Die Geschichte von Essiggurke & Co.
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In Dem Schauspiel Der Sturm von William Shakespeare aus dem frühen 17. Jahrhundert fragt König Alonso den Hofnarren: How camest thou in this pickle? (etwa: Wie bist du in diese Klemme geraten?) Man könnte sagen, dass wir ohne das herrlich deftige Nahrungsmittel Gewürzgurke und anderes eingelegtes Gemüse (englisch: pickles) in einer Klemme stecken würden.
Heute findet man Pickles überall. In Kanada gibt es auf Messen wie der Pacific National Exhibition in Vancouver sogar Zuckerwatte mit Gurkengeschmack, Pommes frites, Pizza und Limonade mit Saure-Gurken-Aroma. Und der häufigste Sonderwunsch in acht kanadischen Städten lautet einem Lieferdienst zufolge: „Extra Essiggurken, bitte!“ Schon vor Tausenden von Jahren genossen die Mesopotamier im heutigen Syrien, der Türkei und dem Irak in Essig eingelegte Gurken, die sie aus Indien mitgebracht hatten. Die erste Erwähnung von in Salzlake eingelegtem Gemüse stammt aus einem alten chinesischen Manuskript, das mehr als 9000 Jahre alt ist, schreibt Jan Davison in dem Buch Pickles: A Global History.
Die Haltbarkeit von eingelegten Gurken machte sie perfekt für die langen, kalten Winter in Ländern wie Deutschland, Ungarn und Polen, wo sie bis heute quasi zu den Grundnahrungsmitteln zählen. Beim Einlegen wird Gemüse meist mit Essig oder Salzwasser (Lake) übergossen, um Bakterien fernzuhalten. Oft kommen noch Knoblauch, Dill oder Senfkörner dazu, die nicht nur den Geschmack verfeinern, sondern ebenfalls antimikrobiell wirken.
Lebensmittel werden weltweit eingelegt. Sauerkraut und Kimchi sind fermentierte und eingelegte Kohlsorten, während Hering in Skandinavien beliebt ist. In Indien findet man pikant konservierte, unreife Mangos. Von Zitronen bis zu Schweinshaxen, von Okra bis zu hartgekochten Eiern wurde fast alles schon eingelegt.
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Saure Gurken für lange Fahrten
Christoph Kolumbus nahm auf seinen Fahrten üblicherweise saure Gurken mit. Sie hielten sich nicht nur monatelang, sie waren auch eine hervorragende Vitamin-C-Quelle und halfen so, Skorbut zu verhindern. Kolumbus erwarb seine Gurken von Amerigo Vespucci, einem italienischen Händler, der Vorräte an Seeleute verkaufte und nach dem der „neue“ Kontinent benannt wurde. Vespucci hat Amerika zwar ebenso wenig „entdeckt“ wie Kolumbus, aber die frühen Kartografen glaubten, er hätte es getan. Heute sind die gängigsten Gurkensorten in Nordamerika koschere Pickles, die zusammen mit Knoblauch, Dill und verschiedenen Gewürzen eingelegt werden. Im 19. Jahrhundert brachten sie jüdische Einwanderer nach New York. Eine Besonderheit sind die sogenannten Brot-und-Butter-Pickles, die dank braunem Zucker oder Sirup in der Lake süß schmecken.
Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago lockte Henry J. Heinz Messebesucher mit einem Gratisgeschenk in Form einer Gurke zu seinem Stand. Die Firma Heinz beherrschte den Markt in den USA bis in die 1970er-Jahre. Dann wurde ein anderes Unternehmen Vorreiter, das Werbung mit einem Storch machte, der Gurken statt Babys brachte. Vielleicht tut uns allen eine tägliche Portion Pickles gut, vor allem eine fermentierte Sorte wie Kimchi, da sie eine Quelle von Probiotika ist und die Darmgesundheit unterstützt. Nehmen Sie also in Anlehnung an Shakespeare diese Redewendung zur Kenntnis: Entweder du liebst Saures oder du steckst in der Klemme.






