Wissen und Tipps

Autor: Reader's Digest Book

Die Entstehung des Fluchs der Pharaonen

Nachdem Pharao Tutenchamuns Grab entdeckt und am 26. November 1922 geöffnet worden war, starben einige Zeit später mehrere Mitglieder der Expedition. Verschwörungstheoretiker (ja, die gab es bereits damals) witterten einen Rachefeldzug des Toten mittels übersinnlicher Kräfte. Der Mythos vom Fluch der Pharaonen entstand.

Die Entstehung des Fluchs der Pharaonen

©

©istockfoto.com / JoseIgnacioSoto

Am 5. November 1922 entdeckte der britische Archäologe Howard Carter im Tal der Könige, bei der ägyptischen Stadt Luxor, ein Grab. Es war das des Pharaos Tutenchamun, um 1323 v. Chr. verstorben. Einige Tage später, am 26. November, öffnete Carter gemeinsam mit seinem Grabungsteam und dem Sponsor der Unternehmung, Lord Carnarvon, die Tür zur Grabkammer. Zum Vorschein kamen kostbare Grabbeigaben: goldene Liegen, Stühle, Vasen, Truhen, Statuen - alles Gegenstände, von denen die alten Ägypter glaubten, dass sie dem verstorbenen König im Jenseits von Nutzen sein würden. Der Fund sorgte nicht nur in der Fachwelt für Schlagzeilen, denn es handelte sich um das erste vollständig erhaltene Königsgrab aus dem alten Ägypten. Alle bisher entdeckten Gräber waren meist schon in der Antike von Räubern geplündert worden.

%%%article-banner-Tutenchamun%%%

Am 5. April 1923 starb Lord Carnarvon aufgrund von Komplikationen nach einem Moskitostich. Das war der Beginn eines Mythos, die Geburtsstunde des „Fluchs der Pharaonen". Manche beschworen, dass zu jener Stunde, als Carnarvon verstarb, in Kairo der Strom ausgefallen sei. In den kommenden Monaten und Jahren fanden weitere Mitglieder der Expedition den Tod, manche auf natürliche, andere auf ungewöhnliche Weise. So kam zum Beispiel der Chefkonservator der Ägyptischen Abteilung des Pariser Louvre 1926 durch einen Hitzschlag ums Leben, angeblich genau an dem Tag, an dem vier Jahre zuvor das Grab Tutenchamuns erstmals betreten worden war. 1929 wurde dann Carters Sekretär tot in seiner Wohnung aufgefunden - vermutlich ein Selbstmord.

Mythos oder Wahrheit? 

Die Medien bauschten die Ereignisse auf. Spekulationen machten die Runde, weil Carter gleich am Eingang der Grabkammer den Text einer Tontafel entdeckt hatte: ,,Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharaos stört." Bald war man nun auch mit Berichten von mysteriösen Todesfällen bei der Hand, die angeblich mit dem Öffnen anderer Pharaonengräber in Zusammenhang standen. Doch der Mythos vom „Fluch der Pharaonen" war nichts weiter als eine Hysterie, die zu einer der ersten großen Medienkampagnen der Moderne ausgeweitet wurde.

Als Erster von vielen konnte der deutsche Archäologe Georg Steinhoff 1933 belegen, dass der Fluch in das Reich der Fabel gehört. Weder findet er sich auf den Grabinschriften, noch auf den kleinen magischen Figuren, die man im alten Ägypten den Toten mit ins Grab gab. Zu lesen war dort nur, der Wunsch, der Feind des Osiris - der Verstorbene wurde mit dem ägyptischen Totengott gleichgesetzt - solle, in welcher Gestalt er auch immer erscheine, vertrieben werden.

Eine Fluchformel gibt es nicht

Eine Fluchformel, die auf den Tod von Grabräubern zielte, gibt es nicht. Bis heute aber hat der angebliche Fluch der Pharaonen nichts von seiner Zugkraft eingebüßt. Schon oft hat sie Wissenschaft einsehen müssen, dass mysteriöse Fiktion spannender als seriöse Tatsachen ist. Und so findet die Legende seit nunmehr über 90 Jahren überzeugte Anhänger.

Das könnte Sie auch interessieren

Angebote aus unserem Shop