Wissen und Tipps

Autor: Anneke Fröhlich

Der Feuersalamander liebt es nass

Mit Kulleraugen und einzigartiger Färbung ist der Feuersalamander eine Schönheit unter den Amphibien. Er lebt versteckt und bringt seinen Nachwuchs ganz untypisch zur Welt.

Ein ausgewachsener gelb-schwarzer Feuersalamander auf einem nassen Stein in einer Wiese.
Unverwechselbar: Das schwarz-gelbe Muster des Feuersalamanders ist wie ein Fingerabdruck bei jedem Individuum einzigartig.

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©iStockphoto.com / Tree4Two

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Es braucht viel Glück und viel Regen, wenn man ihm in der Natur begegnen möchte: Der Feuersalamander ist vorwiegend im Schutz der Dunkelheit unterwegs. Nach kräftigen Regenfällen oder bei hoher Luftfeuchtigkeit wagen sich die Tiere aber auch mal bei Tageslicht unter dem Totholz oder Laub hervor. Dann setzen sie je zwei Beinchen diagonal abwechselnd nach vorne, sodass sich ihr Körper in Schlangenlinienform windet. In diesem charakteristischen Salamander-Gang machen sie Jagd auf Regenwürmer, Käfer, Asseln, Raupen.
Mit leuchtend gelben Flecken und Streifen auf lackschwarzem Körper sind die bis zu 20 Zentimeter langen Amphibien echte Hingucker. „Aber es ist nicht so leicht, sie zu entdecken, denn sie leben gern versteckt, und im Laub sind sie gut getarnt“, so Prof. Dr. Ulrich Walz von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden. Er leitet ein zusammen mit der Universität Leipzig und den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden initiiertes Forschungs-
projekt zum Schutz des Feuersalamanders in Sachsen. „Wir möchten noch genauer erfahren, in welchen Regionen er lebt und welche Bedingungen ideal für ihn sind.“

Nasse Kinderstube: Die Kleinen werden im Wasser geboren

Mit Erfolg rufen die Wissenschaftler dabei Naturfreunde zum Mitmachen auf: Wer einen der Lurche entdeckt, kann die Beobachtung einfach per Smartphone dokumentieren. „Vor allem im Frühjahr bekommen wir etliche Einsendungen“, berichtet Walz. Dann verlassen die Feuersalamander ihr Winterquartier, und die Weibchen suchen Bachläufe auf. Darin setzen sie meist um die 30 Larven ab, die sie lebend gebären – das ist einzigartig in unserer heimischen Amphibienwelt, deren übrige Vertreter Laich ablegen. Die Larven leben einige Wochen im Wasser, bevor die Metarmorphose einsetzt, ähnlich wie die Wandlung von der Kaulquappe zum Frosch: Die Kiemen bilden sich zurück, dafür entwickeln sich Lungen. Entsprechend verlagern sie ihren Lebensraum an Land. 
Seinen Namen verdankt der Feuersalamander einem antiken Mythos. Man glaubte, die Tiere lebten unverwundbar im Feuer. Tatsächlich sind sie eng mit dem Element Wasser verbunden: Auch nach den ersten Lebensmonaten bleiben sie in der Nähe klarer Fließgewässer und schätzen den reich gedeckten Tisch in feuchten Laubwaldböden. 
Der Feuersalamander fühlt sich wohl, wo Wälder und Bäche noch intakt sind. Die vergangenen Jahrzehnte mit intensiverer Landwirtschaft, Bevorzugung ertragreicher Nadelwälder und zunehmendem Straßenverkehr haben dem Lurch das Leben nicht leicht gemacht – sein Bestand ist gefährdet. Trotz Gewässerschutz, Renaturierung von Wäldern und Schutzmaßnahmen an Straßen sorgen Klimaveränderungen dafür, dass kleinere Bachläufe immer öfter früh im Jahr trockenfallen: genau in der Zeit, in der die Salamanderlarven darin heranwachsen. „Auch Starkregenereignisse sind ein Problem, wenn sie gehäuft auftreten“, so Walz. Aus sprudelnden Bächen werden plötzlich reißende Flüsse, die junge Feuersalamander etwa von der Sächsischen Schweiz bis in die Elbe spülen, wo sie von Fischen gefressen werden.
Eine andere Gefahr stellt der hochansteckende Pilz namens „Batrachochytrium salamandrivorans“ dar, kurz Bsal. Die „Salamanderpest“ verursacht Wunden auf der Haut der Tiere, die dann an Folgeinfektionen sterben. Vermutlich wurde der Keim vor rund 15 Jahren aus Asien eingeschleppt. Rund um Aachen hat er die Population fast ausgelöscht. „In Sachsen haben wir Bsal noch nicht“, berichtet Walz, sieht aber die Gefahr, dass der Erreger über Fahrzeugreifen oder Schuhsohlen andernorts ankommen könnte. Die weitere Ausbreitung des Pilzes zu verhindern ist nicht leicht, da ihn andere Wildtiere passiv weitertragen und seine Sporen monatelang im Waldboden überleben.

Abstand, bitte! Was den schönen Schwanzlurch schützt

Begibt man sich auf die Spuren des Feuersalamanders, kann man viel dazu beitragen, ihn zu schützen. Dazu gehört: auf den Wegen zu bleiben, keine Gewässer zu betreten und das Tier nicht anzufassen. Das schont nicht nur den Feuersalamander. Fühlt sich dieser nämlich bedroht, sondert er aus  seinen Hautdrüsen ein milchiges Sekret ab, das Igel, Dachs & Co. gar nicht gut bekommt. Sein Muster dient als Warnsignal an mögliche Fressfeinde: Vorsicht, giftig! Menschen spüren meist nur ein leichtes Brennen auf der Haut. Für empfindliche Personen kann der Kontakt aber unangenehm sein. 
Wer den Lurch also zufällig entdeckt, hält am besten Abstand, genießt den Anblick – und sieht dabei zu, wie der wunderschöne Waldbewohner gemächlich davonkrabbelt, Vorderbein links, Hinterbein rechts ...


Steckbrief: Feuersalamander

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist in Deutschland überall dort verbreitet, wo er fließende Quellgewässer und feuchte Laubwälder vorfindet; die Mittelgebirge bilden die nördliche Grenze. Die Amphibien können bis zu 20 Jahre alt werden. Nach acht bis neun Monaten im Mutterleib werden die Larven im Frühjahr lebend in Bachläufe abgesetzt. Dort bleiben sie zwei bis vier Monate, bis sie ihre Metarmorphose durchlaufen. Als wechselwarme Tiere halten Feuersalamander eine Winterruhe in frostfreien Verstecken.