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Autor: Emily Goodman

13 erstaunliche Fakten über die Antarktis

Die Südpolar-Region ist einer der lebensfeindlichsten Orte der Erde und doch ist sie von Lebewesen bewohnt und fasziniert die Menschen seit ihrer Entdeckung.  

Ein einzelner Pinguin steht in der Antarktis auf einem Eisberg

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©iStockphotot.com / Grafissimo

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Eis und Schnee so weit das Auge reicht, riesige Gletscher, klirrende Kälte und peitschende Stürme – die Antarktis ist so lebensfeindlich wie faszinierend. Sie umfasst den Kontinent Antarktika und das Südpolarmeer. Am Südpol gibt es eine Besonderheit: Die Sonne geht nur einmal im Jahr auf – und erst sechs Monate später wieder unter. 

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Mit rund 13,5 Millionen Qua-dratkilometern ist der Kontinent Antarktika fast 40-mal so groß wie Deutschland. Umgeben ist er vom Antarktischen Zirkumpolarstrom, dem mächtigsten Strömungssystem der Erde: Es transportiert 100-mal so viel Wasser wie alle Flüsse der Welt zusammen. Selbst im Sommer sind 98 Prozent des Kontinents mit Eis bedeckt, das stellenweise bis zu 5000 Meter dick ist.

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Die Antarktis ist der einzige Erdteil ohne dauerhafte Bevölkerung. Und doch leben das ganze Jahr über Menschen in der Region um den Südpol: In rund 80 Forschungsstationen arbeiten, je nach Jahreszeit, zwischen 1000 und 5000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Deutschland betreibt fünf Stationen in der Antarktis: Gondwana, Dallmann, O’Higgins, Kohnen und Neumayer III. Alles, was die temporären Antarktis-Bewohner zum Leben brauchen, muss eingeflogen oder eingeschifft werden, da vor Ort nichts angebaut werden kann. 

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Die Antarktis ist staatsfreies Gebiet. Alle Länder, die dort Forschung betreiben, sind verpflichtet, den Antarktis-Vertrag einzuhalten. Dieser legt fest, dass die Südpolarregion nur für friedliche und wissenschaftliche Zwecke genutzt werden darf. Am Südpol wehen die Flaggen der zwölf Staaten, die den Vertrag 1959 als Erste unterzeichneten: Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Norwegen, Belgien, Japan, die UdSSR (heute Russland), Südafrika und die USA.

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Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen war der erste Mensch am Südpol. Er und seine Mitstreiter hissten dort am 14. Dezember 1911 die norwegische Flagge – nach 99 Tagen und 2700 Kilometern voller Strapazen. Nur wenige Wochen später erreichte sein Rivale Robert F. Scott das Zelt, das Amundsens Team am Südpol zurückgelassen hatte – der Brite hatte das Rennen verloren. Beide Entdecker sind am Südpol mit einer Gedenktafel verewigt und Namenspaten der US-amerikanischen Amundsen-Scott-Südpolstation.

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Auf dieser Forschungsstation gibt es eine ganz besondere Weihnachtstradition: das „Rennen um die Welt“, das die Teilnehmenden auf Skiern, Schlitten oder Schneescootern bestreiten. Die Strecke ist zwar nur rund drei Kilometer lang, überquert dafür aber alle 360 Längengrade der Erde, die am Südpol zu­sammenlaufen.


Zwischen Oktober und März ist in der Antarktis Sommer – die Temperaturen schwanken zwischen minus 25 und 0 Grad Celsius. Im Landesinneren sinken die Temperaturen im Winter durchschnittlich auf minus 70 Grad. Kein Wunder, dass die niedrigste jemals gemessene Temperatur hier registriert wurde: 2013 zeigte der NASA-Erdbeobachtungs­satellit minus 93 Grad in der Ost-Antarktis an. Doch auch der Südpol bleibt vom Klimawandel nicht verschont: In den letzten 50 Jahren stiegen die mittleren Jahrestemperaturen um 2,6 Grad. Durch die Erwärmung brechen riesige Eisberge ab und tragen zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. 

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Ohne Schlittenhunde wären Amundsen und Scott auf ihren Expeditionen nicht weit ge­kommen. Seit 1994 sind jedoch Hunde und andere nicht heimische Tiere in der Antarktis verboten, um die lokale Tierwelt vor Krankheiten zu schützen. Zudem stellen Hunde eine Gefahr für Vögel dar – und von ihnen gibt es in  der Antarktis jede Menge: Allein 20 Millionen Pinguine bevölkern das Südpolargebiet.

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Im antarktischen Eis sind rund 90 Prozent des weltweiten Eis­vorkommens und 70 Prozent des Süßwassers gebunden. Dennoch gilt der Festlandbereich der Antarktis als Wüste, da es dort kaum schneit – weniger als fünf Zentimeter pro Jahr. Die Antarktis ist nicht nur der trockenste Ort der Erde, sondern auch einer der stürmischsten. Die höchste Wind­geschwindigkeit lag dort bei 327 km/h – zum Vergleich: ab 120 km/h spricht man von einem Orkan. 

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Zu den erstaunlichsten Naturwundern der Antarktis gehört ein purpurroter Wasserfall, der treffend „Blood Falls“ – Blutfälle – genannt wird. Das Wasser, das über die Zunge des Taylor-Gletschers strömt, ist reich an Eisen und färbt sich leuchtend rot, sobald es mit Luft in Berührung kommt. Zurück bleibt eine markante Spur im Eis, die an eine riesige Wunde erinnert.

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Eine weitere Besonderheit ist der Lavasee des Mount Erebus, des südlichsten aktiven Vulkans der Erde. Mit mindestens 100 inaktiven Vulkanen unter dem Eisschild weist der Kontinent die weltweit höchste Vulkankonzentration auf. Die flüssige Lava des Mount Erebus brodelt ununterbrochen und bleibt trotz der eisigen Temperaturen glühend heiß.

12 Sie würden gern in der Antarktis arbeiten, sind aber nicht in der Wissenschaft tätig? Kein Problem! Die größte Forschungsstation des Kontinents, die US-amerikanische McMurdo-Station, beschäftigt im Sommer mehr als 1000 Menschen, darunter Köche, Hausmeisterinnen, Sanitäter und Mechanikerinnen. Das Leben dort ähnelt dem in einem Internat oder Studentenwohnheim: Es gibt Schlaf- und Speisesäle, und man kann an Buchclubs, Filmabenden oder Yogakursen teilnehmen. 

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Sie müssen jedoch nicht in einer Forschungsstation arbeiten, um die Antarktis zu besuchen. Es gibt sowohl Rundflüge als auch Kreuzfahrten. Trotz der hohen Preise, die bei etwa 10 000 Euro beginnen, ist der südlichste Punkt der Erde mittlerweile ein beliebtes Reiseziel. In der Saison 2023/2024 bereisten fast 75.000 Touristinnen und Touristen die Antarktis – so viele wie nie zuvor. Alle Reisen werden von der International Association of Antarctica Tour Operations beaufsichtigt, die strenge Umweltauflagen festlegt.