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Autor: Cornelia Krappel

Die Geschichte der Spardose

Wer Vorräte anlegt, ist besser gerüstet für schlechte Zeiten. Das wußten schon unsere Vorfahren und entwickelten daher früh ein Faible fürs Sparen.
Die Geschichte der Spardose

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©istockfoto.com / Ridofranz

Seit die Menschen Gold, Silber oder Edelsteine schätzen, horten sie diese Kostbarkeiten in Verstecken. Könige hatten Schatzkammern. Ganz normale Menschen hatten ein Sparversteck. Denn spätestens mit der Einführung von Münzen als Zahlungsmittel wurde es plötzlich notwendig, einen Ort zu haben, an dem das Bargeld mehr oder weniger sicher aufgehoben war. Wer schleppt schon gerne seine gesamte Barschaft mit sich herum?

Meist war das Sparversteck eine Spardose aus Ton. Seit der Antike gibt es solche Spardosen, das haben zahlreiche Funde belegt, die man bei Ausgrabungen gemacht hat. Die älteste bekannte Spardose Eurasiens datiert aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Sie wurde in Priene in der heutigen Türkei gefunden, als man ein antikes Wohnhaus freilegte. Heute befindet sie sich in der Antikensammlung der staatlichen Museen zu Berlin und kann dort besichtigt werden. Die kunstvoll gestaltete Spardose aus gebranntem Ton hat die Form eines antiken griechischen Tempels. Vorne, im oberen Bereich des Giebels befindet sich ein Schlitz, um Münzen einwerfen zu können.

Als die Römer ihre Münz-Währung als Zahlungsmittel im gesamten Mittelmeergebiet verbreiteten, gab dies der Geld- und Sparwirtschaft zusätzlichen Schub. Spardosen erfreuten sich im römischen Reich großer Popularität: Archäologen haben in römischen Siedlungen unzählige davon gefunden. Meist sind sie birnenförmig, aus Ton gebrannt und sehen eher aus wie ein bauchiger Spartopf. Einige dagegen sind sehr kunstvoll ausgestaltet, so wie die Spardose von Priene. In späteren Zeiten gab es neben den Gefäßen aus Ton auch solche aus Metall mit Schloss und Scharnieren. Auch Spardosen aus Holz mit Metallbeschlag sind belegt.
Im Laufe der Zeit wurde aus der Spardose dann langsam das Sparschwein. In Deutschland sind Spardosen in Schweineform wohl erst seit dem Mittelalter bekannt, obwohl es sie in China bereits im 13. Jahrhundert gegeben haben soll. Der älteste Fund in Deutschland stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde in Billeben in Thüringen gefunden. Andere Quellen berichten, dass das Glücksschwein in Deutschland erst im 17. Jahrhundert als Sparbüchse aufgetaucht sei.

Warum gerade ein Schwein als Aufbewahrungsgefäß für Erspartes?

In der bäuerlich geprägten Gesellschaft des Mittelalters stand ein Schwein für Intelligenz, Fruchtbarkeit und hohen Nutzwert. Bauern, die ein Schwein ihr eigen nennen konnten, waren relativ wohlhabend. Das gab ihnen einen höheren gesellschaftlichen Status. Ein Glücksfall für eine mittelalterliche Bauernfamilie! Was lag also näher, als dem Gefäß zur Verwahrung der Ersparnisse die Form des Tieres zu geben, mit dem schon damals Wohlstand, Glück und Sicherheit assoziiert wurden? 

Nachkriegs-Deutschland: Sparschwein-Schlager und Weltspartag 

Durch die Jahrhunderte und zahlreiche Krisen und Kriege bis ins 20. Jahrhundert hinein gab der Notgroschen aus der Spardose den Menschen Sicherheit. 1924 dann wurde sogar der Weltspartag aus der Taufe gehoben und erklärte das Sparen offiziell zu einer Sache von internationaler Wichtigkeit. Er sollte die Menschen auf die Bedeutung des Sparens für die Volkswirtschaften hinweisen. Nach der Währungsreform von 1923 war besonders in Deutschland das Vertrauen der Menschen in den Wert des Geldes stark erschüttert und mit Maßnahmen wie dem Weltspartag wollte auch die deutsche Bankenbranche diesen negativen Gefühlen entgegen wirken. Um ihre Kunden dazu zu bringen, das sauer Ersparte aufs Sparkonto einzuzahlen, verschenkten die Banken  jährlich Sparbüchsen als Werbeobjekte. Im sparverliebten Nachkriegsdeutschland hatten sie seit den 1950er Jahren oft Schweineform und wurden regelrecht zum Kultobjekt erhoben. Es gab sogar einen Schlager, der dem Sparschwein gewidmet ist, die "Hämmerchen-Polka". Chris Howland sang darin: "Und dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Sparschwein, mein Sparschwein kaputt. Mit dem Innenleben von dem kleinen Sparschwein geht's mir dann wieder gut..."
Armes Schweinchen! Wie gut, dass heutige Sparschweine meist eine Öffnung haben, um die gesparten Münzen zu entnehmen und man sie nicht mehr mit dem Hammer zertrümmern muss.

Noch immer sind Spardosen bei Groß und Klein beliebt. Über die Hälfte der Deutschen hat angeblich zuhause eine Spardose, in die regelmäßig Geld eingeworfen wird. Die Spardose in Sparschwein-Form ist heute jedoch fast verschwunden. Sie wird verdrängt von Sparkäfern, Sparschuhen, Spar-Einhörnern und Spar-Teddys, Sparkugeln oder Spar-Schafen, -Katzen und -Elefanten. Sogar Spar-Fußbälle gibt es.

Glücks-Sparschwein mit Bronzenase

Daher hat die "Schutzgemeinschaft Deutsches Sparschwein" es sich auch zur (nicht ganz ernst gemeinten) Aufgabe gemacht, das Sparschwein vor dem Aussterben zu bewahren. Die satirische Vereinigung behauptete im Jahr 2005 kurzerhand, das Sparschwein sei um 1576 von dem Burgherrn Wilhelm Spieß von Büllesheim auf der Burg Schweinheim bei Euskirchen erfunden worden. Belegen lässt sich das nicht. Aber weil der zuständige Bürgermeister Humor hatte, fand er die Idee, in Euskirchen ein Sparschwein-Denkmal aufzustellen amüsant und so ziert heute die Plastik eines glücklichen, freundlichen Schweins, hergestellt aus Grauguss mit Bronzenase, den Euskircher Klostergarten. Das Reiben an der Nase des Schweins soll Glück bringen. Und wer das Schweinchen besucht wird sehen: sein bronzener Schweinerüssel ist von vielen Glück suchenden Händen stets blank poliert.

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