Gesundheit

Autor: Reader's Digest Book

Schlaf: Guten Morgen schlaues Kind

Ausreichender Tiefschlaf mit REM-Phasen ist bei kleinen Kindern besonders wichtig für die Vernetzung von Nervenzellen.

Ein kleiner Junge liegt im Bett und schhläft

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©iStockphoto.com / Adene Sanchez

Wann ist das Gehirn eines Säuglings oder Kleinkinds hauptsächlich aktiv? Im Schlaf, schreibt die Schlafforscherin Kerstin Hödlmoser in einer aktuellen Publikation, denn gerade kleine Kinder verbringen viel mehr Zeit schlafend als mit der Nahrungsaufnahme oder sozialer Interaktion. Wie wichtig ausreichender Schlaf auch bereits in den ersten Lebensmonaten für die allgemeine psychische und körperliche Gesundheit ist, ist schon länger bekannt. Zugleich leidet etwa ein Drittel der Kinder an Schlafstörungen. Welche Rolle „guter Schlaf“ speziell für das Gedächtnis spielt, ist in Studien in letzter Zeit noch deutlicher geworden. Dabei geht es vor allem um ausreichenden Tiefschlaf, aber auch den richtigen Rhythmus leichterer Schlafphasen.

Neben subjektiver Bewertung lässt sich guter Schlaf inzwischen auch bei Kindern objektiv beurteilen: Hier spielen zum einen die Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern eine Rolle. Die Bewegungen führen zu minimalen elektrischen Strömen, die sich per Elektrodenpflastern beidseits am Auge messen lassen.

Beim REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) lassen sich starke Augenbewegungen erkennen, die beim Non-REM-Schlaf fehlen. Beide Schlafphasen wechseln sich im Lauf der Nacht ab; der typische Rhythmus ändert sich mit dem Alter. Bei Kleinkindern überwiegen im Vergleich die REM-Phasen; zudem zeigen sich in Kindheit und Jugend bei gesundem Schlaf ausgeprägtere Tiefschlafphasen. Ergebnisse. Studien zufolge hat der Tiefschlaf eine große Bedeutung dafür, dass sich − vermittelt durch das tagsüber Erlebte – die Nervenzellen entsprechend anpassen und neu vernetzen: Aus Erfahrung lernt man. Tatsächlich ließ sich nachweisen, dass gerade der Tiefschlaf nötig ist, um Erlerntes abrufbar im Gehirn abzuspeichern – etwa erlerntes Schulwissen. Nach einem guten Schlaf konnten Kinder Erlerntes in Tests am nächsten Tag im Vergleich besser wiedergeben. Zusätzlich tragen aber auch Non-REM-Schlaf und REM-Schlaf zu einer optimalen Gedächtnisbildung bei, ebenfalls beim Nickerchen tagsüber. Diese Prozesse sind gerade bei kleinen Kindern so wichtig, weil diese jeden Tag enorm viele neue Eindrücke sammeln, die das Gehirn dann beim Mittagsschlaf oder nachts sozusagen ordnen und „erinnern“ muss.

Nur so kann sich das Kind geistig gut weiterentwickeln. Wie die Gedächtnisbildung genau funktioniert, versuchen Forscher anhand der Auswertung von Eleketroenzephalogrammen mit verschiedenen Hypothesen zu erklären. Ein Ergebnis neuerer Studien ist, dass das Zusammenspiel zwischen bestimmten Hirnströmen während des Non-REM-Schlafs darauf rückschließen lässt, wie gut ein Kind neues Wissen erlernen kann. Diese abgestimmte Aktivität von Nervenzellen erweist sich auch für die Förderung neuer Fähigkeiten wie etwa Einradfahren als wichtig und verbessert sich bis zum Jugendalter immer weiter. Guter Schlaf ist auch für unsere Gefühlswelt entscheidend: Untersuchungen zufolge erinnern sich vor allem Kleinkinder viel besser an positiv erlebte (belohnte) Erfahrung, wenn sie ausreichend schlafen. 

Nach einem geistig und körperlich anregenden Tag, möglichst mit gewohnten Abläufen und mit dem immer wieder bestätigten Gefühl, geborgen zu sein, schläft es sich also besser. Regelmäßig gleiche Rituale vorm Einschlafen − wie ein angenehmes Bad, ein Gespräch über die Erlebnisse am Tag oder Vorlesen −, ein gut gelüftetes, nicht zu warmes Schlafzimmer sowie keine Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen sind zu empfehlen. Ab dem Schulalter haben sich Projekte als effektiv erwiesen, bei denen die Kinder selbst lernen, wie sie für guten Schlaf sorgen können.