Gesundheit

Autor: Reader's Digest Book

Autismus: Diagnose per digitalem Tool?

Laut einer Studie könnte ein neues Testsystem mithilfe einer Software es erleichtern, Autismus schon frühzeitig zu erkennen.

Symbole für Autismus: eine bunte Schleife und viele bunte Hände aus Filz liegen auf einem hellblauen Untergrund

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©iStockphotot.com / nambitomo

Ob ein Kind an einer Autismusspektrumstörung leidet, lässt sich in den ersten Lebensmonaten häufig nicht bemerken. Meist fallen erst ab dem 9. bis zum 18. Lebensmonat Anzeichen auf: Die Kinder zeigen repetitive Bewegungen, reagieren nicht auf ihren Namen, verhalten sich sozial auffällig. Besteht dieser Verdacht, erfolgt in der Regel ein spezieller Test namens M-CHAT-R/F. Hierdurch lassen sich die meisten Betroffenen mit Autismus erkennen, aber der Test ist nicht genau genug: Nicht wenige erhalten fälschlicherweise diese Diagnose. 

Eine neue Methode könnte hier mehr Sicherheit bringen. Bekannt ist, dass Kleinkinder mit Autismus sozialen Reizen auffällig wenig Aufmerksamkeit schenken, was sich mit dem Tracken von Augenbewegungen nachweisen lässt. Das neue Testsystem kann noch mehr: Die Kinder verfolgen über ein Tablet bestimmte kurze Videos, während eine Kamera ihre Reaktionen aufzeichnet: Gesichtsausdruck, Augenbewegungen, Bewegungen mit der Hand zum Tablet etc. Eine Software wertet die Daten dann aus. Geprüft wurden in einer Studie 475 Kleinkinder; 49 erwiesen sich bei der anschließenden üblichen Diagnostik als Autist. Beim Vergleich zeigte die Software eine hohe Trefferquote, und zwar auch beim Erkennen von Kindern, die zwar auffällig waren, aber nicht an Autismus litten. Mithilfe dieses Programms, am besten in Kombination mit der Beurteilung durch Eltern und Ärzte, ließe sich Autismus wahrscheinlich frühzeitiger diagnostizieren, meinen die Forscher. So könnte auch eine geeignete Behandlung früher starten.  

Individuelle Therapie

Wegen der sehr unterschiedlichen Bedürfnisse von Autisten ist eine individuell angepasste Therapie nötig. Es geht darum, die soziale Interaktion und Kommunikation zu stärken, die Kinder darin zu unterstützen, ihren Alltag gestalten zu können, ihre Stärken zu erkennen und zu nutzen. Seit Jahrzehnten bekannt und erprobt ist ein Therapiebaustein namens TEEACH-Konzept. Seit kurzer Zeit wird auch das in Tübingen entwickelte und wissenschaftlich überprüfte Programm TüTASS angeboten, in dem das Training von Achtsamkeit im Fokus steht.