht auf französische Feldlazarette des 19. Jahrhunderts zurück. Diese Art mobiler medizinischer Versorgungsstationen konnte leicht zerlegt und von Ort zu Ort transportiert werden, was ihnen den Namen hôpital ambulant einbrachte – wörtlich: „herumgehendes Krankenhaus“. Schließlich wurde der Name auf „Ambulanz“ verkürzt. Wir bezeichnen heute in der Regel zwei Dinge damit: einen Krankenwagen und die Abteilung einer Klinik, in der Patienten behandelt werden, die nicht über Nacht bleiben.

Kandidat
Im alten Rom konnte man an Stil und Farbe der Toga den sozialen Status einer Person erkennen. Bewerber um ein politisches Amt trugen strahlend weiße Gewänder, wohl um die Reinheit ihrer Absichten zu zeigen. Die Geschichtsschreibung geht davon aus, dass der Stoff mit Kreidepuder geweißt wurde. Dieses Kleidungsstück wurde toga candida genannt, vom lateinischen candidus, also weiß, glänzend. Heute tragen Personen, die für ein politisches Amt kandidieren, keine Toga mehr. Eine weiße Weste allerdings ist von Vorteil.

Idiot
Was ist das Gegenteil eines erfolgreichen Kandidaten? Ein Idiot! Zumindest in seiner ursprünglichen Bedeutung, die aufs Griechische zurückgeht. Abgeleitet von dem Wort ídios, das „privat“ bedeutet, war ein Idiot in der Antike jeder, der kein öffentliches Amt bekleidete. Daraus wurde ein „gewöhnlicher Mensch“, später eine „unwissende Person“. Die Bedeutung „Schwachsinniger“, die das Wort heute hat, bekam es erst im 19. Jahrhundert.

Desaster
Seit jeher sind Astrologen auf der Suche nach göttlichen Botschaften am Nachthimmel. Die Kombination des französischen dés-, das aufs italienische dis- zurückgeht, und astre, beziehungsweise astro bezeichnet schweres Unheil: In ihr steckt die Trennung von einem guten Stern. Allerdings bringen nicht alle Sterne Glück. Denken Sie nur an die Dinosaurier, die von einem Asteroiden ausgelöscht wurden. Dieses Wort leitet sich vom griechischen asteroeides ab, was „sternähnlich“ bedeutet.

Punsch
Der Name dieses heißen Getränks verrät schon fast das Rezept. Er geht wohl auf pañca zurück, was auf Sanskrit „fünf“ bedeutet. Folgerichtig besteht Punsch aus fünf Zutaten: Arrak, Zucker, Zitronensaft, Gewürz und Wasser.

Barbar
Nicht nur die alten Griechen sahen auf diejenigen herab, die sich nicht in ihrer Sprache verständlich machen konnten: barbaros bedeutet fremd, nicht griechisch, unkultiviert. Auch die antiken Inder verstanden bei manchen Sprachen wohl nur „bar-bar“. Der Barbar jedenfalls stammt von barbarah, Sanskrit für „stammelnd
und unverständlich“.

Magazin
Dieser Begriff stammt vom arabischen Wort mahazin ab, was so viel wie „Lagerhäuser“ bedeutet. Im Laufe der Zeit wurde das Wort auch für gedruckte Zeitschriften verwendet, wie das kleine Lagerhaus des Wissens, das Sie zuweilen in der Hand halten.




Das könnte Sie auch interessieren

Angebote aus unserem Shop